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Herdenimmunität

30.03.2021

Als erstes Territorium in Europa: Gibraltar ist jetzt corona-immun

Am Fuß des berühmten Affenfelsens von Gibraltar leben 35.000 Menschen. 80 Prozent von ihnen sind jetzt geimpft.
Foto: Javier Fergo, dpa

Plus Die britische Kronkolonie Gibraltar erreicht Herdenimmunität. Die meisten Corona-Regeln sind aufgehoben. Das Mittel zum Erfolg war simpel.

Die „Operation Freiheit“, wie die Impfkampagne in der britischen Exklave Gibraltar getauft worden war, feiert einen großen Erfolg: Mehr als 80 Prozent der knapp 35.000 Bewohner des „Affenfelsens“, der an der Südspitze Spaniens liegt, sind inzwischen gegen Covid-19 geimpft. Damit ist Gibraltar weltweit Vorreiter. Die britische Kronkolonie wird somit zum ersten Territorium auf dem europäischen Kontinent, in dem das erreicht wurde, was die Virologen „Herdenimmunität“ nennen – die Immunisierung der großen Mehrheit der Bevölkerung.

Gibraltar ist immun gegen Corona - hauptverantwortlich waren Impfungen

Die erfolgreiche Impfaktion brachte den Gibraltarern erhebliche Freiheit zurück. So dürfen die Bürger von sofort an auf den Straßen ohne Maske unterwegs sein. Menschen ohne Gesichtsvermummung, das ist ein ungewohntes Bild in Europa. Auf Gibraltars „Main Street“, der bekanntesten Einkaufsstraße des steuergünstigen Shoppingparadieses, ist es nun wieder Alltag. „Das ist ein großartiges Gefühl, endlich wieder frei atmen zu können“, berichtet ein Bewohner. Nur in Geschäften, im Nahverkehr und in öffentlichen geschlossenen Räumen bleibt die Maske Pflicht.

Auch die nächtliche Ausgangssperre, die bisher abends um zehn Uhr begann, wurde aufgehoben. Die Pubs und Restaurants dürfen somit wieder bis zwei Uhr nachts öffnen. Viele Gibraltar-Bewohner feierten die Rückkehr in die weitgehende Normalität mit einem ausgiebigen Abendessen und klingenden Gläsern in einem der typisch britischen Lokale, die in der City angesiedelt sind.

 

Nach Angaben der örtlichen Behörden werden seit Tagen keine neuen Corona-Ansteckungen mehr gemeldet. Momentan seien nur zehn Personen mit noch aktiven Infektionen bekannt. Dabei handele es sich um leichte Fälle, hieß es. Im Krankenhaus Gibraltars gebe es mittlerweile keinen einzigen Covid-19-Patienten. Eine Wende, die viele Europäer auch in ihren Ländern herbeisehnen. Aber die europäischen Staaten sind derzeit noch weit von einer Herdenimmunität entfernt. In Deutschland zum Beispiel haben erst annähernd fünf Prozent der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz erhalten.

Gibraltar ist immun gegen Corona - nach dem "tödlichsten Winter"

„Wir haben unseren tödlichsten Winter hinter uns gelassen und begrüßen den Frühling der Hoffnung“, freut sich Gibraltars Premier Fabian Picardo. Mit „tödlichem Winter“ meint Picardo die Monate Dezember und Januar, in denen die Epidemie auf der kleinen Felsenhalbinsel besonders heftig wütete und in denen die meisten Todesopfer zu beklagen waren. Insgesamt registrierte die Minikolonie seit Epidemiebeginn 94 Corona-Tote. Nach Berechnung des EU-Zentrums für Krankheitskontrolle verzeichnet das kleine Territorium damit weltweit die höchste statistische Corona-Todesrate pro 100.000 Einwohner.

Die Impfkampagne startete am 9. Januar mithilfe des Mutterlandes Großbritannien. Die Royal Air Force flog den Impfstoff von Biontech/Pfizer von der britischen Insel in die Kronkolonie. Seitdem wurde pausenlos und ohne Nachschubprobleme geimpft. Inzwischen hat die gesamte erwachsene Bevölkerung den kompletten Virusschutz. Bis Mitte April soll die Immunisierungskampagne abgeschlossen sein. Auch die rund 15.000 Grenzpendler, die jeden Tag von Südspanien nach Gibraltar zum Arbeiten kommen, sollen bis dahin geimpft sein.

Gibraltar ist immun gegen Corona - aber Nachbar Spanien macht Sorgen

Die besorgniserregende Corona-Situation bei Gibraltars Nachbarn Spanien ist derzeit der größte Risikofaktor für die britische Kolonie, auf deren berühmten Kalksteinfelsen die letzten frei lebenden Affen Europas leben. Die Zahl der Ansteckungen steigt in Spanien wieder an, die Krankenhäuser füllen sich mit Corona-Patienten. Die neue Viruswelle macht auch vor Spanien nicht halt, wo die Impfkampagne ähnlich wie in den meisten europäischen Ländern hinter den angepeilten Zielen zurückbleibt.

 

Deswegen warnt Gibraltars Premier Picardo sein kleines Volk vor zu viel Übermut: „Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, sagt er. Man müsse wachsam bleiben. Jetzt gehe es darum, den Etappensieg über Corona nicht zu verspielen.

Europäische Virologen sehen unterdessen Gibraltar als eine Art Versuchslabor, in dem getestet werden kann, ob die bisher erreichte Herdenimmunität auch den neuen Virusvarianten ausreichenden Widerstand leisten kann. „Der Affenfelsen“, sagt der spanische Epidemiologe Quique Bassat vom Barcelona-Institut für globale Gesundheit, „wird uns als Modell dienen, um zu lernen, was wir noch besser machen können.“

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