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Covid-19

26.05.2020

Die Party ist vorbei: Clubs gelten als Corona-Hotspots

Für die Dauer der Corona-Pandemie ist Tanzen in geschlossenen Räumen nur mit großem Risiko möglich. Viele Club-Betreiber hoffen auf eine Alternative im Freien.
Bild: Britta Pedersen, dpa

Auf die Möglichkeit, bald wieder öffnen zu dürfen, warten Clubs, Bars und Diskotheken vergebens. Ein Fall aus Südkorea zeigt, wie schnell Gäste das Virus verbreiten.

Bässe wabern über die Tanzfläche, es ist laut, stickig, eng. Hunderte schwitzende Menschen zappeln durch die Nacht und ... Moment. Regt sich da etwas im neu gelernten Abstandsbewusstsein? In der Corona-Krise sind solche Szenen schwer vorstellbar geworden.

Während es vielerorts Lockerungen gibt, blicken Clubs, Diskotheken und Bars weiter in eine düstere Zukunft. Ihr Problem: Das Virus hat es hier besonders leicht.

Beispiel Berlin: Von den ersten 263 bestätigten Fällen gingen 42 auf Club-Besuche zurück. Pamela Schobeß vom Vorstand der Clubcommission - dem Verband Berliner Clubveranstalter - prognostizierte schon zu Beginn der Corona-Krise: "Wir waren die ersten, die zugemacht haben, und werden wohl die letzten sein, die wieder aufmachen können."

Virologen sehen in Clubs, Bars und Discos Viren-Hotspots

Eine Meinung, die auch der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) teilt. Gerade in Clubs, Bars und Discos finde das Coronavirus perfekte Bedingungen für eine schnelle Verbreitung, sagt er.

Es ist eng, man schwitzt, schreit einander mit geringem Abstand ins Ohr: "Das ist genau dieses Szenario, bei dem es in anderen Ländern bereits zu massenhaften Ansteckungen gekommen ist. Das sind die Viren-Hotspots - gerade für das Coronavirus."

Außerdem mache es die meist schlechte Belüftung der Räume dem Virus noch leichter. "Sie können da nicht für eine Belüftung sorgen, Sie haben vielleicht nur Anlagen, die das umwälzen oder ein bisschen verblasen. Aber eigentlich sind das kleine enge Räume." Das sei der beste Zustand, den er sich für einen respiratorisch - also über die Atmung - übertragbaren Erreger vorstellen könne. "Also der schlimmste Zustand für den Menschen. Insgesamt ist die Situation einfach ideal, um sich dort infizieren zu können."

In Südkorea infiziert ein Club-Besucher 200 Menschen mit dem Coronavirus

Wie ideal die Tanzfläche für das Virus ist, mussten die Menschen in Südkorea Anfang Mai erfahren. In der Hauptstadt Seoul war ein 29-jähriger Corona-Infizierter durch mehrere gut besuchte Clubs und Bars im Ausgehviertel Itaewon gezogen. Es kam zu einer Cluster-Infektion: Fast 200 Infektionsfälle wurden mit dem Ausbruch in Verbindung gebracht, mehr als 65.000 Menschen mussten sich testen lassen. In Südkorea - wo sich die Lage eigentlich entspannt hatte - war die Angst vor dem Virus wieder da.

Die Behörden seien davon ausgegangen, dass es mehrere "Indexfälle in diesem Itaewon-Cluster gab", sagt Kim Dong Hyun von der Koreanischen Gesellschaft für Epidemiologie. "Und der 29-Jährige ist definitiv einer davon." Mit Indexpatienten werden in der Regel Personen bezeichnet, von denen ein Ausbruch seinen Ausgang nimmt. "Das bedeutet, es gibt sicherlich noch unentdeckte, stille Fälle."

Tanzen ist erst nach der Corona-Pandemie wieder in geschlossenen Räumen möglich

Wenig Chancen auf Abstand, schwierige Lüftungsbedingungen und die stetige Angst vor dem nächsten großen Ausbruch: Ist die Party in den Clubs jetzt endgültig vorbei? Das Sinnvollste wäre, in einen Club für sonst 100 Besucher nur fünf Gäste zu lassen, meint Virologe Schmidt-Chanasit: "Aber das will keiner und das macht auch keinen Sinn."

Er geht davon aus, dass Tanzen wie vor der Corona-Pandemie erst in vielen Monaten wieder möglich sein wird. "Erst, wenn wir einen Impfstoff haben oder die Pandemie vorbei ist und die Immunität in der Bevölkerung angestiegen ist."

 

In Berlin kämpft die Szene derweil ums Überleben. Das Streaming-Format #UnitedWeStream bringt etwas an Spenden ein, an weiteren Alternativen wird gearbeitet.

So will die Clubcommission mit Blick auf den nahenden Sommer draußen tanzen. Freiflächen sollen vorübergehend bis Mitternacht geöffnet, die Musik zwei Stunden früher abgestellt werden. Für Pamela Schobeß, die selbst den Club "Gretchen" betreibt, stellt sich mit Blick auf die knappe Finanzdecke dennoch die Frage, "ob es uns alle überhaupt noch gibt, wenn wir wieder aufmachen dürfen".  (dpa)

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