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Digitalisierung
23.10.2016

Daten statt Gefühle: Wie wir durch Technik unser Leben protokollieren

Egal ob beim Sport oder der Ernährung: Immer mehr Menschen protokollieren ihre Aktivitäten.
Foto: Kentoh/Fotolia

Zur Quantified Self Community gehören Menschen, die sich und ihr Leben vermessen. Statt ihren Gefühlen zu vertrauen, setzen sie auf Daten. Das birgt Gefahren.

Sie lassen sich jeden Morgen per Wecker wecken und dabei möglicherweise aus dem Tiefschlaf reißen? Dann zählen Sie nicht zu jenen, die sanft und schonend erwachen wollen. „Insbesondere Frauen sind begeistert von Schlafphasenweckern“, heißt es auf der Homepage der deutschen „Quantified Self Community“. Diese Geräte versprechen, die Schlafphase des Nutzers zu erkennen und ihn zum idealen Zeitpunkt aufzuwecken.

Denn das Smartphone auf der Matratze registriert sowohl Lageänderungen als auch die von den Bewegungen des Schläfers erzeugten Geräusche und erhält somit Hinweise auf leichten oder tiefen Schlaf. Auch wenn die Wirksamkeit in unabhängigen Tests nicht habe nachgewiesen werden können, vertrauen angeblich tausende deutscher Schläfer auf die das Aufstehen erleichternde Wirkung der App.

Der Glaube an die Segnungen moderner Technologien erscheint fast grenzenlos und macht nicht einmal vor einer Vermessung von Gefühlen halt: Die automatisierte Analyse des Stimmfalls in Telefongesprächen, um depressive Tendenzen zu erkennen, ist nur eins von unzähligen Szenarien, welche nach Ansicht der Quantified-Self-Bewegung zunehmend Verbreitung finden dürften.

Messen die Sensoren überhaupt das, was sie messen sollen?

Die Quantified Self Community ist eine Gruppe von Leuten, die sich und ihre Aktivitäten quantitativ vermessen. Dabei ist das Spektrum des sogenannten Self Trackings ziemlich breit und reicht von den verbreiteten Schrittzählern über die Aufzeichnungen von Puls, Herzschlag und Gefühlszuständen bis hin zur Erfassung von Gewicht, Ernährung und Schlafverhalten. Der Soziologe und Autor Stefan Selke, Professor an der Hochschule Furtwangen, bezeichnet mit dem Begriff „Lifelogging“ (zu Deutsch etwa Lebensprotokollierung) Formen der Selbstvermessung „vom Gesundheitsmonitoring über Orts- und Anwesenheitserfassung bis hin zur Leistungsvermessung am Arbeitsplatz“. Wird das individuelle Leben dank zahlloser Sensoren zu einem einzigen, großen Protokoll, festgehalten von Geräten und abgespeichert für alle Ewigkeit?

„Selbsterkenntnis durch Zahlen“, versprechen die Befürworter. „Im Kern“ gehe es um „weitreichende Erkenntnisse über die eigene Person.“ Wobei es verschiedene Ziele und Anwender gebe: Der Leistungssportler etwa wolle mithilfe der Daten schneller, ausdauernder, leistungsfähiger werden, der Kranke gesund beziehungsweise gesünder, der junge Berufstätige effizienter, effektiver und besser organisiert. Die meisten nutzen für die Selbstvermessung zwei oder mehr Geräte. Und erfahren so zum Beispiel: Wie schlägt mein Herz? Wie gut schlafe ich? Oder: Wie viel Zeit verbringe ich mit welchen Kontakten?

Quantified Self erhebt dabei den Anspruch, Verhaltensänderungen und eine gesunde Lebensweise zu unterstützen. Doch ist dem tatsächlich so? In puncto Gesundheit scheinen nicht wenige davon überzeugt zu sein. Ein Viertel der deutschen Internet-User nutzt derzeit laut einer aktuellen Studie entsprechende Hilfsmittel, um die eigene Gesundheit und Fitness zu überwachen. Mit dieser Quote liege die Bundesrepublik unter 16 Staaten auf Rang vier.

Dabei kann das Messen der Aktivitäts- und Vitalitätswerte durchaus kritisch betrachtet werden. Denn es werden sensible Daten gesammelt. „Die Werte sind sehr persönlich“, heißt es etwa bei der Deutschen Angestellten Krankenkasse. „Nur der Nutzer selbst sollte entscheiden, was er damit macht. Vor allem sollte er sich genau überlegen, ob und wem er sie weiterleitet.“ Auch die Siemens-Betriebskrankenkasse warnt: „Diese Daten sind die Währung der Zukunft. Jeder Nutzer sollte sich daher auch Fragen zur Datensicherheit stellen.“

Und: Messen all die Sensoren denn überhaupt das, was sie messen sollen? Stefan Selke, der unlängst ein Buch zum Thema Lifelogging herausgegeben hat, in dem das Phänomen von Wissenschaftlern aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird, ist sich da nicht so sicher. Auf dem Gebiet des Self Trackings und der Gesundheits-Apps gebe es ziemlichen Wildwuchs, beklagt er. Beispiel Body Mass Index (BMI): Aus wissenschaftlicher Sicht ideal sei ein BMI von 27, doch als richtig angegeben werde in vielen Geräten der Wert von 25. Also würden Menschen dazu getrieben, einem falschen Ziel nachzujagen.

Ein Soziologe prophezeit: Unser Blick auf andere wird sich verändern

Selke, der sich der digitalen Selbstvermessung intensiv angenommen hat, weiß, was an Daten gesammelt wird und welche seltsamen Blüten diese Sammlung mitunter treibt: das Elektroschockarmband etwa, das Stromstöße abgibt, wenn man persönliche Fitness-Ziele nicht erreicht, oder ein System zur Messung der Beziehungsqualität. Eine absurde Idee, so Selke – als ob man Fürsorge, Glück, Sicherheit in einer Beziehung organisieren könnte wie ein Training im Fitnessstudio! Bis jetzt gibt man für dieses System einfache Antworten auf ein paar Fragen ein – aber es sei nur eine Frage der Zeit, bis man die Qualität der Liebe an Hautspannung, Herzschlag und Ähnlichem messen werde.

Selke stellt die neuen „Errungenschaften“ infrage – die Gabel etwa, die zu vibrieren beginnt, wenn man zu schnell isst. Technische Rückkoppelung statt Selbstbeobachtung – als wären wir dazu nicht mehr fähig. Auch bei Messsystemen, die angeben, wie gut man nach (wie viel) Alkoholgenuss schlafe, würden Erfahrungswissen und gesunder Menschenverstand durch einen „Zahlenfetischismus“ ersetzt. Das bessere Leben, das die Quantified Self Bewegung am Horizont wähnt, sieht Selke nicht heraufziehen. Die Abhängigkeit von Messsystemen ist aus seiner Sicht nicht das bessere, sondern das entmündigte Leben. Er warnt vor einer Abhängigkeit von „Experten“, die uns sagen, was normal ist und was nicht.

Und was macht die Vermessung des Lebens mit unserer Gesellschaft? „Wir werden uns immer mehr auf Basis von Daten wahrnehmen“, prophezeit der Soziologe. Unser Körpergefühl, unser Denken und der soziale Blick aufeinander wird sich verändern. Es wird ein misstrauischer Blick auf das Trennende sein, einer, der Abweichungen sieht und nicht das, was uns verbindet. Wir bekommen ein neues soziales Sortierprinzip, indem die Guten von den Schlechten getrennt werden – die optimierten Menschen von den nicht optimierten, die digitalen Gewinner von den Verlierern.

Die Anfänge hierzu seien bereits da. In den USA habe es die erste Universität zur Verpflichtung gemacht, dass ihre Studenten Fitnessdaten erheben und abliefern, diese gingen dann zu 20 Prozent in die Noten ein, berichtet Selke. Und wer die Daten nicht liefert, dürfe gar nicht erst dort studieren.

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