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Glosse

29.07.2020

Abspecken: Britischer Premier Johnson wird zum Fitness-Guru

Johnson ist das Gesicht einer Kampagne, die die Briten dazu bringen soll, sich mehr zu bewegen.
Bild: Rui Vieira/PA WIre, dpa

Übergewicht gilt als Risikofaktor für Corona. Deshalb sollen die Briten abspecken. Premierminister Boris Johnson geht mit gutem Beispiel voran.

Boris Johnson war und ist ohne Zweifel vieles. Aktuell zum Beispiel Premierminister Großbritanniens, ehemals Bürgermeister Londons und Außenminister. Manche finden auch ein Opportunist und Tatsachenverdreher, unerschütterlicher Optimist und guter Motivator sowieso. Der Brexit-Hardliner brachte die Briten immerhin dazu, für den EU-Austritt zu stimmen. Neuerdings nimmt der konservative Regierungschef eine weitere Rolle ein. Er tritt als sowas wie der Oberfitnessguru des Königreichs auf. Während Johnson schon kürzlich auf der Titelseite einer Sonntagszeitung mit einem Foto beim Liegestützen machen landete und prahlte, er fühle sich nach seiner überstandenen Covid-19-Erkrankung „fit wie ein Metzgershund“, scheint er nun das Werbegesicht einer gerade gestarteten Gesundheitskampagne der Regierung zu sein. Auf deren Wunsch soll jeder übergewichtige Brite mindestens fünf Pfund abnehmen. Und wird dafür vom Premier höchstpersönlich angefeuert.

Baywatch auf britisch: Boris Johnson geht im Grünen spazieren

Auf einem auf Twitter veröffentlichten Video, Kategorie Sport-Romantik, geht Johnson mit seinem Hund Dilyn im Grünen spazieren. Die Sequenzen werden in Zeitlupe präsentiert und mit Musik untermalt, ein bisschen ist das „Baywatch“ auf britisch – statt Sonnenschein, Strand und David Hasselhoff gibt es englisches Wetter, einen perfekt getrimmten Rasen und den Premier im leger geknöpften weißen Hemd und mit unaufgeräumtem blonden Haar. Der Hund zieht an der Leine und treibt den Premier vermutlich zum schnelleren Schritt. Ganz genau weiß man das nicht, da Slowmotion. Anfangs sei er langsam gewesen, aber er werde immer fitter und habe sein Tempo gesteigert, erfährt man vom Neu-Fitnesstrainer Johnson dann. Und er lobt seine tägliche Aktivität am Morgen, als handele es sich um eine Wissenschaft. Es gebe „gesundheitliche Gründe“, aber man fühle sich auch besser.

 

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Johnson gehört zu den fast 63 Prozent der Erwachsenen in England, die laut Behörden zu dick sind. Und weil Fettleibigkeit nicht nur das Risiko schwerer Erkrankungen erhöhe, sondern auch die Gefahr, an einer Coronavirus-Infektion zu sterben, gibt es nun die Kampagne. Abnehmen fördere die Gesundheit und könne dem staatlichen Nationalen Gesundheitsdienst NHS in den nächsten fünf Jahren mehr als 100 Millionen Pfund, knapp 110 Millionen Euro, an Kosten ersparen, hieß es.

Auch Boris Johnson kämpft mit dem Jojo-Effekt

Werbefigur Johnson kämpft nach eigenen Angaben selbst seit Jahren mit seinem Gewicht. Rauf, runter, und wieder rauf, so ging das in einem fort. Zwar verlor der wuchtige Johnson vor seinem Einzug in die Downing Street bereits einige Kilos. Machthunger vertrieb in gewisser Weise den echten. Erst Corona aber brachte den endgültigen Wandel weg von seinem Lieblingsgericht Bangers and Mash, Würstchen mit Kartoffelbrei, hin zum Gassi gehen. Sechs Kilo weniger. Fitter und flotter. Klar.

Unerwähnt in seinem Motivationsvideo ließ Johnson eine andere Maßnahme der Regierung, die die Wirtschaft ankurbeln soll und auf „Eat out to help out“ getauft wurde, „ausgehen, um zu helfen“. Briten, die im August in einem Restaurant, Pub oder Café essen gehen, können zum halben Preis speisen. Der Differenzbetrag wird teilnehmenden Gastronomen vom Finanzministerium erstattet. Wer nächsten Monat also ein Big-Mac-Menü plus Milchshake bei McDonald’s verzehrt, bezahlt nur die Hälfte. Boris Johnson wird wohl noch für eine Weile länger den Fitness-Animator spielen müssen.

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