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Frankreich
29.11.2021

Josephine Baker ist jetzt die erste schwarze Künstlerin im Panthéon

Josephine Baker 1957 während eines Auftritts.
Foto: AP Photo File/dpa

Femme fatale Josephine Baker bekommt ein Ehrengrab neben Marie und Pierre Curie und anderen Berühmtheiten.

Ihre Karriere als Sexsymbol begann ungewöhnlich, nämlich mit Grimassenschneiderei. Sie zog erst ein Bananenröckchen an und später die Uniform der französischen Luftwaffe. Als schwarzer Superstar stellte sie ihren Ruhm in den Dienst des Kampfes gegen Rassentrennung und für die französische Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg. Nebenbei adoptierte sie noch zwölf Kinder verschiedenster Nationalitäten und Religionen und lebte mit ihrem bunten „Regenbogen-Stamm“, wie sie ihn nannte, die Utopie einer liebevollen Solidargemeinschaft ungeachtet der Hautfarbe: Josephine Baker.

Für ihr außergewöhnliches Leben und Engagement wird ihr posthum eine seltene Ehre zuteil: Genau 84 Jahre, nachdem sie durch die Heirat mit dem Industriellen Jean Lion die französische Staatsbürgerschaft erworben hatte, tritt die gebürtige Amerikanerin an diesem Dienstag in die Pariser Ruhmeshalle Panthéon ein. Dort liegen 75 Männer und fünf Frauen, darunter Berühmtheiten wie der Schriftsteller Émile Zola und das Forscher-Ehepaar Marie und Pierre Curie. Baker kommt als sechste Frau, erste Schwarze und erste Bühnenkünstlerin dazu.

Die französisch-amerikanische Tänzerin und Sängerin Josephine Baker (1973).
Foto: Manfred Rehm/dpa

Entschieden hat dies Präsident Emmanuel Macron – nicht nur aufgrund ihres Erfolgs als Variete-Künstlerin, versichert der Élysée-Palast, sondern weil Josephine Baker „während ihres ganzen Lebens die Werte der Aufklärung der französischen Republik und die damit einhergehende Öffnung zur Welt verkörpert“ habe.

Josephine Baker hatte sogar den Pilotenschein

Geboren 1906 und aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in St. Louis, Missouri, arbeitete Freda Josephine McDonald als Teenager als Dienstmädchen, heiratete mit 13 ein erstes und mit 14 ein zweites Mal – von ihrem zweiten Mann Willie Baker behielt sie ihren Nachnamen. Früh zog es sie ins Rampenlicht, auf die Bühne des Broadway. Durch ihre clownhaften Auftritte machte sie auf sich aufmerksam und nutzte 1925 die Chance, nach Paris zu kommen, um bei einer Show aufzutreten, deren Name heute mindestens fragwürdig ist: „La Revue Nègre“. Dort zog sie das Publikum als sinnlich-provozierende Wilde in ihren Bann, spielte bald auch in Kinofilmen mit und trat als Sängerin auf.

Ab 1939 arbeitete sie, die den Pilotenschein gemacht hatte, für das Rote Kreuz und als Agentin für die Résistance, sammelte Informationen und schmuggelte diese in ihrem BH oder in ihren Partituren, die mit Geheimtinte beschrieben waren. „Die Zöllner baten mich um Autogramme, anstatt meine Papiere genau anzusehen“, erzählte sie später. Nach dem Zweiten Weltkrieg widmete sich Josephine Baker dem Kampf gegen Rassismus in den USA und sprach beim „Marsch auf Washington“ vor Martin Luther Kings legendärer „Ich habe einen Traum“-Rede zur begeisterten Menschenmenge. Ihre Wahlheimat aber blieb Frankreich, wo sie in ihrem Schloss in der südwestfranzösischen Dordogne mit den zwölf Kindern lebte, die sie mit ihrem vierten Ehemann, dem Orchesterleiter Jo Bouillon, adoptiert hatte.

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Als ihr kostspieliger Lebensstil sie an den Rand des Ruins brachte, half Brigitte Bardot Josephine Baker, indem sie einen Spendenaufruf für sie startete. Auch Fürstin Gracia Patricia von Monaco wurde zu einer ihrer engsten Vertrauten. In Monaco befindet sich seit ihrem Tod 1975 infolge einer Gehirnblutung auch das Grab Josephine Bakers; sie wurde 68 Jahre alt. Auf Wunsch der Familie bleibt es dort, während sie im Panthéon ein Ehrengrab bekommt. Anlässlich der feierlichen Zeremonie am Dienstag werden Videos an die Fassade des Ruhmestempels projiziert, um die Pariser an dieses einzigartige Leben zu erinnern.

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