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Der Fall Barschel

07.02.2016

ARD zeigt zum Fall Barschel Politthriller: Ein Trip in die Finsternis

Ministerpräsident Uwe Baschel (CDU) nach einer Sitzung der CDU-Landtagsfraktion am 15. September 1987 in Kiel.
Bild: dpa

Uwe Barschel starb vor 28 Jahre unter ungeklärten Umständen. Bis heute interessieren sich viele für das Mysterium um seinen Tod. In der ARD lief dazu ein Politthriller.

Der mysteriöse Tod von Uwe Barschel, des zurückgetretenen CDU-Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, ist bis heute ungeklärt. Er wurde im Oktober 1987 kurz nach seinem Rücktritt tot in der Badewanne eines Genfer Hotels gefunden. War es Selbstmord oder Mord, fragen Regisseur und Autor Kilian Riedhof und Co-Autor Marco Wiersch - und was wäre, wenn es sich um Mord gehandelt hätte?

Der Fall Barschel ist einer der brisantesten Politikskandale Deutschlands

In dem Politthriller "Der Fall Barschel" entwickeln sie diese Frage weiter und setzen zwei fiktive Journalisten einer liberalen Hamburger Tageszeitung auf Barschels Spuren. In einem spannenden Bogen paralleler Ereignisse zwischen Kiel, Genf und Beirut erzählen sie, wie die Ermittler immer tiefer in den Sog unheimlicher Ereignisse geraten. Die ARD strahlt den fast dreistündigen Thriller an diesem Samstag um 20.15 Uhr aus, gefolgt von der halbstündigen Dokumentation "Barschel - Das Rätsel" von Stephan Lamby und Patrik Baab (ab 23.10 Uhr).

Der Fall Barschel ist einer der brisantesten und größten Politskandale, den die Bundesrepublik bis heute hatte, so Riedhof -  und trotz mehrerer Filme nicht auserzählt. Auch die im Film angesprochenen illegalen Waffenexporte und die Verstrickung von Politik und Rüstungsindustrie haben bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Riedhof, der für "Homevideo" von 2012 einen Grimmepreis erhalten hat, richtet den Fokus verstärkt auf die politischen und psychologischen Hintergründe des Falls. War Barschel in die Fänge der Geheimdienste geraten, weil er zu viel über  illegale Waffengeschäfte wusste? Oder waren alles nur Verschwörungstheorien?

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Der Regisseur Kilian Riedhof kommt zur Premiere des TV-Films «Der Fall Barschel» in Berlin.
Bild: Jörg Carstensen/dpa

Der Thriller hat mehrere Schwerpunkte. Er erzählt zum einen die Geschichte von Uwe Barschel, dargestellt von Matthias Matschke, nach einem Flugzeugabsturz im Mai 1987, zum anderen die Geschichte der beiden Journalisten David Burger (Alexander Fehling) und Olaf Nissen (Fabian Hinrichs), die nach Art der "Watergate"-Enthüllungen ermitteln. Und dann wird auch noch die Rolle des zwielichtigen Medienreferenten Reiner Pfeiffer (Martin Brambach) durchleuchtet.

ARD zeigt Thriller über Causa Barschel im TV

Die Strategien der Parteien und die Auseinandersetzungen mit Barschels Gegner Björn Engholm (SPD), anfangs dominant, treten bald in den Hintergrund. Je weiter man mit den Augen der Journalisten in Barschels Geschichte hinschaue, so Riedhof, desto mehr entwickele sich die Reise nach Genf auch für die Ermittler zu einem gefährlichen Trip in die Finsternis. Der Thriller schildert eine zunehmende Paranoia Barschels, es geht um Schmutzkampagnen gegen den politischen Gegner sowie Tabletten- und Drogensucht. Auch einer der Journalisten gerät in dieses Fahrwasser und verhandelt wie Barschel mit Waffendealern und zwielichtigen Informanten.

Riedhof nähert sich durch das Schicksal des einen Journalisten der mutmaßlichen Mordtheorie an und demonstriert am Beispiel des anderen eindrucksvoll, wie weit die Arme der Hintermänner aus Geheimdiensten und Rüstungsindustrie reichen können. Ein Hochspannungsthriller nach dem Vorbild der "Unbestechlichen". Und darüber hinaus ein Film, in dem Dokumentarisches, nachinszenierte Fakten und Fiktionales ein solides Ganzes bilden. Der Film lässt auch ahnen, dass die Wahrheit über die Geschichte Barschels weiterhin unter Verschluss liegt, auch weil sich die politischen Verhältnisse nicht entscheidend geändert haben.

Uwe Barschel weist am 18. September 1987 mit einem "Ehrenwort" alle Beschuldigungen in Zusammenhang mit der Bespitzelung des ehemaligen Oppositionsführers Engholm zurück.
Bild: Werner Baum (dpa)

Die halbstündige Dokumentation "Barschel - Das Rätsel" folgt um 23.10 Uhr. Darin werden die wichtigsten bis heute vorliegenden Erkenntnisse unter die Lupe genommen und zahlreiche Beteiligte wie Reiner Pfeiffer, "Stern"-Reporter Sebastian Knauer, der Leitende Oberstaatsanwalt Heinrich Wille sowie Zeitzeugen in Genf, Paris und Washington befragt. AZ/KNA

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Die Diskussion ist geschlossen.

07.02.2016

Für alle die glauben es war ein Dokumentarfilm - nein: es war ein Spielfilm

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07.02.2016

Danke für den Hinweis.Ob die Recherchen, Erkenntnisse und Meinungen nun für eine Doku zusammengetragen werden oder einen Spielfim ist eigentlich unerheblich.
Der Inhalt ist das entscheidende und da klemmt es ganz einfach.-

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08.02.2016

Da muß ich schon widersprechen: es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen einem Spielfilm und einer Dokumentation. Man kann es vergleichen zwischen einer dpa-Meldung und einem Journalistenkommentar. Zugegeben, auch Kommentare werden manchmal als Realität absichtlich verkauft.

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07.02.2016

30 Jahre liegt der Tod Barschels nunmehr zurück und immer wieder hat das ZDF sich mit diversen Sendungen und Dokus bemüht, zur Aufklärung in eigener Sicht dahingehend beizutragen, das es Selbstmord war und Barschel sinngemäß völlig paranoid einen Mord vorgetäuscht hätte.

Auch nach 30 Jahren will das ZDF einfach nicht ans Licht und tappt brav weiter im Dunkeln. Mit den Erfahrungen der Qualitätsmedien von heute kann sich jeder selbst seinen Teil dazu denken.

Barschels Tod und der Mossad.
Hierzu gibt es jede Menge hochinteressante Recherchen. Selbst der Spiegel wollte das nicht unter der Decke halten.

Passend hierzu die Frage:
Was ist eigentlich der Auftrag des ZDF und wer sind seine Auftraggeber ?

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