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Würdigung

29.07.2019

Stätten des Respekts

Der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Dr. Ludwig Spaenle, bei der Schlussrede des Festaktes.
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Der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Dr. Ludwig Spaenle, bei der Schlussrede des Festaktes.

Festakt zur Neugestaltung des Bürgerhauses Alte Jüdische Schule Hainsfarth

Zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren gekommen, um die Neugestaltung des Bürgerhauses „Alte Jüdische Schule“ und des Synagogenvorplatzes mit Mikwe zu feiern. Die Zeremonie begann mit einer berührenden Einspielung eines Aaronitischen Segens, gesungen vom jüdischen Oberkantor Estrongo Nachama.

Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister der Gemeine Hainsfarth, Klaus Engelhardt, ließen es sich ebenso zahlreiche Redner nicht nehmen, Grußworte zu sprechen: Landtagsabgeordneter Wolfgang Fackler, Landrat Stefan Rößle, der stellvertretende Bezirkstagspräsident von Schwaben, Edgar Rölz, die leitende Baurätin der Regierung von Schwaben, Christine Schweiger, Regierungsbaumeister Eberhard von Angerer, die ausführende Architektin Dorothea Baur und Dr. Sabine Mayer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Unisono lobten sie das neu geschaffene – und jetzt vereinte – Ensemble Synagoge in Hainsfarth, Bürgerhaus, Mikwe und Friedhof, das in Bayerisch-Schwaben in dieser Form einzigartig sei. Ebenso lobten alle die konzertierten Aktionen, um die Finanzierung des Gesamtvolumens von rund 772 000 Euro zu ermöglichen: Die Sanierung des Bürgerhauses kostete rund 638000 Euro, 321000 davon wurden durch das Bayerische Städtebauförderungsprogramm bezuschusst, der Freundeskreis der Synagoge Hainsfarth und das Landesamt für Denkmalpflege förderten die Restaurierung der Mikwe. Auch zahlreiche Firmen, Banken und private Spender hatten ihr Scherflein dazu beigetragen. Hervorgehoben wurde ebenfalls, dass das Ensemble nicht nur als Denkmal genutzt werden wird, sondern vor allem auch als Begegnungsstätte dienen soll. Lobende Worte fand Architektin Dorothea Baur, dass es gemeinsam mit allen Beteiligten gelungen war, das Projekt „aus dem Baustopp auszulösen“. Sie schilderte auch, wie es gelungen war, die Renovierungskosten so niedrig wie möglich zu halten, dass man eben „das, was da war, ertüchtigt hat“. Zum Beispiel hat man bei einem Hainsfarther Bürger alte Türen gefunden, die – schön restauriert – jetzt dort eingebaut seien und die schöne Haustür der Begegnungsstätte hat der Nachbar der Synagoge aus seinem Fundus beigesteuert. Eher zurückhaltend äußerten sich die Vorredner zur jüdischen Geschichte der Gemeinde, erst Sigried Atzmon, Vorsitzende des Freundeskreises der Synagoge, ging in ihrer sehr emotionalen Festrede auf die dunkle Vergangenheit ein.

Stätten des Respekts

Sie prägte den Satz von „Stätten des Respekts und der Versöhnung“. Ihr, deren Hartnäckigkeit und deren „Brennen für die Sache“ die Realisation des Ensembles hauptsächlich zu verdanken ist, zollten alle Redner großes Lob, das sie bescheiden zurückgab. Zwischen den Redebeiträgen sorgte ein Ensemble der Knaben- und Stadtkapelle Nördlingen auf erstaunlichem Niveau für die musikalische Auflockerung. Das Schlusswort lieferte der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Dr. Ludwig Spaenle, der beim Thema Diskriminierung und Antisemitismus allerdings kein Blatt vor den Mund nahm.

Er nannte die Judenpogrome der Nazizeit einen „weltgeschichtlich einmaligen gesellschaftlichen Absturz“, sprach von einem „Nirvana des Wahnsinns“ und forderte alle Menschen auf, sich diesen Auswüchsen, die heute wieder zu verzeichnen sind, entschieden entgegenzusetzen. „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen“, zitierte er den Theologen Dietrich Bonhoeffer, der 1945 im KZ Flossenbürg ermordet worden war. Umso mehr lobte er die Wichtigkeit des Ensembles, das in Hainsfarth (wieder) entstanden sei und hob dessen – aus seiner Sicht – sogar staatspolitische Bedeutung hervor.

Danach hätte man gerne die Segnung der Anlage in Ruhe vorgenommen, doch der strömende Regen verhinderte eine längere Zeremonie auf dem Platz im Freien. So „retteten“ sich viele Besucher vor dem Nass von oben ins neue Bürgerhaus, von dessen gelungener Gestaltung man sich anschließend umso intensiver überzeugen konnte.

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