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Artenschutz

09.09.2016

Der Massenmord an Elefanten: Alle 15 Minuten stirbt ein grauer Riese

Die Nachfrage nach Elfenbein ist in Asien extrem hoch. Deshalb lohnt es sich für Wilderer Elefanten abzuschlachten, um an ihre Stoßzähne zu kommen.
Bild: Carl de Souza, AFP Photo

Innerhalb von sieben Jahren töteten Wilderer in Afrika beinahe jeden dritten Elefanten. Statt dem Elfenbeinhandel ein Ende zu machen, wollen ihn zwei Länder sogar legalisieren.

Die vier Elefanten starben wenige Hundert Meter voneinander. Einige waren auf ihre Knie gesackt, was nur bei einem plötzlichen Tod passiert. Einem Kopfschuss. Ihre Gesichter entstellt, das Elfenbein mit Äxten abgeschlagen.

So erlebte der Ökologe Michael Chase seinen ersten Arbeitstag in Angola. Für den bislang umfangreichsten Zensus zur Elefantenpopulation zählte er die Tiere. „Ich habe damals gehofft, es handele sich um eine Ausnahme“, sagte der Wissenschaftler dem Magazin National Geographic, „aber diese Bilder wiederholten sich immer wieder.“

Zwei Jahre lang zählten Chase und ein internationales Forscherteam in 18 afrikanischen Ländern von Flugzeugen aus Herden, Kadaver und Skelette. Ihre nun im Fachjournal PeerJ veröffentlichten Ergebnisse sind alarmierend. In 15 der untersuchten Länder liegen Vergleichsdaten vor.

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Zwischen 2007 und 2014 sank die Zahl der Elefanten um 30 Prozent

Sie zeigen: Die Zahl der Afrikanischen Elefanten sank zwischen 2007 und 2014 um 30 Prozent – es leben noch 352271 Tiere. Die Bestände schrumpfen jedes Jahr um acht Prozent, weit schneller als befürchtet. Und noch etwas entdeckten die Forscher: Rund 200 Lagerstätten von Wilderern. Alle 15 Minuten töten sie in Afrika einen Elefanten.

Zuletzt gelang es nur in Botswana einigermaßen, die Wilderei einzudämmen. Das merkten auch die Elefanten. Sie wandern dorthin. Laut Elefanten-Zensus leben 130451 Tiere in dem Land, so viele wie nirgends sonst in Afrika.

Dass die Studie jetzt veröffentlicht wird, ist wohl kein Zufall. Am 24. September beginnt im südafrikanischen Johannesburg das Gipfeltreffen der 182 Mitgliedsstaaten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (Cites). Und die Ergebnisse der Zählung setzen Namibia und Simbabwe unter Druck. Sie wollten auf dem Treffen einen Antrag stellen, der den Export von Elfenbein legalisieren soll.

Simbabwe und Namibia wollen am Elfenbeinhandel mitverdienen

Simbabwes Regierung unter Diktator Robert Mugabe hat erkannt, dass sich mit toten Elefanten gute Geschäfte machen lassen. Schließlich ist die Elfenbein-Nachfrage in der asiatischen Mittelschicht enorm hoch. Schnitzereien aus den Stoßzähnen gelten als Prestigeobjekt. 84000 Elefanten sollen laut simbabwischen Behörden in dem Land leben. Doppelt so viele wie man versorgen könne.

Aktuell verfüge man über 70 Tonnen Elfenbein im Wert von 35 Millionen Dollar, sagt die Regierung. Da dies nicht verkauft werden dürfe, werde der Schwarzmarkt gestärkt. Namibia, das seine privat finanzierten Zählungen dem Zensus nicht zugänglich gemacht hat, argumentiert ähnlich.

Legalisierung brachte regelrechten Boom der Wilderei

Umweltschützer sind alarmiert. Sie bringen den Rückgang der Elefantenpopulation mit einer Lockerung des Elfenbeinhandels im Jahr 2008 in Verbindung. Damals wurde ähnlich argumentiert: Würde der Markt mit zertifizierten Elfenbeinbeständen geflutet, würde der Preis und der Anreiz zur Wilderei sinken. Das Gegenteil war der Fall.

Zwar fiel der Preis zunächst. Doch mit der Legalisierung fiel auch das Stigma, das am Kauf von Elfenbein haftete. Die ohnehin schon gewaltige Nachfrage in Asien explodierte förmlich, was den Preis nach oben jagte. Die zertifizierten Bestände reichten nicht aus, um sie zu decken. Für Wilderer wurde das Geschäft also noch lukrativer.

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