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Nördlingen

25.11.2020

Schiedsrichter in der Corona-Pause: Radeln statt Pfeifen

Schiedsrichter-Lehrwart Sebastian Stadlmayer in Aktion.
Bild: Sarina Schäffer (Archiv)

Plus Einer radelt, der ander hat mehr Zeit für die Familie: Was Fußball-Schiedsrichter tun, wenn ihr wichtigstes Hobby auf Eis liegt.

„44 Fußballbeine rasen hin und rasen her“, textete Mitte der 70er-Jahre Fredl Fesl in seinem „Fußball-Lied“. Nicht mitgezählt hatte er dabei die beiden Schiedsrichter-Beine. Dem Referee widmet der bayerische Kult-Barde etwas später im Liedtext eigene Zeilen: „Einer ist meist schwarz gekleidet. Hat ein Ding, auf dem er pfeift. Und die Spieler sind beleidigt, wenn er in die Tasche greift. Denn da drin da hat er Karten, rot und gelb recht gut gemischt. Die zeigt er dann dem Spieler, der nach seinem Gegner drischt.“

Die Amateurfußballer dürfen dieses Jahr nicht mehr auf die Plätze und erst recht nicht in die Hallen. Doch nicht nur Kicker, Zuschauer und durstige Vereinsheimhocker bleiben bis zum Frühjahr ausgesperrt. Auch eine weitere wichtige Fußball-Partei kann ihrem Hobby aktuell nicht nachgehen: die Schiedsrichter – männlich wie weiblich. Was aber tut ein Referee mit der Freizeit? Wir hörten uns bei einigen Spielleitern der Schiedsrichter-Gruppe (SRG) Nordschwaben um.

Wie Fußball-Schiedsrichter sich im Lockdown fithalten

  • Stellvertretender Obmann Markus Bauer (Munzinger SV), für die Verwaltung der Finanzen und die Öffentlichkeitsarbeit der SRG zuständig, ist seit 1997 Schiedsrichter. Normalerweise pfeift er 50 bis 60 Spiele im Jahr, heuer sind es gerade mal 18 Spiele gewesen. Im ersten Lockdown hielt er sich mit sehr viel Radfahren fit und nutzte die Zeit anderweitig für Dinge, die sonst zu kurz gekommen sind. „Jetzt habe ich mir einen Hometrainer gekauft“, sagt Bauer, der den persönlichen Kontakt zu anderen Schiedsrichtern über Online-Medien hält. Seine größte Sorge: „Ich sehe die Gefahr, dass Kollegen möglicherweise merken, dass es ohne Pfeifen auch geht und ihre Pfeife an den berühmten Nagel hängen, weil sie sich Pöbeleien und Beleidigungen nicht antun wollen.“
Markus Bauer vom Munzinger SV ist seit 1997 Schiedsrichter.
  • Lehrwart Sebastian Stadlmayr (SV Donaumünster-Erlingshofen) ist seit 2015 Schiedsrichter. „Dieses Jahr habe ich 42 Spiele geleitet, in den Jahren zuvor waren es um die 100“, sagt der 20-Jährige, der sich durch regelmäßiges Joggen fit hält. Den persönlichen Kontakt zu den Schiedsrichterkollegen zu halten, sei schwierig: „Wir haben einige Online-Versammlungen abgehalten. Ersetzen können diese den persönlichen Kontakt aber nicht. Vor allem der Kameradschaftsabend, bei dem man mit allen Kollegen zusammenkommt, fehlt mir. Da am 28. November unser Neulingslehrgang beginnt, habe ich in dieser Sache einiges zu tun. Jedoch steht natürlich mehr Zeit als sonst zur Verfügung. Am Wochenende schaue ich gerne die Bundesliga, das geht ja sonst nicht, da ich selber auf dem Platz stehe.“
Sebastian Stadlmayr kümmert sich um die Lehrarbeit der Schiedsrichtergruppe Schwaben-Nord.
  • Ebenfalls 20 Jahre jung ist Maximilian Jaumann (TSV Oettingen), Ausschussmitglied der Schiedsrichtergruppe und seit Mai 2018 Unparteiischer. Dieses Jahr hatte er nur 34 Einsätze, drei Hallenturniere eingerechnet. Im Kalenderjahr 2019 waren es mit 85 Einsätzen deutlich mehr. Wie hält sich der Oettinger fit? „Im normalen Spielbetrieb leite ich zwei, drei Spiele die Woche und gehe zudem noch ins Training meines Heimatvereins TSV Oettingen, um fit zu bleiben, das reicht normalerweise auch. Da dies aber gerade alles wegfällt, versuche ich in meiner Freizeit viel Fahrrad zu fahren und auch einmal in der Woche joggen zu gehen, auch wenn die Motivation manchmal ausbleibt.“ Auch Jaumann fehlt seit dem „Lockdown light“ der direkte Kontakt sehr: „Vorher war ja zumindest ein Treffen mit wenigen Personen möglich. Trotzdem bleibt der Austausch natürlich bestehen über Whatsapp oder Skype, um so mit meinen Kollegen bzw. Schirifreunden zu kommunizieren.“ Auf die Frage nach der Freizeitgestaltung lacht Jaumann: „Da man nirgends mehr wegkann, wird es mir am Wochenende ab und zu schon mal langweilig. Doch viel Freizeit hat auch Vorteile. So kann ich sorgfältig die drei deutschen Profi-Ligen verfolgen, wozu es an einem normalen Wochenende mit Einsätzen eher weniger reicht.“
Schiedsrichter Maximilian Jaumann (20) kommt aus Oettingen.
  • Bereits seit 1985 ist Alfred Randi (Lauber SV) Schiedsrichter. Normalerweise pfeift er im Jahr 35 bis 40 Spiele, dieses Jahr waren es nur 15 Partien. Er unternimmt nichts, um sich fit zu halten: „Es ist ja ähnlich wie bei den Vereinsmannschaften, man trainiert und am Ende hat man doch keine Spiele. In der momentanen Lage warte ich das Frühjahr ab“, sagt der Lauber. „Es finden derzeit auch keine Teamsitzungen statt, daher gibt es keinen Kontakt zu den anderen Schiedsrichtern. Unser Kameradschaftsabend bzw. Ehrungsabend wurde ebenfalls abgesagt“, erklärt Randi. Und so traurig es ist: Der einzige Kontakt findet derzeit nur an Beerdigungen von Schiedsrichterkollegen statt. „Die Freizeit nutze ich mit der Familie und den Enkelkindern, die sonst an Sonntagen zu kurz kamen“, sagt Randi abschließend.
Alfred Randi ist seit 35 Jahren Schiedsrichter.

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