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Kleinkunst

30.10.2016

Von der Putzfrau bis zum Habedere

Putzfrau Frieda (rechts) lästerte nicht nur über ihre Chefin. Sie meinte auch: Die BHs von früher seien viel besser gewesen. In ein Uraltmodell half ihr Alexander Weiß (links), der als Leukos auf der Bühne stand.
Bild: Zuber

Offene Unterhaltungsbühne fordert vom Publikum einiges ab. Wer im Nachtschwärmer punkten konnte und wie es weiter geht.

Auch jede gute Serie hat mal einen Durchhänger. Das kann selbst der erfolgsverwöhnten Offenen Unterhaltungsbühne passieren. So geschehen am Freitag. Es war im Vorfeld schon abzusehen, dass es eine getragene Mischung wird: vor allem Erzähl- und Wortbeiträge und ruhige, musikalische Nummern hatten sich angekündigt. Das verlangte vom Publikum hohe Konzentration ab und gelang nur auf den vorderen Plätzen. Der großen Bühne im Nachtschwärmer hätten lautere und wildere Beiträge gut getan. Denn die Location ist sicher eine der besten in der Stadt für das Offene-Bühne-Format.

Moderator Dominik Herzog erzählte zum Einstieg, dass er in der Nördlinger Fußgängerzone einen Horror-Clown getroffen habe. Verhaltene Lacher im Publikum. „Dann hab ich erkannt, dass es mein alter Mathe-Lehrer war.“ Gerade noch die Kurve gekriegt. Staatsanwältinnen seien die Streberinnen von früher, die immer behauptet hätten, dass sie nichts könnten und dann doch nur Einser hätten. Immer witzig und pointiert ist Herzog das Rückgrat der Offenen Unterhaltungsbühne. Auch diesen etwas zähen Abend, machte er spontan und hintersinnig ein gutes Stück besser.

Der zweite gute Mann des Abends war Ralf Winkelbeiner aus Manching. In Duktus und Dialekt („Habedere“ ist gleich „Habe die Ehre“) erinnerte er an Günter Grünwald. Sein Kampfhund sei gestorben, sagte er. Mitleidiges „Ohhhh“ im Publikum. Die Katze habe ihn umgebracht. Fragende Gesichter. Dann die Auflösung: „Er ist an ihr erstickt.“ Viele Lacher gab es, als er ausführte, in welchen Berufen man nicht immer die Wahrheit sagen darf. Eine Friseurin würde gerne sagen: „Das ist ein Model, ein schöner Mensch. Sie sind eine Laune der Natur.“ Dürfe sie aber nicht. Genauso gehe es Kinderpsychologen und Schönheitschirurgen. Ralf Winkelbeiner kann gut unterhalten. Schade, dass er schon in der ersten Hälfte dran war und keine Steigerung mehr kam.

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Putzfrau Frieda lästerte auf fränkisch über ihre Chefin. Seit diese Veganerin ist, dürfe sie nicht mehr die Silberfischle „hiemachen“. Und BHs von früher seien ja auch viel besser als die heutigen „lapprigen Dinger“. Gut, dass auf der Bühne Alexander Weiß sitzt und ihr in den Uralt-BH helfen kann. Auch das ist eine gute Nachricht: Leukos, die Weiß’sche Kunstfigur, ist wieder da. Das Genre Hörspiel ist zwar völlig ungeeignet für die Offene Unterhaltungsbühne, der Beitrag „Mutter, ich habe unsere Hochzeit abgesagt“ ist aber die konsequente Weiterführung des Leukos-Mama-Themas. Das war überfällig.

Petra Quaiser aus Alerheim hatte ihre Handpuppe „Karle“, das Kamel, dabei und erzählte und pfiff eine Rieser Geschichte von Bauer und Teufel sowie ein erotisches Abenteuer zwischen Bischof und Äbtissin. Pedro Adrian stolperte fränkisch durch die Themen Kindererziehung und Facebook-Blödsinn.

Ein Wiedersehen gab es mit Thommi aus Fremdingen und seiner 12-saitigen Gitarre: Starken Applaus bekam er für seine Interpretation des Klee-Songs „7 Schritte“. Musikalisch hervorragend war die Darbietung von Juno Dori aus Köln. Schade, dass die Songwriterin nur ihr Piano und nicht die ganze Band mitgebracht hat. Von ihren Songs mit toller Stimme gerne mehr.

Die Offene Unterhaltungsbühne geht weiter auf Kneiptour durch Nördlingen. Am 10. Dezember gibt es eine Sonder-Ausgabe zu „20 Jahre Dschedsches Irish Pub“.

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