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09.11.2017

Woher stammt der Name Speckbrodi?

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Weshalb heißt Speckbrodi eigentlich Speckbrodi? Herbert Dettweiler sagt, der Name bedeute Ansiedlung beim „Knöppeldamm über dem Sumpf“.

Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler erklärt, dass das nichts mit dem Wort Speck zu tun hat und warum es gleich drei Orte gibt, die auf -zimmern enden

Nördlingen Die meisten Rieser Ortsnamen sind im 3. bis 7. Jahrhundert in der Zeit nach der Völkerwanderung entstanden. Dabei handelt es sich um die -ingen, -heim und -hausen-Orte, die vornehmlich mit einem Gründernamen verbunden sind wie bei Odo-ingen (Oettingen) oder Nordilo-ingen (Nördlingen). Viele Ortsnamen aber wurden verbunden mit einer Eigenschaft der Rieslandschaft, etwa trocken, nass, dürr, hoch, oder mit Größenangaben wie groß und klein. So ist bei Großsorheim das Grundwort Heim, Haus, Heimat.

Das Bestimmungswort „sor“ bedeutete im Mittelhochdeutschen „trocken, dürr, wasserarmes Gelände“. Die Eigenschaftswörter groß und klein sind bei gleichlautenden und benachbarten Ortsnamen eine genauere und tatsächliche Unterscheidung nach der Größe der beiden Dörfer. So hat Kleinsorheim tatsächlich weniger Einwohner als das Nachbardorf.

Ähnlich verhält es sich bei Offingen, wo es ein Markt- und ein Minderoffingen gibt. Auch bei Altheim gibt es mit Hohen- und Niederaltheim zwei gleich lautende Orte. Es müssen aber gar keine drei Wörter zu einem Ortsnamen verbunden werden wie bei Klein-sor-heim. Oft genügen auch schon zwei Wörter, um eine Differenzierung auszudrücken, wie bei Dürren-, Benzen- und Klosterzimmern. In früheren Zeiten wollte man das „Zimmern“ vom germanischen Volksstamm der Cimbern ableiten. Aber schon Christian Mayer verneinte dies und führte 1887 das „Zimmern“ auf das althochdeutsche Wort „zimbar“ zurück, das sich mittelhochdeutsch als „zimber“ und in unserer Sprache als „Zimmer“ darstellt. Zimmerleute errichteten Fachwerkgebäude mit verschiedenen Räumen (Zimmern). Aber drei „Zimmern“ im Ries waren zu viele und deswegen gab man diesen Dörfern ein Bestimmungswort bei: Kloster-, Benzen- (abgeleitet von Benno) und dürr, wüst. Tatsächlich kommt laut Christian Mayer in der Namenreihe Dürrenzimmerns im 13. Jahrhundert ein „Wüstenzimmern“ vor. Ähnliches gilt für Burg-, Ober- und Untermagerbein, wo der karge, magere, steinige und harte Boden der schwäbischen Alb und weitere Bestimmungswörter Pate für die jeweilige Namensgebung gestanden haben.

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Nicht um eine dürre, karge Landschaft geht es bei Speckbrodi, auch nicht um eine mit bildlichen Erklärungen in Verbindung zu bringende Ansiedlung, sondern um eine feuchte Niederung in den Wörnitzauen, in der Menschen siedelten: Das ahd. „spacha“, mhd. „spache“ bedeutete „Reisbündel, Pfahl, Stange“. Davon bildete sich das mittelhochdeutsche „specke“, der „Knüppeldamm“. Der zweite Teil des Ortsnamens lässt sich zurückführen auf „brode“ (feuchtes Sumpfgebiet). Demnach bedeutet Speckbrodi vermutlich die Ansiedlung beim „Knüppeldamm über den Sumpf“.

Auch der Kriegstatthof bei Huisheim darf nicht einfach „übersetzt“ und als Hof, bei dem kriegerische Ereignisse stattgefunden haben, gedeutet werden. Hier ist zu bedenken, dass zur Zeit der ersten Nennung im 8. Jahrhundert im Jahre 793 das Wort „Krieg“ als Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Parteien noch nicht existierte. Man sprach damals von Fehde. Der älteste bekannte Namen für diesen Hof heißt „Chriechstatt“. „Krieche“ war (althochdeutsch) die Pflaumenschlehe. Also bedeutete der Namen „Stätte bei den zwetschgen-artigen Schlehensträuchern“. Verwandt sind im Französischen „créque“ (die Schlehe) und „créquier“ (der Schlehenstrauch).

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