Newsticker

Bundesregierung hebt Reisewarnung für europäische Länder auf

Das Wort zum Samstag

04.04.2020

Unfassbarer Gott

Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/Symbolbild/Archiv (dpa)

Senta-Victoria Burger ist evangelische Pfarrerin in Nähermemmingen. Sie schreibt in ihrem Wort zum Sonntag, dass Gott uns gerade in Krisenzeiten wie diesen nah ist.

Gestern war ich im Museum in Berlin spazieren – zuhause vom Sofa aus. In 360-Grad-Optik durch den Pergamon Altar. Der Kampf der Giganten mit den griechischen Göttern ist zu sehen. In der Antike wurden die Götter als Statuen dargestellt und verehrt. Die Götter tragen ganz menschliche Züge und sind in Kämpfe und Intrigen verstrickt.

Die Menschen holten so die Götter in ihre Welt. Wetterphänomene oder Naturkatastrophen wurden mit dem Wüten der Götter erklärt. Als moderne Menschen schmunzeln wir darüber. Aber wünschen wir uns nicht gerade in diesen Tagen oft auch solche Erklärungen?

Corona: Verschwörungstheorien und Strafpredigten im Netz

Da lese ich im Netz gewagte Theorien, warum das Corona-Virus zu uns gekommen ist und wie Gott dabei zu verorten ist. Von Verschwörungstheorie bis hin zu Strafpredigten ist alles zu finden. Mein kritischer Verstand schreit auf bei solch einfachen und einseitigen Erklärungen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Es kommt mir vor, als wollen wir die unsichere Situation und Gott dingfest machen: in klare, greifbare Strukturen gießen – wie so eine Götterstatue. Der Psalm 115 redet davon: „Ihre Götzen aber sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht. Sie haben Augen und sehen nicht.“

Gott immer wieder an seinen Werken aufspüren

Die alttestamentliche Tradition lehrt uns: Gott ist anders. Er lässt sich nicht in vorgegebene Statuen und Erklärungen pressen. Gott entgrenzt sich. So heißt es in der Losung für heute: „Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott? Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.“

Die Himmel bilden den nicht greifbaren Raum für uns Menschen ab. Gott ist nicht erklärbar. Gerade das macht das Göttliche aus. Vielleicht bleibt sein Handeln uns manchmal verschlossen. Trotzdem können wir Gottes unsichtbares Wesen immer wieder an seinen Werken aufspüren. Den Spruch einer Konfirmandin: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott sieht das Herz an“ möchte ich gerne erweitern: Der Mensch vertraut auf die Augen des Glaubens, um Gott in den Katastrophen dieser Welt zu entdecken!

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren