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Vor dem Urteil

09.09.2014

Die fünf wichtigsten Fragen zum Pistorius-Prozess

Sprint-Star Oscar Pistorius auf der Anklagebank. Am Donnerstag fällt voraussichtlich das Urteil in dem aufsehenerregenden Prozess.
Bild: Chris Collingridge, dpa

Am Donnerstag fällt voraussichtlich das Urteil im Pistorius-Prozess. Dem Sportler drohen bis zu 25 Jahre Haft. Hier sind die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zum Prozess.

Rund 19 Monate nach den tödlichen Schüssen von Oscar Pistorius auf seine Lebensgefährtin Reeva Steenkamp wird in dem aufsehenerregenden Prozess das Urteil gefällt. Voraussichtlich am Donnerstag soll im Gericht der Hauptstadt Pretoria verkündet werden, ob Südafrikas ehemalige Sportikone ins Gefängnis muss. Dem 27-jährigen Pistorius drohen bis zu 25 Jahre Haft. Die folgenden Fragen werden wohl über sein Schicksal entscheiden:

Wer entscheidet über Pistorius' Schuld oder Unschuld?

In Südafrikas Justiz gibt es nicht wie etwa in den USA Geschworenengerichte. Richterin Thokozile Masipa wird das Urteil weitgehend allein fällen. Ihr sind zwei Beisitzer zur Seite gestellt, Themba Mazibuko und Janet Henzen-du Toit. Nur wenn beide zu einem anderen Schluss kommen als Masipa können sie die Richterin überstimmen.

Hat der Prozess einen eindeutigen Beweis erbracht?

Nicht wirklich. Anklage und Verteidigung waren besser darin, die Argumentation der Gegenseite auseinander zu nehmen als eine eigene schlüssige Version der Ereignisse in der Tatnacht zu präsentieren. Allerdings hat Pistorius im laufenden Prozess offenbar seine Argumentation abgeändert. Anfangs sagte er, er habe Steenkamp erschossen, weil er sie für einen Einbrecher hielt. Später sagte er, er habe die Schüsse auf die Person hinter der Badezimmertür "unabsichtlich" abgegeben.

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Nach Einschätzung des südafrikanischen Anwalts David Dadic schwächte Pistorius mit dieser Abänderung seine Position. Hinzu kommen die weiteren Anklagen im Zusammenhang mit früheren Waffenvergehen. Diese vergleichsweise unbedeutenden Vorwürfe hätten den Charakter des Angeklagten in ein schlechtes Licht gerückt, sagt Dadic, der den Pistorius-Prozess als Blogger beobachtet.

Kann Pistorius einer Verurteilung entgehen?

Der Angeklagte hat zugegeben, die tödlichen Schüsse abgefeuert zu haben. Das Gericht muss nun entscheiden, ob es sich dabei um eine kriminelle Tat handelte. Für eine Verurteilung wegen Mordes müsste die Staatsanwaltschaft bewiesen haben, dass Pistorius seine Lebensgefährtin in voller Absicht tötete. Liege nur eine indirekte Tötungsabsicht vor, könne die Richterin auch auf Totschlag entscheiden, sagt Dadic. Dass Pistorius überhaupt nicht schuldig gesprochen wird, hält Dadic dagegen für unwahrscheinlich.

Die Verteidigung zeichnete von Pistorius das Bild eines extrem verwundbaren Menschen mit schwerer Behinderung, der aus tiefsitzender Angst und nicht aus Wut die tödlichen Schüsse abgab. Doch Pistorius wegen seiner Behinderung von allen Vorwürfen freizusprechen , würde Dadic zufolge einen "schlechten Präzedenzfall" schaffen.

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Oscar Pistorius: Ausnahmesportler und Mörder?

Wird Pistorius ins Gefängnis gehen?

Wenn Richterin Masipa den Angeklagten schuldig spricht, obliegt es ihr, eine entsprechende Strafe festzulegen. Das Strafmaß ist nur für eine Verurteilung wegen Mordes gesetzlich festgelegt: 25 Jahre. Bei einer Verurteilung wegen Totschlags ist dagegen laut Dadic von einer Bewährungsstrafe bis zu einer mehrjährigen Haftstrafe alles möglich.

Wird Pistorius im Fall einer Verurteilung ins Gefängnis gehen?

Wahrscheinlich ja. Davon gehen zumindest alle aus, die mit dem Fall vertraut sind. "Das ist erst der Anfang", sagt Dadic. "Ich glaube nicht, dass Oscar ins Gefängnis geht, bis er alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft hat, das Verfassungsgericht eingeschlossen." afp

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