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Genua, Morandi-Brücke
16.08.2018

Einsturz von Brücke in Genua: Italien stellt die Schuld-Frage, auch Deutschland diskutiert

Auf einem Teilstück von etwa 100 Metern ist am Dienstag die Morandi-Brücke über Genua eingestürzt.
Foto: Antonio Calanni, dpa

Nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua sucht man in Italien die Schuldigen. In Deutschland wird derweil über die Stabilität der Brücken diskutiert.

Am zweiten Tag nach dem verheerenden Brücken-Einsturz in Genua mit rund 40 Toten schwindet die Hoffnung, noch Überlebende zu finden. "Leider ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich unter den Trümmern weitere Opfer befinden, sehr hoch", sagte der italienische Innenminister und Vize-Regierungschef Matteo Salvini am Mittwochabend dem Fernsehsender La7

"Es war schockierend", sagt Ex-Fußballprofi Davide Capello im Krankenhaus mehrfach über den Brückeneinsturz in Genua.

Nach Brücken-Einsturz mit 39 Toten in Genua: Suche nach den Schuldigen

Für die 39 offiziell bestätigten Toten soll es am Samstag ein Begräbnis geben, erklärte Regierungschef Giuseppe Conte auf Facebook. Für den Tag soll auch eine Staatstrauer gelten. Die Staatsanwaltschaft hatte die Zahl der Toten am Mittwoch sogar mit 42 beziffert. Unter den Opfern sind mindestens drei Minderjährige im Alter von 8, 12 und 13 Jahren. 15 Menschen sind der Präfektur zufolge verletzt, neun von ihnen befinden sich in einem kritischen Zustand. Wie viele Menschen noch vermisst werden, ist unklar. 

Die Morandi-Brücke ist seit langem umstritten. Regierungsmitglieder machten den privaten Betreiber der Autobahn für die Katastrophe verantwortlich und wollen ihm die Lizenz entziehen. Conte erklärte, es sei die Justiz, die die Verantwortlichkeiten klären müsse. "Aber unsere Regierung kann nicht weiter warten." Deswegen seien diese Schritte eingeleitet worden.

Ist der Einsturz einer Brücke wie in Genau auch in Deutschland möglich?

In Deutschland gibt es nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen rund 39.600 Brücken an Autobahnen und anderen Fernstraßen. Verkehrsexperten kritisieren seit Langem, dass ein Großteil der Brücken des Bundes mindestens 40 Jahre alt und daher in einem schlechten Zustand ist. Nach aktuellen Zahlen des Bundesverkehrsministeriums befinden sich 12,2 Prozent der Brücken in einem "nicht ausreichenden beziehungsweise ungenügenden Bauwerkszustand" - das heißt, gut jede achte Brücke ist marode.

"Unsere Brücken verrotten gefährlich, ein Einsturzrisiko kann inzwischen nicht mehr ausgeschlossen werden", sagte der Architekt Richard Dietrich den Zeitungen des Redaktionsnetzwerk Deutschland vom Mittwoch. Der Bauingenieur Manfred Curbach betonte im Deutschlandfunk, Brücken würden hierzulande "ständig überwacht".

Dietrich machte vor allem den dominierenden Werkstoff Beton für Probleme verantwortlich. Schäden an Brücken würden dadurch erst spät sichtbar. "Wenn der Beton Risse hat, durch die Feuchtigkeit eindringt, löst sich irgendwann der Zement auf, dadurch rostet die freigelegte Stahlbewehrung", sagte er. "Spätestens dann leidet die Stabilität." Dietrich plädierte für die Rückkehr zu Stahlbrücken.

15.08.2018, Italien, Genua: Blick auf die am Vortag eingestürzte Autobahnbrücke Morandi. Foto: Antonio Calanni/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Das Unglück von Genua
Foto: Antonio Calanni

Scheuer: Dramatisierung nach Einsturz in Genua, deutsche Brücken nicht marode

Verkehrsminister Andreas Scheuer dagegen warnte vor einer Dramatisierung: "Wir haben wieder eine sehr typisch deutsche Diskussion - was in Deutschland als marode oder nicht ausreichend gilt, ist anderswo in einem guten Zustand eingestuft", sagte Scheuer am Mittwoch im Sender NTV. Ein Experte hatte zuvor gewarnt, dass deutsche Brücken "verrotten".

Scheuer verwies auf aufwendige Überwachungsmechanismen. Es gebe durchaus Sanierungsfälle, auch unter den großen Brücken, betonte der Minister. Ein Beispiel sei die Rheinbrücke bei Leverkusen. Das mehr als 50 Jahre alte Bauwerk ist wegen seines schlechten Zustands für Lastwagen inzwischen gesperrt, ein Neubau ist in Arbeit. Derartige Einschränkungen sorgten für "Verärgerungen", ergänzte er. "Aber trotzdem haben wir unsere Brücken im Griff." (AZ/dpa/AFP)

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