Newsticker
RKI meldet 16.417 Neuinfektionen und 879 Todesfälle
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Warum Michael Bader am Tag des Lockdowns das Busunternehmen Hauck übernahm

Westheim/Nördlingen

10.08.2020

Warum Michael Bader am Tag des Lockdowns das Busunternehmen Hauck übernahm

Michael Bader ist der neue Chef und Inhaber von Gute Reise Hauck. Busunternehmer zu werden, war schon als Kind sein großer Traum.
Bild: Peter Urban

Plus Wie der Unternehmer die Coronakrise wahrnimmt und warum er Busreisen für die sichersten hält.

Im Prinzip müsste Michael Bader völlig frustriert in seinem neuen Chefbüro sitzen. Hat er doch ein komplettes Unternehmen übernommen, „mit allem Drum und Dran, vom Reisebus bis zur Büroklammer“, wie Bader scherzhaft bemerkt. Und das exakt zu dem Zeitpunkt, als die Maßnahmen zur Corona-Krise alle Geschäfte, besonders die der Reisebranche, auf Null gestellt haben: der Notarvertrag ist exakt auf das gleiche Datum wie der Lock-Down datiert.

Nur seine jahrelange Erfahrung im Krisenmanagement und sein dickes Allgäuer Fell - er kommt aus Marktoberdorf – bewahren ihn davon, die Nerven zu verlieren. Bader ist 49 Jahre alt, verheiratet, hat Kinder und Hund. Zunächst hat er klassisch Bürokaufmann gelernt. Danach Wirtschaftsrecht studiert und ist als Diplomingenieur jahrelang für große Bauprojekte überall in der Welt „herumkutschiert“, wie er sagt. Seine Kindheitserinnerung „Busreisen mit den Eltern“ hat ihn allerdings nie ganz losgelassen.

Dann kam die Gelegenheit, auf die er gewartet hatte. Einen „Platzhirschen“, wie er sagt, ein Busunternehmen mit einem tollen Ruf und noch besserem Namen zu übernehmen. Er wollte aus dem Stand raus mit „Gute Reise Hauck“ voll durchstarten, das war der Plan: Altes bewahren, Neues denken. Weit gefehlt, statt dessen sämtliche Fahrzeuge stilllegen und Kurzarbeit für die Mitarbeiter.

Michael Bader nimmt die Dinge, wie sie sind

Doch er hatte sich seinen Traum vom Reisebusunternehmen im Vorfeld gründlich überlegt, so dass er die Dinge jetzt auch so nimmt, wie sie sind. „Im Moment ist die Situation irgendwie surreal für uns alle hier“, sagt er, „nicht Fisch, nicht Fleisch. Wir dürfen aktuell zwar wieder Reisen anbieten, aber erstens gibt es die bekannten Einschränkungen und zweitens, sind unsere Kunden verunsichert.“ Menschen wollen einerseits weg, haben andererseits aber Angst. Das versteht Bader durchaus.

Doch gerade bei Busreisen kann man aus seiner Sicht absolut sicher sein, dass alles, was möglich ist, zum Schutz der Reisenden getan wird. „Wenn sie mit uns fahren, können sie das ohne Sorgen tun“, sagt Bader, „wir haben stets das Ohr an den gesetzlichen Vorgaben, wir sind topaktuell aus mehreren Quellen bestens informiert.“ Und noch etwas will er nicht unerwähnt lassen: Reisen mit dem Bus seien erheblich sicherer als beispielsweise mit dem Flugzeug, allein die Klimaanlagen sind nachweislich effektiver und das Hygienekonzept ist beispielhaft. Das Reisen hat sich dennoch bis auf weiteres verändert, da gibt es kein Vertun. Maskenpflicht ist obligatorisch, auch das beliebte Bordfrühstück ist coronabedingt angepasst, das Interesse an Reisezielen hat sich verlagert, es gibt zusätzliche Freizeitangebote, viele Aktivitäten außerhalb der Busse, Radreisen, Wandertouren, alles vorwiegend in Kleingruppen.

„Das alles erfordert einen enorm hohen Aufwand, um den gewohnt hohen Standard zu halten“, sagt Bader, „auch bei unseren Kooperationspartnern, den Stadtführern und anderen und ist vor allem auch mit Zusatzkosten belegt. Dennoch: er will mit seinen Angeboten das Vertrauen seiner Kunden, die „uns ihre wertvollste Zeit im Jahr, ihren Urlaub anvertrauen“, bestätigen. Die Erfahrung seiner Mitarbeiter und Reiseleiter, auf deren Mitziehen er sehr stolz und dankbar ist, hilft dabei enorm.

Die Firma Hauck kann bis zu 750 Menschen befördern

„Zwar können wir mit unserer Flotte bis zu 750 Menschen auf einen Schlag befördern“, doch Bader will das Persönliche immer im Vordergrund sehen, „bei uns soll und muss es - trotz aller Perfektion - menscheln, das ist unser Bestreben.“ Seine Kunden sind sowieso keine „Ballermann-Kunden“, genauso wenig im Sommer wie im Winter.

Schon seit der Kindheit war es sein Traum, eines Tages ein großes Busunternehmen zu führen und den hat er sich jetzt erfüllt, den lässt er sich auch von einer Pandemie nicht madig machen. „Wir halten durch, weil wir ein großes Verantwortungsgefühl haben und weil uns die Kunden vertrauen“. Auch wenn sich die Vorzeichen geändert haben, der gute Name wird gewahrt bleiben. Mehr noch, es wird mit vielen neuen kreativen Ideen an neuen Konzepten gearbeitet. „Darauf können sich die vielen treuen Kunden verlassen“, sagt er und setzt sich wieder an seinen Schreibtisch. Alles andere als frustriert.

Lesen Sie auch:


Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren