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02.01.2018

Treuer Weggefährte der Patienten

Nur schweren Herzens übergibt Dr. Wulf-Dietrich Kavasch (rechts) ab 8. Januar seine Kleintierpraxis in Hohenaltheim an seinen Nachfolger Dr. Peter Bober. Nicht immer hat Kavasch nur Kleintier behandelt: Er versorgte schon Lamas und untersuchte Alpakas.
Bild: Sophia Huber

Übernahme Nach jahrzehntelanger Tätigkeit als Tierarzt übergibt Dr. Kavasch seine Praxis. Woran er sich gerne erinnert und was sich mit seinem Nachfolger verändern wird

Hohenaltheim „Danke, dass Sie Tag und Nacht für uns da waren“, steht in einer der Karten geschrieben, die Tierarzt Dr. Wulf-Dietrich Kavasch auf seinem Schreibtisch in seinem Büro in Hohenaltheim abgelegt hat. Nach über 46 Jahren verabschiedet sich Kavasch von seiner Kleintierpraxis und übergibt diese an seinen Nachfolger Dr. Peter Bober.

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Der Schritt fiel ihm nicht leicht. 1971 fing Kavasch an, als Tierarzt in Hohenaltheim zu arbeiten, damals noch in einer Gemeinschaftspraxis. Grund dafür war der dringende Anruf eines Kollegen, dessen Praxis er übernehmen sollte. „Anfangs befand sich die Praxis noch in einer Kindertoilette“, sagt Kavasch. In den 70er Jahren waren über dem Haus der Familie Kavasch, welches die heutige Praxis mit beinhaltet, Schulräume untergebracht. Die Toilettenräume wurden als Arztzimmer verwendet.

„Ich habe zurückblickend in meinen fast 50 Jahren Tätigkeit den kompletten Strukturwandel in der Landwirtschaft mitbekommen“, erzählt Kavasch. Als er angefangen habe, gab es wenig Wertschätzung für Kleintiere, und das Nutztier stand im Vordergrund. Er erinnert sich an seine Anfänge als Tierarzt in Hohenaltheim, als er beispielsweise in 120 Milchviehbetrieben in Deiningen Impfungen durchführte. Heute gebe es dort noch zwei oder drei.

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In seiner Laufbahn habe der Tierarzt einiges erlebt. Sei es ein Lama, das auf einmal in seinem Hof stand oder ein Ziegenbock, der samt Besitzer im Anhänger in die Hohenaltheimer Praxis kam. Er habe sich jeder Tierart angenommen und das schätzten viele seiner Kunden. „Aufgrund der Veränderungen in der Landwirtschaft wurden auch Katzen oder Nagetiere interessanter“, sagt Kavasch. Seit 2007 wird die Praxis schließlich als reine Kleintierpraxis geführt.

Zehn Jahre später entschieden sich Wulf-Dietrich und seine Frau Martha, die ebenfalls lange im Büro der Praxis tätig war, sich ein paar Jahre Ruhe zu gönnen. Doch nach Ruhe klingen die Pläne der beiden ganz und gar nicht: „Wir haben schon fast die ganze Welt gesehen, doch ein paar Ecken fehlen uns noch“, sagt Kavasch. „Die Inselgruppe Spitzbergen und die Tonsoldaten in China gehören zu den Dingen, die wir unbedingt noch sehen wollen.“

Wulf-Dietrich Kavasch ist nicht nur Tierarzt, sondern auch Bürgermeister der Gemeinde Hohenaltheim. Dazu ist er in fast jedem Verein dort tätig, wie er selbst bestätigt. Außerdem sei er seit 30 Jahren Vorsitzender des Tierschutzvereins Nördlingen und habe wesentliche Projekte mit vorangetrieben. „Der Abschied von der Praxis fällt mir unglaublich schwer“, sagt Kavasch. Doch da sich die Räume in seinem Wohnhaus befinden, werde er seinem Nachfolger mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Ab 8. Januar wird Dr. Peter Bober die Kleintierpraxis übernehmen. Der gebürtige Pole hat Tiermedizin studiert und lange in einer gemischten Praxis in Tapfheim gearbeitet. „Seit August 2017 bin ich bei Dr. Kavasch, um die Kunden kennenzulernen und mich einzuarbeiten“, sagt Bober. Der 42-Jährige lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern mittlerweile in Hohenaltheim und habe sich dank Familie Kavasch schnell in der Gemeinde eingelebt. „Ich will die Praxis im Stil von Dr. Kavasch weiterführen“, sagt Bober, „jedoch interessiere ich mich auch für Naturheilkunde und werde etwas Homöopathie mit in die Behandlungen einfließen lassen.“ Er sei gespannt auf die Zukunft.

Dr. Kavasch hat, wie er selbst sagt, ein schlechtes Gewissen, mit fast 74 Jahren als Tierarzt aufzuhören. Doch die Erlebnisse, die er gesammelt habe, werde er noch lange in Erinnerung behalten. Und etwas Ruhe hat sich der Tierarzt, Vorsitzende etlicher Vereine, jahrelanger Gemeinderat und Bürgermeister wirklich verdient.

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