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Kirche

27.09.2014

Bischofskonferenz: Wie die Austrittswelle gestoppt werden soll

Reinhard Kardinal Marx ist der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby

Die Bischöfe wollen auf die Gläubigen zugehen. Und sprechen dank ihres neuen Vorsitzenden Reinhard Kardinal Marx wieder mit einer Stimme.

Mit guter Arbeit in den Pfarreien will die katholische Kirche in Deutschland der Austrittswelle ihrer Mitglieder begegnen. Die Botschaft müsse lauten: "Wir sind für Euch da - Tag und Nacht", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, am Freitag zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda. "Wir versuchen in den Pfarreien gute Arbeit zu machen und den Menschen nahe zu sein."

Laut einer Statistik hatte die katholische Kirche im vergangenen Jahr bundesweit wieder deutlich mehr Austritte zu verzeichnen. Knapp  179 000 waren es 2013, im Vergleich zu 118 000 im Jahr 2012 - und damit fast so viele wie auf dem Höhepunkt des Missbrauchskandals 2010.

Kardinal Marx begründet Austrittswelle mit gesellschaftlichem Wandel

Marx betonte in Fulda, er wolle den Mitgliederschwund nicht schönreden. Aber der Rückgang sei auch durch den gesellschaftlichen Wandel begründet, der nicht allein die Kirche treffe. "Wir werden den Trend nicht einfach brechen können", befand der DBK-Vorsitzende. 

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Gründe für die Verluste seien die Individualisierung, Säkularisierung und Pluralisierung, sagte Marx. Die Menschen heute seien wesentlich freier bei ihrer Sinnsuche in einer vielfältigen Gesellschaft. "An diesen äußeren Bedingungen können wir nicht soviel ändern", erklärte er. Marx mahnte aber: "Wir müssen das Gespräch mit ihnen suchen." 

Es sei aber auch nicht zu leugnen, dass für manche Katholiken der Kirchenaustritt Ausdruck des Protestes sein, so die Bischofskonferenz. Nicht alle Ausgetretenen verlören jeglichen Kontakt zur Kirche. Viele wollten auf ihre eigene Art Christen bleiben. Wichtig sei: "Unsere Aufgabe ist es, die Entscheidungen der Menschen ernst zu nehmen und als Herausforderung für unsere Arbeit zu begreifen", schrieb Marx in seinem Abschlussbericht.

Mit Blick auf die Bischofssynode in Rom (5. bis 19. Oktober) warnte Marx vor überhöhten Erwartungen. Er könne keine Voraussagen machen. Es sei auch nicht mit Beschlüssen zu rechnen. Dieses erste Treffen sei geplant als Beginn einer Debatte über Themen von Ehe, Familie und Sexualmoral. Dabei zeichnet sich ab, dass einige Regeln auf den Prüfstand gestellt werden sollen.

Bischofskonferenz: Wiederverheiratete Geschiedene weiterhin Thema

 Der vieldiskutierte Umgang mit geschiedenen Katholiken in zweiter Ehe, der besonders Laienorganisationen umtreibt, sei nur ein Aspekt der Synode. Die wiederverheirateten Geschiedenen sind vom Empfang der Sakramente wie der Kommunion ausgeschlossen und haben Nachteile im kirchlichen Arbeitsrecht. "Es ist ein brennendes Thema, es betrifft viele Menschen", beobachtet Marx. Der Papst wolle mit der Synode einen dynamischen Diskussionsprozess anstoßen, sagte er. Vertreter von Bischofskonferenzen aus der ganzen Welt werden daran teilnehmen. 

Zu den Kampfhandlungen im Nahen Osten und dem mörderischen Grauen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sagte Marx: "Natürlich würde ich mir schon wünschen, dass die Sunniten und Schiiten mit ihren religiösen Führern sich jetzt mal versammeln und deutlich sagen: Das ist nicht unsere Auffassung." Aber es sei offenbar nicht so einfach zu einer klaren, gemeinsamen Aussage zu kommen. 

Marx sagte: "Es wird für den Islam eine große Herausforderung in den nächsten Jahren, diese inneren theologischen Debatten in eine gute Richtung zu führen. Ich vermute, dass innerhalb des Islam eine heiße Debatte im Gang ist." Die Aggressionen der Terrormiliz richte sich ja nicht nur gegen Christen, sondern auch gegen Muslime. (AZ/dpa)

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