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EU-Debatte

30.11.2017

Droht dem Döner das Aus?

Der Döner ist inzwischen ein fester Bestandteil des kulinarischen Angebotes in Deutschland.
Bild: Peter Steffen, dpa (Symbolbild)

Die Döner-Fleischspieße enthalten bislang Phosphate. Doch der Umweltausschuss des EU-Parlaments will nun die Verträglichkeit der Zusatzstoffe prüfen lassen.

Gibt es bei uns bald keinen Döner mehr? Droht der kulinarischen Speerspitze der Türkei das Aus? Und dann auch noch durch eine Regelung der Europäischen Union? Man traut fast seinen Ohren nicht. Diese Nachricht sorgte jedenfalls am Donnerstag für Gesprächsstoff. Wobei man sagen muss: Auch beim Döner wird nichts so heiß gegessen wie gegrillt. Aber der Reihe nach.

Steine des Anstoßes sind Phosphat-Zusätze in tiefgefrorenen Lebensmitteln. Phosphate stehen aber im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Das befürchtet nun auch eine Mehrheit im Umweltausschuss des Europäischen Parlamentes. Tatsächlich enthalten die tiefgefrorenen Döner-Spieße, von denen jeden Tag rund 500 Tonnen in den EU-Mitgliedstaaten vertilgt werden, Phosphat, damit das Fleisch Wasser bindet und saftiger wird. Ohne diese Zusatzbehandlung würde der Döner beim Grillen am Spieß zerfallen und vor allem nicht gleichmäßig garen.

Döner: Ist Phosphat schädlich für die Gesundheit?

Doch Phosphat steht unter anderem im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu beschleunigen. Deshalb hat die EU-Kommission schon vor langer Zeit Grenzwerte eingeführt, die allerdings nur für frisches (Döner-)Fleisch gelten, aber auch für Wurstbrät und Kasseler. Es war also eine Rechtslücke, die die Brüsseler EU-Behörde schließen und auf tiefgefrorene Ware ausdehnen wollte. Doch im Umweltausschuss legten sich Sozialdemokraten und Grüne quer. „Wir wollen wissenschaftlich abgesichert sehen, dass keine Gefahr von diesen Zusatzstoffen ausgehen“, hieß es in einer Stellungnahme der Grünen-Europa-Fraktion. Die SPD-Fachfrau Susanne Melior lobte den Einsatz ihrer Fraktion, „weil Lebensmittelzusätze in tiefgefrorenem Fleisch nicht zugelassen werden dürfen, bevor die Ergebnisse aktuell laufender Studien zu ihren gesundheitlichen Auswirkungen vorliegen“.

Der Ausschuss beauftragte also die Europäische Lebensmittelaufsicht im italienischen Parma damit, bis Ende 2018 die bisher vorliegenden Untersuchungen zur Gesundheitsgefahr von Phosphat-Zusätzen in tiefgefrorenen Produkten zu sichten. Das Plenum des Abgeordnetenhauses wird sich voraussichtlich Mitte Dezember mit dem Thema beschäftigen.

Berichterstatterin Renate Sommer (CDU) von der christdemokratischen EVP-Mehrheitsfraktion verstand dagegen die ganze Aufregung nicht: „Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft die Aufnahme von bis zu 4200 Milligramm Phosphat pro Tag als unbedenklich ein“, erklärte sie. Eine Portion Döner enthält aber gerade mal 134 Milligramm. Zum Vergleich: Ein Glas Cola (0,3 Liter) kommt mit bis zu 210 Milligramm des Bindemittels daher. Der Döner ist also offenbar nur zu einem Symbol für die Frage geworden, ob dem Verbraucher auch künftig so viel Phosphat wie bisher zugemutet werden soll. Denn hinter den Kennzeichnungen E338 bis E341, E343 sowie E450 bis E452 verbirgt sich letztlich auch nichts anderes als der nun ins Gerede gekommene Zusatz.

Debatte über Döner: Branche bangt um ihren Ruf

Viele andere Lebensmittel, vom Schinken über Fischkonserven und Backwaren, werden ebenfalls mit diesem Stoff behandelt. Dennoch war es der Fleischspieß, der rund 110.000 Menschen in der Union beschäftigt (80 Prozent davon in Deutschland), um den sich am Donnerstag alles drehte.

Dabei beeilten sich in der Folge aber alle Fraktionen zu erklären, dass niemand auf seinen Döner oder auf Gyros verzichten muss (Melchior). Und dass es nicht zu einem Aus des Gerichtes kommen wird (Grüne).

Um ihren guten Ruf bangt die Branche allerdings trotzdem bereits. Kenan Koyuncu, Vorsitzender des Bundesverbandes der Döner- und Drehspießhersteller Deutschland, erklärte jedenfalls: Sofern sich der Einspruch des Europäischen Parlamentes durchsetzt, wäre dies das Todesurteil für die gesamte Döner-Industrie in Europa.

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