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Coronavirus

10.04.2020

Corona-Pandemie: Langweilen sich Zootiere ohne Besucher?

Ein gähnender Affe in einem Zoo. Aber ist dem Tier langweilig? Schließlich kommen in der Corona-Krise keine Besucher in die Tierparks.
Bild: Martin Schutt, dpa

Zoos sind in der Corona-Zeit geschlossen - welche Auswirkungen hat das auf die Tiere? Sebastian Scholze vom Verband der Zoologischen Gärten rät, Tiere nicht zu vermenschlichen.

Normalerweise tummeln sich die Menschen vor den Gehegen der deutschen Tierparks und Zoos, gerade in den Osterferien herrscht dort Hochbetrieb. Doch in Corona-Zeiten ist wenig normal und auch die Zoos sind geschlossen. Bilder aus den leeren Tierparks verbreiten sich online dennoch – oft mit dem Hinweis, dass die fehlenden Besucher auch die aufmerksamkeitsgewohnten Tiere beeinflussen. Sie langweilen sich, heißt es dann in Posts, Nachrichten und auch einigen Artikeln. Aber ist es tatsächlich Langeweile, was Löwen, Zebras und Affen in einem leeren Zoo empfinden?

Zootiere ohne Besucher: "Ich würde nicht sagen, dass sie sich langweilen."

"Ich würde mich vorsehen, menschliche Kategorien auf die Tiere anzuwenden", sagt Sebastian Scholze, Pressesprecher des Verbandes der Zoologischen Gärten. Natürlich würden die Tiere auf die veränderte Situation reagieren. "Aber ich würde nicht sagen, dass sie sich langweilen."

Im Grunde seien zwei verschiedene Reaktionen zu beobachten. Da gebe es einerseits die Tiere, die gerne mit den Menschen agieren – Menschenaffen etwa, aber auch einige Raubtiere. Und dann die scheueren Tiere, die weniger mit den Besuchern agieren.

Sebastian Scholze ist Sprecher des Verbandes der Zoologischen Gärten.
Bild: VdZ

Bei den Tieren, "die sich schon gerne präsentieren", sei angesichts der ausbleibenden Besucher eine gewisse Irritation zu beobachten. Und manche Aktivitäten fallen ohne die Menschen weg. Affen im Schweriner Zoo etwa versuchten immer wieder einmal, Handys von unvorsichtigen Besuchern zu stibitzen. "Aber die suchen sich schon eine Beschäftigung", ist sich Scholze sicher. Und dabei würden auch die Tierpfleger helfen. Denn die haben ohne Besucher etwas mehr Zeit – geführte Touren etwa gibt es momentan nicht. Sie beschäftigen die Tiere zum Beispiel, indem sie deren Futter besonders verpacken oder Duftspuren auslegen, denen die Tiere hinterher schnüffeln können.

Einige Tiere profitieren von einem Zoo ohne Besucher

Eine andere Reaktion sei bei den scheueren Tieren zu beobachten – Scholze nennt etwa Marabus als Beispiel. Diese Tiere, die sich nicht so gerne in den Bereichen der Gehege aufhalten, in denen es durch die vielen Besucher besonders laut ist, scheinen zu profitieren. "Die erobern sich jetzt Räume, die sie sonst eher meiden", erklärt er. 

Keine Einnahmen, weiter hohe Kosten: Zoos geht in der Corona-Krise das Geld aus

Um die Tiere müsse man sich also keine Sorgen machen. Um die Zoos selbst schon eher. Denn weil keine Besucher kommen, brechen die Einnahmen weg. Und, wie Scholze erklärt, bleiben die Kosten fast genauso hoch wie sonst. Die Tierpfleger müssen genau wie sonst arbeiten. "Homeoffice mit Elefanten – das geht eben nicht." Beim Kassenpersonal wäre Kurzarbeit oder Ähnliches möglich, doch der größte Teil der Kosten bleibe. Auch das Futter für die Tiere – im Vergleich zum Personal zwar geringere Ausgaben – müsse unverändert bezahlt werden. "Das ist ein Zustand, der nicht mehr lange gut geht", sagt Scholze. "Wir reden da eher von Wochen als von Monaten." (jako)

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