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"Unwort des Jahres 2018"

15.01.2019

"Anti-Abschiebe-Industrie" ist das "Unwort des Jahres"

Das "Unwort des Jahres 2018" ist gefunden: Es lautet "Anti-Abschiebe-Industrie".
Bild: Stephan Jansen, dpa

Das "Unwort des Jahres 2018" ist "Anti-Abschiebe-Industrie". Es handelt sich um einen Begriff, den der CSU-Politiker Alexander Dobrindt geprägt hat.

"Anti-Abschiebe-Industrie" ist das "Unwort des Jahres". Das gab die Sprecherin einer unabhängigen und sprachkritischen Jury, die Linguistik-Professorin Nina Janich, am Dienstag in Darmstadt bekannt.

"Anti-Abschiebe-Industrie": Dobrindt hatte den Begriff geprägt

Der CSU-Politiker Alexander Dobrindt hatte den Begriff in einem Interview im Mai genutzt. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag hatte Klagen gegen die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber als Sabotage des Rechtsstaats bezeichnet und von einer "Anti-Abschiebe-Industrie" gesprochen.

Janich sagte, eine solche Äußerung von einem wichtigen Politiker einer Regierungspartei zeige, "wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie auf bedenkliche Weise verändern."

508 verschiedene Begriffe waren als Vorschläge für das Unwort des Jahres eingegangen. Nur etwa 60 davon entsprachen aber überhaupt den Kriterien der sprachkritischen Aktion, wie Janich sagte. Knapp 15 Wörter habe die Jury in die engere Wahl einbezogen.

Unwort des Jahres 2018: "Asyltourismus" und "Vogelschiss" häufige Vorschläge

Unter den häufigsten Einsendungen waren diesmal der von CSU-Politiker Markus Söder benutzte Begriff "Asyltourismus" sowie der vom AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland verwendete "Vogelschiss". Beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation hatte Gauland gesagt: "Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte." Allerdings spielt die Häufigkeit eines Vorschlags für die Entscheidung der Jury keine Rolle. Der Satz fiel nach einem Bekenntnis von Gauland zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus mit Millionen ermordeten Juden und Millionen Kriegstoten.

Vor einem Jahr war "Alternative Fakten" zum "Unwort des Jahres" bestimmt worden.

"Unwörter des Jahres" von 2010 bis 2017

2017 Alternative Fakten
2016 Volksverräter
2015 Gutmensch
2014 Lügenpresse
2013 Sozialtourismus
2012 Opfer-Abo
2011 Döner-Morde
2010 Alternativlos


 (dpa/AZ)

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