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Porträt

03.03.2017

Cressida Dick: Die Karrierepolizistin bei Scotland Yard

Sie arbeitete sich als Polizistin auf Streife hoch bis zur Leitung Scotland Yards, die Cressida Dick nun als erste Frau übernimmt.
Bild: Michael Crabtree, dpa

Cressida Dick ist die erste Frau an der Spitze von Scotland Yard. Sie gilt als zäh, teamfähig und umsichtig. Nur ein Ereignis überschattet ihren Lebenslauf.

Als Cressida Dick vor drei Jahren Großbritanniens größte Polizeibehörde verließ, hatte sie den Wunsch begraben, jemals an deren Spitze zu stehen. Nun hat sich ihre Hoffnung mit etwas Verspätung doch noch erfüllt. Die 56-jährige kehrt nach einem Intermezzo im Außenministerium als Chefin zur Londoner Metropolitan Police zurück. Damit ist sie in der 188-jährigen Geschichte von Scotland Yard die erste Frau, die der legendären Behörde mit ihren rund 43.000 Mitarbeitern vorsteht.

Bürgermeister Sadiq Khan nannte die Entscheidung historisch. Doch während Politiker und Kollegen ihre Erfahrung loben, ihre direkte Art und den kühlen Kopf, den sie sich selbst unter Druck bewahrt, überschattet ein Ereignis den sonst makellosen Lebenslauf der Karrierepolizistin. Zwei Wochen nach den Terroranschlägen 2005 in London, bei denen 52 Menschen getötet wurden, erschossen Spezialbeamte unter Einsatzleitung von Cressida Dick einen unschuldigen Brasilianer. Die Ermittler hatten ihn irrtümlicherweise für einen der Täter gehalten. Eine Untersuchung ergab zwar, dass Dick keine persönliche Schuld treffe. Trotzdem verurteilte die Familie des Opfers ihre Ernennung nun scharf.

Cressida Dick gilt als talentierteste Ermittlerin ihrer Generation

Cress, so ihr Spitzname, ist als Tochter eines Akademiker-Ehepaars in Oxford aufgewachsen und hat am dortigen College Land- und Forstwirtschaft studiert. 1983 trat sie als Bobby, wie die britischen Polizisten mit den glockenförmigen Helmen genannt werden, in die Behörde ein und ging zunächst auf Streife in London. Ihr Talent fiel schnell auf und so wurde sie 1993 in ein Förderprogramm aufgenommen, was ihr bald ihre erste Führungsrolle bescherte.

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Im Jahr 2001 legte sie eine Karriere-Pause ein, um sich in einem Master-Kurs für Kriminologie in Cambridge weiterzubilden. Sie schloss als Beste ihres Jahrgangs ab und kehrte als Commander zur Polizei zurück. Unter Fachleuten gilt sie als eine der talentiertesten Ermittlerinnen ihrer Generation. Zudem als jemand, der sich nicht davor drückt, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. So meinte sie einmal, dass es unwahrscheinlich sei, dass die Polizei je frei von Rassismus sein würde. Damit reagierte sie auf die schlampige Aufklärung eines Mordes an einem schwarzen Teenager, dessen Fall sie neu aufrollen ließ.

Die Sicherheit des Landes liegt in ihren Händen

Die Aktion brachte Dick viel Anerkennung ein. Zäh, fair, schnörkellos, teamfähig und umsichtig: So wird die alleinstehende, kinderlose Spitzenbeamtin beschrieben – alles Eigenschaften, die sie jetzt brauchen wird. Denn Scotland Yard ist nicht nur für die Sicherheit der gut acht Millionen Einwohner Londons verantwortlich, sondern auch für den Anti-Terror-Kampf im gesamten Land – und das alles mit einem massiv gekürzten Budget. Die erste große Herausforderung für die Neue zeichnet sich bereits ab. Dieses Jahr wird Donald Trump zum Staatsbesuch nach London kommen, Hunderttausende haben bereits angekündigt, gegen ihn auf die Straße zu gehen. Die aufmerksamen Blicke werden dann auch auf Cressida Dick gerichtet sein.

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