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Frankreich
10.08.2021

Mord an Priester Olivier M. schockiert Frankreich

Polizeifahrzeuge am Tatort in Saint-Laurent-sur-Sèvre: Hier soll ein 40-Jähriger Mann aus Ruanda einen Geistlichen getötet haben. Es ist die dritte Tat im Kirchenmilieu seit 2016.
Foto: S. Salom-Gomis, dpa

Vor einem Jahr hat Emmanuel A. in der Kathedrale von Nantes Feuer gelegt. Jetzt tötet er einen Geistlichen. Es ist der dritte Mord im Kirchen-Milieu.

Am Tag danach ist ein Porträtfoto von Olivier M. auf der Titelseite der Tageszeitung Le Parisien abgebildet. Der katholische Priester mit dem grauen Vollbart und der diskreten Brille zeigt darauf ein freundliches Lächeln. „Fassungslosigkeit und Wut“ steht in weißen Lettern auf schwarzem Grund über dem Foto. Im Inneren der Zeitung wird der 60-jährige Olivier M. von seinem Umfeld als kultivierter, mildtätiger und großzügiger Mann beschrieben. Eben seine Großzügigkeit, heißt es weiter, habe ihn das Leben gekostet: Ein 40-jähriger Mann aus Ruanda, den M. in seiner Missionsbruderschaft im westfranzösischen Saint-Laurent-sur-Sèvre beherbergt hatte, soll diesen mit Schlägen auf den Kopf getötet haben.

Am Montagmorgen war der mutmaßliche Täter Emmanuel A. auf der Polizeiwache eines Nachbarorts erschienen, gestand seine Tat und bat um seine Verhaftung. Nach einer ersten Befragung wurde er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

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A. ist für die französische Polizei und Justiz kein Unbekannter. Im Juli 2020 hatte er gestanden, Feuer in der Kathedrale von Nantes gelegt zu haben, wo er bis dahin als Gemeindediener aktiv gewesen war. Menschen kamen nicht zu Schaden, aber das Bauwerk wurde stark beschädigt. Mehrere Monate verbrachte A. in Untersuchungshaft, bis er am 31. Mai unter Auflagen freikam. So durfte er Frankreich nicht verlassen und musste zweimal monatlich auf der Polizeiwache erscheinen.

So sah es nach der Brandstiftung 2020 in der Kathedrale aus.
Foto: S. Salom-Gomis, dpa

In der von Olivier M. geleiteten Gemeinde der Montfort-Missionare von Saint-Laurent-sur-Sèvre, gut 70 Kilometer südöstlich von Nantes, kam er unter, während er auf seinen Prozess wartete. Allerdings informierte der Priester schließlich am 20. Juni die Polizei darüber, dass sein Schützling die Unterkunft verlassen wolle. A. verbrachte daraufhin einen Monat in einer psychiatrischen Klinik.

In Ruanda, wo er den Genozid und Bürgerkrieg miterlebt hatte, war er Polizist gewesen, bevor er 2012 illegal nach Frankreich einreiste. Mehrere Asylanträge wurden dort abgelehnt, 2019 erhielt er einen Abschiebe-Bescheid. Doch er legte Widerspruch ein und wurde dabei von Mitgliedern der Kirchengemeinde in Nantes unterstützt. 2016 begleitete er sie zu einer Reise nach Rom und traf Papst Franziskus.

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Umso größer ist nun die Bestürzung über den neuerlichen Mord an einem Geistlichen durch einen Mann, dem man doch zu helfen versucht hatte, der als ruhig und höflich, aber psychisch labil galt. 2016 war ein katholischer Priester während einer Messe in Saint-Étienne-du-Rouvray in der Normandie von zwei Männern ermordet worden, der selbst ernannte Islamische Staat bekannte sich dazu. Und erst im Oktober 2020 tötete ein Extremist einen Messdiener und zwei Gläubige in einer katholischen Kirche in Nizza.

Von einem terroristischen Hintergrund gehen die Ermittler diesmal nicht aus. Vorwürfe an die Regierung wurden trotzdem laut. „Was hatte diese Person noch in Frankreich zu suchen?“, fragte der republikanische Abgeordnete Bruno Retailleau. „In Frankreich kann man sich also illegal aufhalten, die Kathedrale von Nantes anzünden, nie abgeschoben werden und rückfällig werden, indem man einen Priester ermordet“, twitterte Rechtspopulistin Marine Le Pen. Innenminister Gérald Darmanin wies die Kritik zurück: Da A. sich unter richterlicher Aufsicht befand, konnte er nicht ausgewiesen werden. Le Pen suche Polemik, „ohne die Fakten zu kennen“. Ein Angriff auf einen Geistlichen, sagte Darmanin, sei „ein Angriff auf die Seele Frankreichs“.

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