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Nördlingen

07.08.2020

Tourismus in Nördlingen bricht um die Hälfte ein

Touristen erklimmen den Daniel, das Wahrzeichen der Stadt. Einige von ihnen sind mit dem Fahrrad gekommen.
Bild: Matthias Link

Plus Nach den Öffnungen haben sich Hotels und die Gastronomie im Kreis Donau-Ries nach aktuellen Zahlen nur schleppend erholt. Wie die Region im bayerischen Vergleich dasteht.

Vollbepackte Radgruppen tummeln sich im Sonnenschein vor der St.-Georgs-Kirche, eine Menschentraube bildet sich vor dem Aufgang zum Daniel. Ferienzeit ist Reisezeit. Nördlingen und das Ries locken für gewöhnlich zahlreiche Touristen an, die sich für den Krater und die Stadtgeschichte interessieren oder die Erholung in der Natur suchen. Doch wie sieht es im laufenden Corona-Sommer mit dem Fremdenverkehr aus?

„Die Situation ist nicht normal“, sagt Josef Meyer, Vorsitzender der Kreisstelle Donau-Ries im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. „Bei Übernachtungen haben wir einen Rückgang um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wir sind nach wie vor bemüht, dass wir mit dem Hygienekonzept arbeiten, aber die Auslastungsmöglichkeiten sind noch nicht im Vollen gegeben.“ Besonders hart würde es Wemding treffen, da dort drei Hotels besonders eng mit Veranstaltern von Gruppenreisen zusammenarbeiteten, die die Stadt als Stützpunkt für Exkursionen ins Ries nutzten. Die Reisebusbranche läge derzeit aber am Boden und damit auch das Gruppengeschäft. Meyer schätzt, dass Nördlingen und Donauwörth davon nicht im selben Maße betroffen seien wie Wemding.

Gastronomie: Kapazitäten nach unten gerutscht

In der Gastronomie sei die Lage ähnlich problematisch. „Durch die Auflockerung der Tische sind die Kapazitäten nach unten gerutscht. Die Aufwendungen wegen der Hygienevorschriften belasten die Branche zusätzlich.“ Der Umsatz ist im Ries nach seiner persönlichen Schätzung um 50 Prozent zurückgegangen.

Tourismus in Nördlingen bricht um die Hälfte ein

Von Mitte März bis Ende Mai war die Hotellerie ohnehin geschlossen. Doch auch nach der Öffnung im Juni kamen Übernachtungsgäste nur schleppend. Knapp 20000-mal übernachteten sie in diesem Monat im Landkreis Donau-Ries – und damit 56 Prozent seltener als noch im Vorjahresmonat. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamts hervor. Die Zahl der Gäste ging ähnlich stark auf knapp 9000 zurück. Aus dem Ausland kamen etwa 1000 Besucher. 2019 waren es viermal mehr.

Ähnlich wie im Landkreis entwickelte sich der Tourismus in Nördlingen. Ebenfalls um die Hälfte zurück ging die Zahl der Gäste, die mehrere Tage blieben, auf gut 3100 und ihre Übernachtungen auf knapp 6300. Darunter waren 327 ausländische Touristen. Im Juni 2019 waren es fast 1600.

Besucherzahlen des Stadtmuseums ging um zwei Drittel zurück

Den Einbruch der ausländischen Gäste merken auch die Nördlinger Museen. Insbesondere Besucher aus den USA oder Asien fehlten momentan noch gänzlich, heißt es vom Stadtmauermuseum. Die Zahl der Besucher ging dort um zwei Drittel zurück.

Bei den Stadtführungen gab es dieses Jahr bislang 185 Gruppenführungen, im Vorjahr waren es bis Ende Juli 726 laut Rudi Scherer, Sprecher der Stadt Nördlingen. Vermehrt würden aber Einzelpersonen an Stadtführungen teilnehmen. Das Stadtmuseum besuchten im laufenden Jahr 1390 Interessierte, etwa 50 Prozent weniger als sonst. Dafür sei das Publikum nun jünger und bestünde aus mehr Familien und Kleingruppen aus der Region. Das Rieskratermuseum vermeldet ebenfalls einen Rückgang der Besucherzahlen um die Hälfte. Auch dort kämen mehr regionale Gruppen und Einzelbesucher. Die Ausflüge von Vereinen nach Nördlingen würden neben den Reisegruppen und Schulklassen aus anderen Städten am meisten fehlen, sagt Scherer.

Kulturangebot wird langsam wieder hochgefahren

Indem die Stadt ihr Kulturangebot langsam wieder hochfährt, hofft sie, Touristen nach Nördlingen zu locken. Vor vier Wochen startete die Reihe „Musik am Marktplatz“ wieder, wie Scherer sagt. Mit „Gogol & Mäx“ träten außerdem am 19. September „zwei weltweit einmalige Kleinkünstler mit Musik und Pantomime“ auf. Am gleichen Tag finde in St. Georg auch ein Jazz-Konzert statt. „Wir planen weiter für den Herbst und das Frühjahr.“

Bayerns Tourismus ist insgesamt eingebrochen – aber nicht so stark wie im Kreis Donau-Ries und in Nördlingen. Bayernweit lag die Zahl der Gäste im Juni mit 1,8 Millionen etwa 45 Prozent niedriger als im Vorjahr. Davon waren 92 Prozent Inlandstouristen. Die Zahl der Übernachtungen sank um ein gutes Drittel auf 5,5 Millionen.

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