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Frankreich
13.08.2018

Das Nummernschild ist jetzt ein Oldie

Als dieser Jaguar-Sportwagen vom Typ E im Jahr 1969 gebaut wurde, war das Autokennzeichen auch in Deutschland längst Pflicht.
Foto: Jan-Peter Kasper, dpa

Ein Pariser Polizeipräsident revolutionierte 1893 den Straßenverkehr. Er führte Fahrprüfung, Führerschein, Parkplätze und Autokennzeichen ein.

Wer sich traute, setzte sich einfach ans Steuer und fuhr los, damals, kurz nach der Erfindung des Automobils in den späten 1880er Jahren. Fahrprüfung? Führerschein? Ampeln oder andere Verkehrsregeln? Alles Fehlanzeige. Die Folge: tumultartige Szenen auf den Straßen Europas.

Wie ein Franzose den Straßenverkehr revolutionierte

Verkehrshistorikern zufolge gab es viele, die so dachten, wie es von Kaiser Wilhelm II. kolportiert ist: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung.“ Firmengründer Adam Opel (1837 – 1895) wird das Zitat zugeschrieben: „Dieser Stinkkasten wird niemals mehr sein als ein Spielzeug für Millionäre, die nicht wissen, wie sie ihr Geld wegwerfen sollen.“

In vielen Straßen der Städte war auch einfach nicht genügend Platz für die neuartigen Vehikel. Besonders schlimm war es in London und in Paris. Und erschwerend kam noch hinzu: Die Automobile hatten kein Erkennungszeichen. Wie sollte man die Automobilisten ihrer Verantwortung zuführen und zu Schadenersatzzahlungen bringen, wenn sie wieder einmal vom Unfallort geflohen waren?

Nur wenige Tage nach seiner Amtseinführung griff der neue Pariser Polizeipräsident durch. Louis Lépine (1846 – 1933) führte am 14. August 1893, heute vor 125 Jahren, gleich vier Neuerungen in der Welt des Automobils ein: die Fahrprüfung, den Führerschein, ausgewiesene Parkflächen und Parkverbote sowie verpflichtende Autokennzeichen für jedes Automobil. Unter dieser Fahrprüfung muss man sich anfangs natürlich keineswegs unser heutiges, ausgeklügeltes System aus Theorie- und Praxisteil mit Pflichtstunden vorstellen. Es reichte, sein Vehikel fahrbereit zu machen, zum Laufen zu bringen und anschließend unfallfrei damit ein paar Meter absolvieren zu können.

Deutschland hinkte bei der Verkehrssicherheit hinterher

Überhaupt brachte das Organisationstalent Lépine dem Stadt- und Polizeiwesen in unruhigen Zeiten einen Innovationsschub. Er führte rund um die Uhr besetzte Kommissariate ein, Rettungshunde, Wasser- und Fahrradstaffeln. Er ließ 500 Notruftelefone für Feuerwehr und Polizei installieren, etablierte Fußgängerüberwege, Kreisverkehre und Einbahnstraßen. Kurz: Autoritär arbeitete er an einer echten Verbesserung des zuvor durchaus miesen Vertrauensverhältnisses zwischen Bürgern und Polizei. „Der kleine Mann mit dem großen Knüppel“ wurde er genannt – wegen seiner Fähigkeit, ganze Menschenmassen im Zaum zu halten und zu regulieren.

Deutschland, obwohl es mit Carl Benz, Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach oder Rudolf Diesel die ersten Autoingenieure in seinen Reihen hatte, hinkte in puncto Verkehrsdichte und -schulung deutlich hinterher. Zwar gab es nach Fällen von Fahrerflucht in einzelnen Orten bereits in den 1870er bis 90er Jahren Kennzeichen – für Fahrräder. Doch erst 1904 eröffnete die erste Fahrschule für Automobile; und ab Oktober 1907 gab es in Deutschland einheitliche Kennzeichen für Kraftfahrzeuge, in Bayern seit 1899. Ab 1909 dann war der Führerschein im ganzen Reich wenn nicht die erste, so doch immerhin eine Bürgerpflicht. (kna)

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