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Berlin
08.10.2015

19-jährige Schwangere verbrannt - Schweigen im Berliner Mordprozess

Daniel M. und Eren S. (links im Hintergrund) halten im Gerichtssaal Mappen vor ihre Gesichter. Sie werden beschuldigt, die hochschwangere 19 Jahre alte Frau umgebracht zu haben.
Foto: Paul Zinken dpa

Im Januar wurde eine 19-jährige Frau im Wald bei lebendigem Leibe verbrannt. Nun stehen die beiden Täter vor Gericht - und scheinen keine Reue zu zeigen.

Eine junge Frau wurde im Januar mit Benzin übergossen und mit einem Feuerzeug angezündet. Sie verbrennt - mit ihrem ungeborenen Baby. Nun hat der Prozess gegen zwei junge Männer begonnen.

Einer der Angeklagten ist der Vater des toten Kindes. Die Ermittler gehen davon aus, dass mit dem Verbrechen die Geburt des kleinen Mädchens verhindert werden sollte. Maria P. war im achten Monat schwanger. Schwangere (19) lebend verbrannt: Junge Männer stehen vor Gericht

Schweigen der beiden Mord-Angeklagten

Verhandelt wird vor einer Jugendstrafkammer. In dem nüchternen Gerichtssaal B 129 fragt Richterin Regina Alex zum Prozessauftakt rund acht Monate nach der Tat, ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern wollen. "Nein", sagen sowohl der Vater des toten Kindes als auch sein Kumpel. Dann schweigen die beiden 20-Jährigen wieder, blicken wie ins Nichts. Ihnen gegenüber sitzt ein Bruder der Getöteten als Nebenkläger. Er trägt eine schwarze Sonnenbrille. Schon nach knapp 20 Minuten wurde der Prozess nach der Aussage-Verweigerung unterbrochen. Am Nachmittag sollten erste Zeugen gehört werden. Die Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft.

Die mutmaßlichen Täter wirken sehr unterschiedlich. Fast kindlich und schmächtig der Kindsvater im blau-weiß gestreiften Hemd; der andere kräftiger und größer mit Tätowierungen. Sie sitzen neben ihren Anwälten getrennt voneinander. Bei einer Verurteilung droht ihnen lange Haft. Bei Vernehmungen sollen sie jeweils den anderen beschuldigt haben. Im Gerichtssaal sehen sie sich nicht an.

Schreiben vom Jugendamt soll Auslöser gewesen sein

Der Angeklagte mit den Tätowierungen, der selbst Vater sein soll, zeigt auch keine Regung, als ein Bruder seiner Freundin als Zeuge aufgerufen wird. Der sagt, ja, einen Schlagstock habe ihm der Freund seiner Schwester mal gezeigt.

In Ermittlerkreisen hieß es, Auslöser des grausamen Mordes sei vermutlich ein Schreiben des Jugendamtes gewesen. Darin sei der damals 19-Jährige aufgefordert worden, die Vaterschaft anzuerkennen. Das habe er aber auf gar keinen Fall gewollt.

Anwalt Roland Weber, der den Bruder der Getöteten als Nebenkläger vertritt, sagte am Rande des Prozesses, "es ist sehr, sehr schwer für die Angehörigen". Die Familie habe sich zurückgezogen, nur der Bruder werde im Gerichtssaal die Verhandlung verfolgen. Wenn die Vorwürfe zutreffen sollten, sei das "eine völlig ungeheuerliche Tat".

Schwangere im Wald gequält und verbrannt

Die Anklage wirft den beiden 20-Jährigen gemeinschaftlichen, heimtückischen und grausamen Mord aus niederen Beweggründen vor. Sie sollen die arglose 19-Jährige an jenem Abend in den Wald im Stadtteil Köpenick gelockt haben. Dort habe zunächst einer der beiden mit einem Teleskopschlagstock auf sie eingeprügelt.

Die Leiche der schwangeren Frau wurde im Wald gefunden. Sie wurde mit Benzin übergossen und verbrannte.
Foto: Paul Zinken dpa

Dann hielten sie die Schwangere fest und versetzten ihr Messerstiche in den Bauch und in die Seite. Während einer das Opfer weiter festhielt, habe der andere Benzin aus einem Kanister auf die werdende Mutter geschüttet und sie bei vollem Bewusstsein mit einem Feuerzeug in Brand gesetzt. Die Frau habe noch geatmet, als sie angezündet wurde, hieß es. Ankläger Martin Glage geht davon aus, dass mit der Tat die Geburt des Kindes verhindert werden sollte.

Spaziergänger hatten die verkohlte Leiche von Maria P. gefunden. Die junge Frau, die ihre Ausbildung wegen der Schwangerschaft unterbrochen hatte, war laut Anklage arglos in das geliehene Auto zu den beiden gestiegen. Sie hoffte nach rund dreimonatiger Trennung wohl auf eine Aussöhnung mit ihrem Ex-Freund.

Besitzer des Autos sagt als Zeuge aus

Der Besitzer des geliehenen Transporters sagt als Zeuge vor Gericht aus. Er habe den Wagen dem 20-Jährigen (mit den Tätowierungen) an jenem 22. Januar geliehen, sagt der 53-Jährige. Er kenne ihn fast von Geburt an, sie hätten lange im selben Haus gewohnt. Als sein Auto an dem Abend nicht rechtzeitig zurück war und er dann auch niemanden am Handy erreichen konnte, habe er den Transporter bei der Polizei als gestohlen gemeldet.

Als er auf der Rückfahrt zufällig seinen Wagen mit den beiden auf einem Parkplatz entdeckte und ihnen sagte, er sei bei der Polizei gewesen, seien sie ganz schockiert gewesen. Beide hätten blass und ängstlich ausgesehen. Später habe er noch eine fremde CD mit "Schreierei" und brutalen Worten darauf gefunden und dies der Polizei gemeldet. Der Verteidiger des Kindsvaters, Olaf Franke, moniert, dass keine Fingerabdrücke gesichert worden seien.

Es dürfte eine langwierig Suche nach der Wahrheit werden, wenn die Angeklagten nicht ihr Schweigen brechen. Opferanwalt Roland Weber zeigt sich aber zuversichtlich. Die Spurenlage sei "relativ gut". Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. dpa/AZ

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