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14.07.2010

Von Prinzen und ungehobelten Reitern

Kurt Jarasinski auf der Kaiserwiese.
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Kurt Jarasinski auf der Kaiserwiese.

Beliebt ist die Romantische Straße, die Bundesstraße 25, die unter anderem von Rothenburg über Dinkelsbühl nach Nördlingen führt, vor allem bei den Chinesen und Japanern. Für die japanischen Reiter bot der überdimensionale Springplatz von Nördlingen, liebevoll "Klein Aachen" genannt, optimale Trainingsmöglichkeiten für die Vorbereitung der Olympischen Spiele 1972 in München. Kein Wunder, dass der verantwortliche Trainer Kurt "Kulle" Jarasinski, Mannschafts-Olympiasieger von 1964, mit seinen Schützlingen in Nördlingen anreiste. Dabei war auch Prinz Takeda, ein Verwandter des japanischen Kaisers. Der junge Prinz stürzte auf der Kaiserwiese so unglücklich vom Pferd, dass er sich ein Bein brach - aus war der Traum von den Olympischen Spielen.

Im gleichen Jahr war der Funk- und Fernsehjournalist Hartmann von der Tann, die Turnierstimme in Nördlingen 2010, am Start und erinnert sich heute noch gerne an die Auftritte der Japaner auf ihren großen Pferden aus Holstein.

1973 gaben sich Top-Dressurreiter wie Maria Günther, Rosemarie Springer, Gabriella Grillo, Bernd Noske, Horst Eulich und Dr. Uwe Schulten-Baumer ein Stelldichein auf der Kaiserwiese. Das ursprüngliche Scharlachrennen war als Vielseitigkeitsprüfung ausgeschrieben, es siegte Roland Janson. Aktiv in die Turnierleitung eingebunden war Oskar Schneider, der langjährige Vorsitzende des Vereins Scharlachrennen, der zugleich 3. Bürgermeister Nördlingens war und sich sehr positiv in die Beziehung zwischen Verein und Stadt einbrachte.

Die Deutschen Meisterschaften der Vierspännerfahrer wurden 1975 beim 23. Scharlachrennen ausgetragen. Die Schärpe holte sich Bernhard Duen, im Großen Preis siegte Georg Löhr. Bei drückender Hitze besuchten 1976 nur 1500 Zuschauer das Turnier. Fahrsport vom Feinsten wurde in diesem Jahr geboten, die Qualifikation der Vierspännerfahrer für die Weltmeisterschaft in Appeldorn stand auf dem Programm. Ernst Fauth und Fred Freund "fuhren" auf der Kaiserwiese ins deutsche Team. Auch die bayerischen Meisterschaften der Senioren in Dressur, Springen und Fahren fanden wieder einmal in Nördlingen statt.

Von Prinzen und ungehobelten Reitern

Das 25-jährige Turnierjubiläum

Das 25. Turnierjubiläum wurde 1977 gemeinsam mit dem 50-jährigen Jubiläum der Reitsportorganisation in Schwaben, vertreten durch den schwäbischen Reiterverband gefeiert. Erfolgreiche Reiter waren Karl-Heinz Streng, Ewald Güss, Gunar Schlosser, Helmut Hartmann, Peter Jakob, Karl-Heinz Schwaab, Otto Becker, Elmar Gundel, Josef Bachl und Ulrich Meyer zu Bexten, der sich den Großen Preis sicherte. Bereits 1977 gab es im Stadtrat heftige Diskussionen, ob die jährliche Unterstützung des Scharlachrennens mit einer Summe von rund 60 000 DM noch zu vertreten sei. Gemeinsam mit dem Gauschützenfest wurde das 26. Turnier veranstaltet. Dank der Schützenvereine war der Festzug durch die Stadt in diesem Jahr so lang wie noch nie. Dann entschied der Stadtrat im Jahr 1979, das Scharlachrennen nur noch alle zwei Jahre finanziell zu unterstützen. Dies führte zu einer drastischen Reduzierung der Preisgelder beim 27. Scharlachrennen. Erstmals wurde in diesem Jahr in Nördlingen das Süddeutsche Reitpferdechampionat für vier- und fünfjährige Pferde aus den Zuchtgebieten Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz-Saar veranstaltet. Erste süddeutsche Championesse war die fünfjährige Acardia von Herbststurm aus Hessen vor Prinz Pit von Prince Rouge aus Rheinland-Pfalz-Saar. Die Scharlach-Schabracke holte sich in der kombinierten Wertung Wilfried Herkommer, der 2010 als Richter mitwirkt, vor Bruno Six, der für den Bau der Geländestrecke 2009 und 2010 verantwortlich zeichnet, und Helmut Wagner, der dieses Jahr eine große Anzahl an Geländehindernissen zur Verfügung stellt.

Der Star des Turniers 1980 war Gerd Wiltfang, der Weltmeister des Jahres 1978; er erhielt als bester Reiter die Scharlach-Schabracke. Am Start waren auch die späteren Bundestrainer im Springen, Otto Becker und Kurt Gravemeier. 250 Pferde mit 95 Reitern waren in Nördlingen angereist. Erstmals war es möglich, die Pferde in der alten Reithalle am Gaswerk, in der Ankerhalle und in der neuen Reithalle unterzubringen. Eine Neuheit faszinierte: ein Baukastensystem, mit dem mobile Boxen für die Pferde gebaut werden konnten. Die bayerischen Jugendmeisterschaften in Dressur, Springen und Voltigieren waren 1981 auf der Kaiserwiese zu Hause. Das 30-jährige Jubiläum feierte man 1982 mit der Austragung des 4. Donau-Alpenpokals; eigens dafür kreierte man eine neue Marathonstrecke über 26 Kilometer für die Vierspänner. Auf dem Springplatz konkurrierten Gerd Wiltfang, Jürgen Kurz, Kurt Gravemeier, Wolfgang Brinkmann, Klaus Reinacher und Fritz Ligges um Siege und Platzierungen, die Nase vorn hatte im Großen Preis Elmar Gundel. Rund 4000 Besucher feierten die Reiter und Fahrer, überschattet wurde das Jubiläum durch einen schweren Unfall beim Gespannfahren.

31. Auflage: Nur Fahrsport

Ein reines Fahrturnier war die 31. Auflage des Turniers. Die deutsche Meisterschaft der Pony-Viererzugfahrer und die bayerischen Meisterschaften der Vierspännerfahrer standen auf dem Programm. Doppelter Meister sowohl mit den Ponys und den Warmblütern wurde Georg Knell. Rund 1000 Besucher wohnten dem glanzvollen Sieg von Weltmeister Norbert Koof mit Fire 1984 bei. Einmal mehr war das Championat für süddeutsche Reitpferde in das Turnier integriert. Ein Preisgeld von insgesamt 100 000 Mark lobte man beim Turnier im September 1986 aus. Entsprechende Reiterpromis wie die Weltmeister Norbert Koof und Franke Sloothaak, sowie die Dressurstars Ann Kathrin Linsenhoff und Hans Dietmar Wolff reisten in Nördlingen an. Nach einer gründlichen Überholung der Dressuranlagen konnte erstmals wieder ein Grand Prix ausgeschrieben werden. Zum Eklat kam es am Sonntagnachmittag auf dem Springplatz: Die Scharlach-Schabracke sollte in diesem Jahr der Reiter mit den meisten Punkten nach Anzahl der Platzierungen erhalten, dies war Norbert Koof. Letzterer war über seinen Ritt im Großen Preis so verärgert, dass er seinen Pfleger zur Ehrung schickte. Turnierleiter Karl Schneidt weigerte sich, dem Pfleger die Schabracke auszuhändigen. "Entweder holt er sie selber ab oder die Decke bleibt in Nördlingen" - dort blieb sie dann auch.

Und nächste Woche, vom 22. bis 25. Juli, wird entschieden, wer die Scharlach-Schabracke in diesem Jahr mit nach Hause nehmen darf, heißer Favorit ist der aus Horb stammende Michael Jung, der amtierende Welt-Cup-Sieger der Vielseitigkeitsreiter. (hbl)

Mehr Informationen zum Jubiläumsturnier 2010 - bei dem der Eintritt frei ist - gibt es unter www.csi-noerdlingen.com

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