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Tierschutz

18.11.2020

40 Jahre Peta: Mitbegründerin Ingrid Newkirk gibt alles für Tiere

Ingrid Newkirk bei einer ihrer Aktionen: 2018 trug sie in Mumbai ein Fischkostüm, um das Bewusstsein für Veganismus zu schärfen.
Bild: MUM-Shashank Parade, PTI/dpa

Die Tierrechtsorganisation Peta kämpft seit 40 Jahren für die Rechte von Tieren. Gründerin Ingrid Newkirk will sogar ihren Körper dafür opfern.

Aus Ingrid Newkirks Leber soll eines Tages Foie gras hergestellt werden – wie aus der Leber von Gänsen für die Delikatesse in Frankreich. Ihre Beine möchte sie als Schirmständer benutzt wissen – wie auch Elefantenfüße manchmal umfunktioniert werden. Und ihr Fleisch will sie öffentlich auf einem Grill braten lassen – wie überall auf der Welt Rinder- oder Schweinesteaks auf dem Rost landen. Nur, so sagt die Tierschutzaktivistin Newkirk, gebe es einen Unterschied: "Ich mache das freiwillig."

Peta-Kampagnen können Newkirk nicht radikal genug sein

Die Verwendung ihres Körpers nach dem Tod hat die Britin längst in ihrem Testament festschreiben lassen. Der Protest der 71-Jährigen soll weit über ihren Tod hinausgehen. Dabei bestimmt er bereits seit vier Jahrzehnten ihr Leben. Ingrid Newkirk ist Mitbegründerin und Chefin von Peta (People for the Ethical Treatment of Animals). Die internationale Tierrechtsorganisation feiert dieses Jahr 40. Geburtstag.

Kaum eine Gruppe sorgte für mehr Aufsehen, wenn es um den Tierschutz geht. Da übergossen sich Aktivisten mit Kunstblut oder beschmierten damit Geschäfte und Designerklamotten. Da ließen sich Tierrechtler in Käfige sperren oder legten sich symbolisch ins Feuer. Da wurden Schockvideos veröffentlicht wie etwa jener Clip, in dem Fotos von getöteten Kühen, Hühnern und Lämmern gezeigt werden, während im Hintergrund ein Kinderchor "Old MacDonald had a farm" singt. Manchen gingen die Aktionen zu weit, während Newkirk findet, sie hätten noch mehr davon machen müssen. Für sie können Kampagnen kaum radikal genug sein, um die Gleichsetzung von Tieren und Menschen zu fordern.

Aktivisten der Tierrechtsorganisation Peta liegen bei einer Protestaktion gegen Fleischkonsum in Stuttgart 2019 mit Kunstblut beschmiert und halbnackt auf dem Boden.
Bild: Fabian Sommer, dpa

Unterstützung erhält Peta oft von nackten Prominenten. So haben sich die Schauspieler Eva Mendes, Pamela Anderson und Alec Baldwin für die Rechte von Tieren genauso ausgezogen wie die Sängerin Pink und die Band Die Toten Hosen und der Ex-Basketball-Star Dennis Rodman. Sie entledigten sich ihrer Kleider, um die wohl berühmteste Kampagne der Tierschutzorganisation Peta zu unterstützen: "Lieber nackt als im Pelz". Mit Erfolg.

40 Jahre Peta: Kampf gegen Robbenjagd, Rodeo und Stierkämpfe

Während es früher laut Newkirk "der Traum eines jeden Mädchens" war, einen Pelzmantel zu tragen, gibt heute kaum noch jemand mit den teuren Stücken an. Modedesigner taten, was ausgeschlossen schien. Sie verbannten nach schlagzeilenträchtigen Peta-Kampagnen und zunehmendem Druck aus der Öffentlichkeit das Material aus ihren Kollektionen. Calvin Klein machte 1994 den Anfang, dem Beispiel folgten seitdem so ziemlich alle großen Namen der Branche. Diese Schlacht scheint geschlagen, Peta widmet sich heute dem Engagement gegen die Leder- und Wollindustrie. "Die Zukunft der Mode liegt in Alternativen wie Apfel- oder Ananasleder", sagt Newkirk, deren Buch "Animalkind" dieses Jahr in Großbritannien erschienen ist. Der Markt bewege sich, auch hinsichtlich anderen Materialien wie Polyfasern oder recyceltem Plastik, die als Ersatz zu Baumwolle und Satin zum Einsatz kämen.

Neben dem Kampf gegen Massentierhaltung oder die Robbenjagd, Rodeo und Stierkämpfe setzt sich die Organisation vor allem für eine vegane Lebensweise ein. Nicht nur, dass in vielen Ländern der Trend in Richtung Bio-Lebensmittel und vegane Ernährung geht. Auch der Fokus auf das Thema Klimawandel helfe den Aktivisten, so Newkirk. "Naturschutz und Tierrechte sind eng miteinander verbunden." So werde der Lebensraum von Tieren zerstört, bei Waldbränden, Abholzungen oder aufgrund der Erderwärmung. Peta habe Millionen Tiere gerettet, inklusive jener, die für Experimente in Laboren vorgesehen waren. Gleichwohl gebe es noch so viel zu tun, sagt die Britin. Und so sei das Ziel der Organisation bis heute dasselbe geblieben: "Wir wollen die Augen, Herzen und Gedanken der Menschen öffnen." Auch wenn es dafür manchmal blutige Bilder und nackte Aktivisten benötigt – oder gar ihren Leichnam.

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Hören Sie sich dazu auch unsere Podcastfolge über die Bewegung "Fridays for Future" an:

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