1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Überfall aus Rache und Eifersucht?

Prozess

09.10.2019

Überfall aus Rache und Eifersucht?

Eine Frau aus dem Ries soll zwei Männer beauftragt haben, ihren Ex-Mann zu überfallen.
Bild: David Ebener, dpa (Symbolbild)

Plus Eine Frau aus dem Ries soll zwei Männer beauftragt haben, ihren Ex-Mann zu überfallen. Das fordern Staatsanwaltschaft und Verteidigung in ihren Plädoyers.

Vertauschte Rollen vor dem Landgericht Augsburg: Im April verurteilte eine Strafkammer des Landgerichts zwei junge Männer zu Haftstrafen von sieben und neun Jahren (wir berichteten). Die Angeklagten, die geständig waren, hatten einen Unternehmer im Ries in dessen Privathaus überfallen und hatten eine Geldkassette mit 12500 Euro geraubt. Im momentanen Prozess sind die beiden Verurteilten jetzt Zeugen und auf der Anklagebank sitzt die frühere Ehefrau des Unternehmers. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt sie, Auftraggeberin des Überfalls gewesen zu sein. Aus Rache und aus Eifersucht. 2015 ließ sich das Ehepaar scheiden. Die Frau arbeitete jedoch zunächst weiter in der Firma ihres Mannes, bis dieser ihr kündigte. Er habe ihre Eifersuchtsszenen nicht mehr ausgehalten, so der Unternehmer.

Im Beisein des Geschädigten, der im Prozess als Nebenkläger auftritt, lässt der Chefermittler bei der Dillinger Kripo die Tat vom 1. Februar vorigen Jahres noch einmal Revue passieren. Gegen sechs Uhr morgens drangen die beiden Männer nahezu lautlos in das Haus ein. Dank eines Türschlüssels, den sie von der Angeklagten bekommen hatten. Die Täter waren mit einem Elektroschocker und einer Schreckschusspistole bewaffnet. Um nicht erkannt zu werden, trugen sie Maleroveralls und hatten sich Motorradsturmhauben über das Gesicht gezogen.

Nach 14 Minuten war der Spuk vorbei

Die Einbrecher stürzten sich auf den Unternehmer, der im Bett lag. Dieser konnte noch eine im Nachtkästchen verwahrte Schreckschusspistole greifen. Doch als er abdrückte, löste sich kein Schuss. Seinerseits bekam er eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht. Der Überfallene rang um Luft. Eine der Männer brachte ihm auf seine Bitte hin ein nasses Handtuch. Was auch notwendig war, denn er sollte kurz darauf eine speziell gesicherte Geldkassette öffnen.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Nach 14 Minuten war der Spuk vorbei. Die Täter verzichteten darauf, ihr Opfer zu fesseln. „Man hat gespürt, sie sind keine hochextremen Kriminellen“, sagt der Unternehmer vor Gericht. Ins Bild passt, dass die Täter nicht das Farbspray verwendeten, mit dem sie eigentlich die Überwachungskameras hatten ausschalten wollen. Die Kripo sah zudem später in einer Aufzeichnung, wie einer der Täter sich den Plastiküberzug vom Schuh entfernt hatte. Anhand des Sohlenabdrucks konnte sie ihn identifizieren.

Der Verteidiger fordert eine deutlich niedrigere Haftstrafe

Doch bis es so weit war sollte es noch Monate dauern. Obwohl der Unternehmer und auch seine erwachsenen Kinder die Ex-Frau verdächtigten, hinter dem Überfall zu stecken, fehlten Hinweise auf die Täter. Nach zwei Monaten brach die Kripo die Überwachung ihrer Telefongespräche ergebnislos ab. Im Mai 2018 gab es dann eine Spur. Die Kripo in Ansbach durchsuchte die Wohnung eines Drogenabhängigen und fand jene grüne Schreckschusspistole, welche dem Unternehmer abgenommen worden war.

Der Mann wurde im Juni festgenommen und legte ein Geständnis ab. Noch am gleichen Tag wurde auch die Angeklagte verhaftet. Im ersten Prozess saß sie schon mit auf der Anklagebank. Nachdem bekannt wurde, dass sie vor der Tat zeitweise an psychischen Problemen litt, wurde das Verfahren gegen sie ausgesetzt. Der gestern im Prozess gehörte Gutachter hält sie jedoch für voll schuldfähig.

Staatsanwalt Burkhard Weiß beantragt in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von elf Jahren. Bei der Tatplanung habe die Angeklagte „äußerst hohe kriminelle Energie“ gezeigt. Die Angeklagte legt durch ihren Verteidiger – wie auch schon im ersten Prozess – ein Teilgeständnis ab. In seinem Plädoyer beantragt Verteidiger Gregor Rose eine deutlich niedrigere Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Seine Mandantin habe ihrem Ehemann nur eine Abreibung verpassen wollen. Es sei nicht bewiesen, dass sie auch wollte, dass Geld gestohlen wird, sagt er. Die Strafkammer will heute das Urteil verkünden.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren