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Tierhaltung

04.04.2021

Farben erkennen und Slalom laufen: Was Hühner im Training lernen können

Hühner haben nicht nur Eierlegen im Kopf.
Foto: Julian Stratenschulte, dpa

Ob beim Schauspielern, Slalomlaufen oder Klavierspielen: Hühner sind die neuen Favoriten in der Welt der Haustiere und können mit dem richtigen Training einiges lernen.

Hühner erfreuen sich als Haustier auch bei privaten Tierhaltern immer größerer Beliebtheit. Das belegen Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Insgesamt leben in Deutschland etwa 45 Millionen Hennen, die im Jahr rund 14 Milliarden Eier legen. Doch ist Eierlegen alles, was die gefiederten Tiere können?

Lori Marino, Expertin für Tierintelligenz, hat das Verhalten von Hühnern erforscht und kommt zum Schluss, dass Hühner genauso geistig, emotional und sozial komplex sind, wie andere Vögel und Säugetiere. Sie seien sogar zu logischen Schlussfolgerungen fähig, die Kinder mit etwa sieben Jahren meistern.

Tiertrainerin: Beim Hühnertraining lernen vor allem die Menschen

Für Marinos Erkenntnisse gibt es sogar berühmte Beispiele: So bewies etwa die Filmhenne Sieglinde ihre schauspielerischen Fähigkeiten bei den Dreharbeiten zum ARD-Film "Wir sind doch Schwestern" als Darstellerin eines angefahrenen Huhns.

Kein gewöhnliches Huhn: Sieglinde bei Dreharbeiten zu einem Film.
Foto: Aurelia's Filmtiere, dpa

Hühner können also auf bestimmte Verhaltensweisen hin trainiert werden. Der amerikanische Tiertrainer Bob Bailey hat in seinem "Chicken Camp" dafür sogar einen Kurs entwickelt. Dabei "haben die Hühner ganz viel Spaß", sagt Tiertrainerin Viviane Theby, die Baileys Hühnerkurse anbietet. Es gehe es aber nicht nur darum, dass die Hühner etwas lernen. Der Schwerpunkt des Programms liege darauf, dass Menschen etwas über tiergerechtes Training erfahren, "denn Hühner sind die besten Trainer der Menschen" erzählt Theby. Dabei seien Hühner außerdem "ein ideales Trainingsmodel repräsentativ für alle anderen Tierarten", berichtet Theby.

Klick und Belohnung: Der "Clicker" unterstützt beim Hühnertraining

Um das Federvieh zu motivieren, nutzt Theby eine Methode, die auch dem ein oder anderen Hundebesitzer bekannt vorkommen mag: das Clickertraining. Wenn das Huhn eine Aufgabe richtig bewältigt, betätigt der Trainer sofort das kleine Klickgerät und die Henne erhält ein paar Körner zur Belohnung. "Dabei ist es vor allem wichtig, schnell füttern zu können, um im richtigen Moment zu belohnen." Ist dieses Prinzip von Mensch und Huhn verstanden, kann das "richtige Training" beginnen.

Bekannte Methode aus dem Hundetraining: der Clicker.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa (Archivbild)

Zunächst lernen die Hühner im Kurs, Farben und Formen zu unterscheiden. Dabei "sind sie mit den Augen so gut, wie Hunde mit der Nase", erzählt die Tiertrainerin. Sie können zum Beispiel in einem Memory mit Tierbildern ein Bild mit einer Kuh identifizieren, wenn sie zuvor etwa beim Antippen des einzelnen Bildes belohnt wurden. Diese Fähigkeit konnte ein Huhn aus Thebys Kurs sogar schon bei "Wetten, dass..?" unter Beweis stellen, als es Kegeln mit Bildern von Thomas Gottschalk herauspicken sollte. "Das ist dann schon spektakulär", sagt die Trainerin.

Hat das Huhn-Mensch-Gespann diesen Grad erreicht, steht die nächste Stufe an: ein Parcours mit Slalom oder Tunnel. Die Hennen können sogar lernen, durch einen Reifen zu springen. Weil Hühner sehr genau das Verhalten des Trainers widerspiegeln und der Mensch genau auf sich achten muss, lernt man im Umgang mit ihnen fürs Leben, sagt Theby: "Ich muss mein Verhalten ändern, wenn auch mein Gegenüber sich ändern soll."

Wie können Hobbyhalter ihr Huhn trainieren?

Ein Fernsehstar wie das Huhn Jokgu, das im Jahr 2017 bei der Talentshow "America's Got Talent" mit seinem Klavierspiel begeistern konnte, wird durch das Training zwar nicht gleich jedes Huhn.

Was aber im Alltag geübt werden kann, ist etwa, das Federvieh mit einem Lautsignal herzurufen. Oder es daran zu gewöhnen, auf dem Schoß zu sitzen. Das alles läuft natürlich nur über die Belohnung mit Futter. Vor dem Trainingserfolg sollte dabei immer der Spaß von Mensch und Huhn stehen. Für Tiertrainerin Viviane Theby ist auf jedenfall eines klar: "Danach sagt man nie mehr 'du dummes Huhn'."

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