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Raumstation ISS

10.07.2019

Bei diesem Mammutprojekt werden Lebewesen aus dem Weltall beobachtet

Auch Monarchfalter werden mit winzigen Antennen ausgerüstet , um ihre Bewegungen zu registrieren.
Bild: MPIO, dpa

Das deutsch-russische Mammutprojekt "Icarus" startet. Zehntausende Lebewesen werden von der ISS aus beobachtet. Der Ideengeber lehrt am Bodensee.

Haben Tiere einen sechsten Sinn? Wieso können sie oftmals eine Katastrophe – zum Beispiel ein Erdbeben oder einen Vulkanausbruch – deutlich früher spüren als Menschen, selbst wenn diese Messgeräte benutzen? Antworten auf Fragen wie diese sollen in den nächsten Jahren ausgerechnet aus dem All kommen. Denn am Mittwoch wird auf der Raumstation ISS die Empfangsantenne des deutsch-russischen Mammutprojekts „Icarus“ aktiviert. Tierbewegungen werden dann im großen Stil von der Erdumlaufbahn aus registriert. Erdacht und konzipiert hat das Projekt der deutsche Wissenschaftler Martin Wikelski, Professor an der Uni Konstanz und Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell. Er ist seit fast 20 Jahren mit dem Thema befasst. Für Wikelski geht damit ein Traum in Erfüllung.

Durch das Projekt "Icarus" könnten Katastrophen vorhergesagt werden

Unterschiedlichste Tierarten werden in den kommenden Jahren auf der ganzen Welt beobachtet. Etwa Zugvögel, Bären, Ziegen, aber auch heimische Amseln. Zehntausende Tiere werden im Laufe der Zeit mit kleinen Sendern ausgerüstet, sodass sich Wander- und Gruppenbewegungen auf der Welt beobachten lassen können. Vielleicht könnten bald sogar ganz konkrete Katastrophen von der ISS aus vorhergesagt werden.

Doch was ist der sechste Sinn bei Tieren genau? „Es geht dabei weniger darum, dass einzelne Tiere eine andere, bessere Wahrnehmung haben als Menschen – was an sich meist schon unstrittig ist“, sagte der 53-Jährige unserer Redaktion. Vielmehr gehe es eher um das Thema „Schwarmintelligenz“. Dies zu erklären, ist nicht ganz einfach. Es bedeutet, dass eine Gruppe von Lebewesen mehr wahrnehmen kann als das einzelne Lebewesen. Wikelski nennt ein Beispiel: „Ein einzelner Fisch schwimmt in einem Teich, der von der Sonne beschienen wird und der zugleich von Bäumen umgeben ist, die sich im Wind bewegen. Der Schatten der Bäume auf dem Wasser wandert hin und her. Der Fisch will im Schatten schwimmen, um für Feinde nicht sichtbar zu sein. Aber allein schafft er es nicht, immer im Schatten zu sein, dafür reicht seine Wahrnehmung nicht.“

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Martin Wikelski lehrt an der Universität Konstanz.
Bild: Patrick Seeger, dpa (Archivbild)

Anders sei das bei einem Schwarm Fische, bei denen sich ein Fisch immer an der Position seiner Nachbarfische orientiert. „Hier schafft es der Schwarm – wohl aufgrund von kollektiver Wahrnehmung – immer im Schatten zu schwimmen.“ Andere Beispiele für kollektiv zusammenwirkende Lebewesen sind etwa Ameisen- oder Bienenvölker. Ein eventuell auf den Menschen übertragbares Beispiel von Schwarmintelligenz ist etwa die offene Enzyklopädie Wikipedia, bei dem der Schwarm (der Wikipedia-Autoren) ein Werk erschafft, das immer größer sein wird als das Wissensvermögen eines Einzelnen.

Die Kosten des Projekts "Icarus" teilen sich Deutschland und Russland

Aber auch Erkenntnisse über andere Aspekte soll Icarus – die Kosten von 40 bis 50 Millionen Euro teilen sich Deutschland und Russland – aufbringen. Zum Beispiel kann der Ausbreitungsweg von Krankheiten aus dem All dokumentiert werden. Schlüsse daraus könnten auch für die Humanmedizin von Bedeutung sein. Laut Wikelski läuft zunächst eine Testphase bis November. Aber danach sei „quasi täglich“ mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu rechnen.

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