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30 Jahre Lindenstraße
06.12.2015

Trotz schlechter Kritiken am Anfang gibt es die Lindenstraße immer noch

Die Lindenstraße wird 30. Die Schauspieler sind mit den Zuschauern zusammen alt geworden.
10 Bilder
Die Lindenstraße wird 30. Die Schauspieler sind mit den Zuschauern zusammen alt geworden.
Foto: WDR/dpa

Vor 30 Jahren begann alles: 15 Millionen Zuschauer sahen Helga Beimer beim Eierbraten zu. Und trotz schlechter Kritiken macht sie das immer noch.

Im Jahr 1985 startete die Lindenstraße. Gleichzeitig gewinnt ein 17-jähriges Bürschchen namens Boris Becker Wimbledon. Das unbekannte Pop-Duo „Modern Talking“ stürmt die Hitparade. Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der KPdSU und die deutsche Wiedervereinigung ist noch ganz weit weg. Wir tragen selbst gestrickte Pullis, weiße Cowboystiefel und Dauerwellen-Locken. Telefoniert wird mit einem Gerät aus orangefarbenem Plastik, das ein geringeltes Kabel und eine Wählscheibe hat. Und im Ersten Deutschen Fernsehen startet am 8. Dezember eine Serie, die bis heute läuft: jeden Sonntag um 18.50 Uhr – in der halben Stunde zwischen der Fernsehlotterie und dem Weltspiegel.

Die Lindenstraße. Deutschlands älteste Seifenoper, die ihr Erfinder Hans W. Geißendörfer, 74, nicht als Soap opera sieht, sondern als Familien-Serie. Eine Serie, in der es um nichts weiter geht als um Alltag. Unseren Alltag. Ein Stück deutsche Realität. Wer die Republik verstehen will, muss Lindenstraße schauen. So einfach ist das.

30 Jahre Lindenstraße: Ein Stück deutsche Realität

Als „intellektuelle Schwäche“ wird sie oft gescholten, mit dem Spruch „Und ewig lockt die Bratkartoffel“ gern verspottet. Zu langweilig, zu bieder, zu dürftig und dazu noch schlecht gemacht, urteilen die Fernsehkritiker nach der ersten Folge. Das ist 30 Jahre her – und die Lindenstraße gibt’s immer noch. In den Anfangsjahren schauen 15 Millionen Menschen zu, sie reden am Montag im Büro oder auf dem Pausenhof über Tanja Schildknecht, Onkel Franz und Vasily. Heute ist der WDR froh, wenn gerade mal 2,5 Millionen einschalten.

Immer wieder wird die Lindenstraße totgesagt. Denn eigentlich sendet das Erste vom prominentesten Krisenherd Deutschlands nichts als Frust: scheiternde Ehen, verkorkste Beziehungen, zänkisches Genörgle. Wie das Leben halt so spielt. Banale Geschichten – und trotzdem ist man froh, dass es Iffi und Momo, Gabi und Andy trifft. Und wenn es ganz schlimm kommt, greift Mutter Beimer eben zur Pfanne und brät Spiegeleier.

Trotz schlechter Kritiken am Anfang gibt es die Lindenstraße immer noch
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"Lindenstraße": Wer so alles mitgespielt hat
Foto: Jörg Carstensen (dpa)

Lindenstraße: Banale Geschichten wie das Leben sie schreibt

Heute wie damals, im Advent. Am 8. Dezember 1985 wird die erste Folge ausgestrahlt, in der Helga Beimer zusammen mit ihrem Hanse-Mann und den drei Kindern Benny, Marion und Klausi vorweihnachtliche Hausmusik macht. Der Cliffhanger am Ende der Folge ist in die deutsche Fernsehgeschichte eingegangen: Marion steht um Mitternacht mit blutendem Gesicht in der Tür – dann setzt der Abspann ein. Erst in der nächsten Folge erfährt man, dass sie mit ihrem Freund Vasily in eine Schlägerei mit türkischen Jugendlichen geraten ist …

Wenn man heute zufällig mal wieder hineingerät in die Lindenstraße, ist irgendwie alles wie immer. Mutter Beimer ist noch da, ihr Hanse-Mann auch, der inzwischen zu Anna gehört. Klausi, der mit sieben Jahren in die Lindenstraße einstieg, ist deutlich dicker geworden, mehrfach geschieden und alleinerziehender Vater. Viele sind gekommen, viele auch wieder gegangen. Til Schweiger zum Beispiel, der seine Schauspieler-Karriere als Jo Zenker in der Lindenstraße begann, verschwand schon 1992 aus der Serie. Diejenigen aber, die von Anfang an dabei waren und es immer noch sind, sind zusammen mit den Zuschauern gealtert.

Themen haben sich verändert

Nur die Themen haben sich verändert. So wie im richtigen Leben auch in den vergangenen 30 Jahren. Hat die Lindenstraße in den ersten Jahren so manches Tabu gebrochen, ist sie heute deutlich zahmer geworden. Man erinnere sich an Folge 225, den ersten Schwulenkuss im deutschen Fernsehen. Carsten Flöter und Robert Engel küssen sich leidenschaftlich. Für damalige Verhältnisse – wir sprechen vom Jahr 1990 – ein Skandal. Der Darsteller von Carsten Flöter, Georg Uecker, bekommt sogar Morddrohungen. Und das Bayerische Fernsehen nimmt die Wiederholung der Folge aus dem Programm.

Lindenstraße: Die Schauspieler sind mit den Zuschauern gealtert

Zuvor haben schon die Aids-Erkrankung und der Tod von Benno Zimmermann für heiße Diskussionen gesorgt. Ebenso das Abdriften von Klausi Beimer in die rechte Szene – während der Asyldebatte Anfang der 1990er Jahre, als Flüchtlingsheime brannten. Gerade geht es wieder ganz schön zu in der Lindenstraße. Den Bewohnern der Hausnummer 3 droht der Rauswurf, das Gebäude soll verkauft werden. „Wir hatten es doch so schön miteinander“, klagt Mutter Beimer am vergangenen Sonntag beim Treffen der Hausgemeinschaft im „Akropolis“ – und kündigt Widerstand an.

Anders als hektisch hinproduzierte Soaps, bildet die Lindenstraße verlässlich die Probleme ab, die die Zuschauer in Augsburg oder Donauwörth auch plagen. Das ganze Spektrum zwischen Mord und Totschlag, Liebe und Hass, Eifersucht, Eheprobleme, Selbstmord, Kindes- oder Drogenmissbrauch, Rassenhass und Neonazis. Wenn Dr. Dressler nach der Bundestagswahl über die schlechte Wahlbeteiligung schimpft, tun das die Menschen draußen in der realen Welt auch gerade. Und wenn Mutter Beimer im heimeligen Eiche-rustikal-Wohnzimmer die erste Adventskerze anzündet, feiern die Menschen vor dem Bildschirm ebenfalls ersten Advent. Vielleicht fühlen wir uns deshalb so wohl in der nationalen Sozialstation Lindenstraße.

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