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Eurojackpot
11.09.2014

60 Millionen im Jackpot: Warum ein Gewinn nicht immer glücklich macht

Rund 60 Millionen Euro gibt es diesen Freitag beim Eurojackpot zu gewinnen.
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Rund 60 Millionen Euro gibt es diesen Freitag beim Eurojackpot zu gewinnen.
Foto: Martin Gerten, dpa

60 Millionen Euro gibt es am Freitag beim Eurojackpot zu gewinnen. Warum ein Lottogewinn nicht immer glücklich macht, erzählt ein Glücksforscher, der an der Uni Augsburg doziert.

60.000.000 Euro, das ist eine Menge Geld. Geld, um etwa ein Haus, eine Yacht, einen eigenen Privatjet oder eine ganze Menge anderer Dinge kaufen zu können. 60.000.000 Euro, so viel liegt im Eurojackpot, der am Freitag gezogen wird. Es ist der größte Eurojackpot aller Zeiten. Bei der Ziehung könnte es daher zu einem historischen Moment kommen. Doch macht ein Lottogewinn wirklich glücklich?

Wir haben zu diesem Thema mit Psychologe und Glücksforscher Dr. Stephan Lermer gesprochen. Stephan Lermer leitet das "Institut für Persönlichkeit & Kommunikation" in München und berät vor allem Unternehmer, Führungskräfte sowie Selbstständige. Er ist außerdem Dozent am Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer der Universität Augsburg. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Macht ein Lottogewinn automatisch glücklich?

"Nicht zwangsläufig", sagt Lermer. Ein Lottogewinner sei kurzfristig euphorisiert. Langfristig verpuffe der Effekt jedoch. Allerdings gebe es zwei Ausnahmen: Wer andere Menschen glücklich macht, könne selbst glücklicher werden. Dasselbe gelte für Lottogewinner, die nach dem Gewinn in sich selbst investieren, etwa in Form einer Weltreise oder durch die Gründung einer Firma.

Eurojackpot: Nicht jeder wird mit mehr Geld glücklicher

Inwiefern verändert ein Lottogewinn das Leben eines Menschen?

Ein Lottogewinn kann aus einem unglücklichen Menschen nicht automatisch einen glücklichen machen, sagt Lermer. Inwiefern ein Lottogewinn das Leben eines Menschen verändere, hinge vielmehr davon ab, wie viel Geld der Betreffende vorher zur Verfügung hatte. "Wenn jemand mit seinem Geld nicht auskommt und sich die finanziellen Sorgen mit einem Schlag auflösen, kann dieser in Folge eines Lottogewinns glücklicher sein", so der Glücksforscher.

Wer hingegen einfach nur mehr Geld zur Verfügung habe als früher, den mache ein Gewinn nicht automatisch glücklicher: "Konsum selbst ist keine Glücksquelle." Denn bereits nach kurzer Zeit folge die Ernüchterung: "Dann steht man halt mit dem Ferrari im Stau", sagt Lermer.

Wie sollte man mit einem Lottogewinn umgehen?

Lottogewinnern empfiehlt Psychologe Lermer drei Dinge: Zunächst sollten sie nichts überstürzen. Danach sollten Lottogewinner einen Coach und einen Finanzberater in Anspruch nehmen. Ersteren, um kluge Entscheidungen zu treffen, letzteren, um zu erfragen, wie sie eine solche Summe am besten anlegen. Als dritten Punkt empfiehlt Lermer, nach einem Gewinn "höchstens den Partner und den besten Freund einzuweihen" und diese zu bitten, den Geldgewinn diskret zu behandeln.

Der Grund: "Wir leben in einer Neidgesellschaft." Ein plötzlicher Lottogewinn und der allzu offene Umgang damit könne Zwietracht sähen, so der Glücksforscher. Anstatt beispielsweise einigen wenigen Freunden sehr viel Geld zu geben, rät Lermer daher dazu, "im Kleinen sozial zu sein". Etwa im Supermarkt aufzurunden oder beispielsweise dem Paketboten stets einige Euro Trinkgeld zu geben: "Im Kleinen Freude zu machen, ist die größte Freude selbst."

Wer größere Summen verschenkt, sollte dagegen darauf achten, dass andere anschließend nicht zu sehr in der eigenen Schuld ständen. Allgemein rät Psychologe Lermer zum Understatement: Wer plötzlich reich sei und seinen Reichtum ausleben wolle, solle dies am besten im Urlaub tun. Denn im persönlichen Umfeld erzeuge ein plötzlicher Geldsegen häufig Neid.

Eurojackpot: "Wenn du das hast, bist du glücklich" stimmt nicht

Warum haben so viele ihren Lottogewinn bereits nach kurzer Zeit wieder ausgegeben?

Den Grund dafür, dass manch Lottogewinner seinen Gewinn alsbald wieder los ist, sieht Lermer "in unserer Konsumgesellschaft". Der Gedanke "Wenn du das hast, bist du glücklich" sei irreführend. Denn: "Man ist nur im Augenblick des Shoppens selbst glücklich." Danach verflüchtige sich das Gefühl.

Hieraus könne sich ein Kreislauf ergeben, in dem ein Lottogewinner versucht, durch immer mehr Käufe glücklicher zu werden, so Lermer. Zudem seien viele von einem plötzlichen Lottogewinn schlichtweg überfordert.

Warum spielen Menschen überhaupt Lotto?

Dass zahlreiche Menschen Lotto spielen, hat Lermer zufolge vorwiegend drei Gründe: Einerseits möchten sie sich nicht der Chance verschließen, womöglich doch zu gewinnen. Andererseits seien sie dadurch motiviert, dass so viele andere "doch auch" ihr Glück versuchten. Nicht zuletzt sei Lottospielen "ein eigener kleiner Krimi", der zu Nervenkitzel führe. Hierbei steht die Vorfreude auf das Ziehen der Zahlen im Mittelpunkt, sagt Lermer. Denn: "Die Chance, zu gewinnen, ist ja gegeben."

Lermer zufolge steigt die "Lottofreude" mit der Höhe des Jackpots: Je höher der Jackpot - wie etwa im Falle des Eurojackpot -, desto bedauerlicher sei es, auf seine (kleine, aber reelle) Gewinnchance zu verzichten. Ein Verhalten, das Lermer allerdings "irrational" nennt: Denn je höher die Teilnehmerzahl, desto niedriger die eigene Chance, einen großen Geldbetrag zu gewinnen.

Braucht der Mensch eigentlich Geld, um glücklich zu sein?

Ja, sagt Glückforscher Lermer, "eine gewisse Basissumme brauchen wir schon". Diese sei notwendig, um "das Leben zu ermöglichen". Gemeint ist, um Essen, Miete oder etwa eine Reise finanzieren zu können. Doch: "Wer mehr hat, wird nicht automatisch glücklicher."

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