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Baden-Württemberg
17.11.2016

Polizei beschlagnahmt zwei Millionen illegale CDs, DVDs und Schallplatten

Zwei Millionen illegale DVDs, CDs und Schallplatten fand die Polizei im Raum Stuttgart.
Foto: Marcus Merk (Symbolbild)

Illegal gepresste CDs und Schallplatten, auf Flohmärkten oder in Geschäften verkauft, verursachen Schäden in Milliardenhöhe. Ein 60-Jähriger sitzt nun in Untersuchungshaft.

Der Justiz in Baden-Württemberg ist nach eigenen Angaben der größte Schlag gegen Produktpiraterie in Europa seit Jahrzehnten geglückt.

Ein in großem Stil agierender Musik-Raubkopierer der Polizei in Baden-Württemberg ins Netz gegangen: Bei den Ermittlungen gegen einen 60-Jährigen aus dem Raum Esslingen fanden sie nach Angaben des Stuttgarter Landeskriminalamts (LKA) vom Donnerstag etwa 8000 Kartons mit anderthalb bis zwei Millionen illegal vervielfältigter CDs, DVDs und Schallplatten in Lagerhallen und Presswerken. Die Fundstücke wogen demnach mehrere Tonnen. Die illegal gepressten Tonträger namhafter Künstler und Bands haben nach Schätzungen von Experten einen Millionenschaden verursacht.

Einem 60-Jährigen drohen fünf Jahre Haft

Der 60 Jahre alte Mann sitzt bereits seit Anfang September in Untersuchungshaft. Ihm werden die unerlaubte gewerbsmäßige Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke und andere Delikte nach dem Urheberrecht vorgeworfen. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Eine sechsköpfige Ermittlungsgruppe namens "Mitschnitt" des Landeskriminalamtes (LKA) leitet die Ermittlungen. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), Florian Drücke, spricht von "hochprofessionellen Strukturen" im Hintergrund, die riesige Schäden anrichten und das Vertrauen der Verbraucher zerstören. Die Behörden waren dem 60 Jahre alten Mann nach Recherchen im Auftrag des BVMI auf die Schliche gekommen.

Alben der Beatles und Stones ließ der Verdächtige offenbar fertigen

Nach Erkenntnissen der Beamten ließ der Mann die Alben von bekannten Rockbands wie den Beatles und den Rolling Stones in Presswerken in Deutschland und Polen fertigen und bot sie samt Cover und Booklets auf Schallplattenbörsen sowie im Internet an. Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen demnach Ende vergangenen Jahres durch Hinweise einer Rechtsanwaltskanzlei, die Inhaber der Urheberrechte vertritt.

Erste Hinweise gab es seit Ende 2015. Im Januar 2016 durchsuchten Ermittler Räume des Beschuldigten und stießen dabei auf 3000 Kartons mit Raubkopien. Aufgrund der sich abzeichnenden Dimensionen des Falls übernahmen LKA und Staatsanwaltschaft das Verfahren. Bei weiteren Razzien in Lagerhallen in Schwäbisch Hall und Göttingen sowie in Presswerken in Deutschland und Polen wurden tausende weitere Kartons beschlagnahmt. Auch die polnischen Behörden waren eingebunden. Ob der Mann Einzeltäter ist, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Vinyl ist wieder angesagt

Dieser Fall zeige auf frappierende Weise, wie groß der Wunsch nach "physischen Tonträgern" in Deutschland noch ist - sie haben einen Marktanteil von insgesamt 60 Prozent. "Die Nachfrage nach Vinyl steigt wieder deutlich und hat deutschlandweit einen Anteil von rund vier Prozent. Es ist eine Nische, die wieder hip geworden ist."

Piraterie, egal ob physisch oder digital, bedeutet aus Sicht von Drücke immer Rechtsverletzungen zulasten der Künstler und ihrer Partner. "Es ist uns wichtig, die illegalen Märkte auszutrocknen. Gerade im digitalen Markt wird sonst das Vertrauen geschwächt", sagte Drücke. Der BVMI vertritt die Interessen von rund 250 Musikunternehmen oder Labels, umgangssprachlich meist Plattenfirmen genannt. dpa, AFP

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