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Kongo

05.12.2011

Zwischen Gewalt und Humanität

Andrea Böhm

Andrea Böhm stellt ihr Buch „Gott und die Krokodile“ vor

Oettingen Der Kongo gilt als ein Musterbeispiel eines gescheiterten Staates – geprägt von Korruption, Gewalt, Kriminalität, Misswirtschaft und unkontrolliertem Bevölkerungswachstum. Dieses Land bereiste die Zeit-Redakteurin Andrea Böhm, sie schrieb Reportagen darüber und ein Buch: „Gott und die Krokodile“. Auf Einladung der Oettinger Bücherstube wird die Journalistin – mit familiären Beziehungen ins Ries – „Gott und die Krokodile“ am 8. Dezember, um 20 Uhr im Völkerkundemuseum Oettingen vorstellen.

Es ist keine Afrika-Idylle, die Andrea Böhm in ihren Reportagen beschreibt. Ihre Geschichten über die Menschen und das Leben in diesem Vielvölkerstaat, der trotz enormen Rohstoffreichtums zu den ärmsten Staaten der Welt zählt, gehen unter die Haut. Ihr gelingt es ein differenziertes Bild zu zeichnen, das getragen ist von aufrichtiger Sympathie.

Alltäglicher Überlebenskampf

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Sie beschreibt den alltäglichen Überlebenskampf der Kongolesen, die enorme Energie, die sie aufwenden, um dem Chaos, das sie umgibt, tagtäglich die Stirn zu bieten. Es zeichnet das Buch aus, dass es sich nicht in der Negativität verliert, sondern auch die warmen und menschlichen Seiten Afrikas zeigt.

Wenn die Autorin zum Beispiel über das Frauenorchester schreibt, das auf selbst gebauten Instrumenten die „Ode an die Freude“ spielt. Oder wenn sie von einem Boxtrainer berichtet, der in dem Stadium von Kinshasa, in dem 1974 Muhammad Ali gegen George Foreman gewann, Frauen das Boxen beibringt. Auf der anderen Seite aber besucht Andrea Böhm in Krankenhäusern vergewaltigte Frauen, deren Erlebnisse „oft zu grausam waren, um sie je zu veröffentlichen“.

Die Journalistin erzählt von den „Unruheprovinzen“, in denen sich Rebellen und staatliche Armee noch immer gegenseitig jagen und davon, wie beide Seiten wiederum mit ausländischen Investoren auf der Jagd nach Rohstoffen sind. Alle schüren Gewalt. Gewalt, die in Böhms Buch aber allenfalls angedeutet wird.

Schlaglichtartig werden dem Leser Geschichte und Gegenwart des Kongo nahe gebracht. Er lernt Glücksritter kennen, die nach Diamanten, Kobalt und Kupfer suchen, UN-Blauhelme, Politiker, die im Busch Wahlkampf machen – das heißt, Geschenke verteilen –, ausgebildete Ärzte, die an Magie glauben, und man erfährt, dass sich die meisten eher auf höhere Wesen verlassen als auf jene, die sie oft genug im Stich gelassen haben: der eigene Staat und die Vereinten Nationen. Als eine der „besten deutschsprachigen Veröffentlichungen zu Afrika der letzten Jahre“ bezeichnet die Kritik das Buch.

Es wendet sich keineswegs an ausgewiesene Afrika-Experten, sondern will jedem dieses schwer verständliche Land zugänglich machen – mit Erfolg, da ist sich das Feuilleton einig: Andrea Böhm gelingt, heißt es, was als Kunst der Reportage gilt, nämlich Menschen in einen Text zu ziehen, auch wenn ihnen das Thema auf den ersten Blick nicht geläufig ist. (heja)

Info: Die Zeit-Redakteurin Andrea Böhm liest aus „Gott und die Krokodile“ im Völkerkundemuseum Oettingen am 8. Dezember um 20 Uhr. Eintritt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.

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