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Glauben
10.07.2020

Kaum Neuweihen: Der katholischen Kirche gehen die Priester aus

Welche Auswirkungen hat der Priestermangel für die katholische Kirche? ZdK-Chef Thomas Sternberg warnt vor eine Katastrophe.
Foto: Hartmann, dpa (Symbol)

Exklusiv Die Zahl der Neuweihen sinkt immer weiter. Der Präsident der Laienorganisation ZdK warnt vor einer Katastrophe. Was der Augsburger Bischof sagt.

Auch im Jahr 2020 wird die Zahl der neugeweihten katholischen Priester in Deutschland überaus niedrig bleiben. Nachdem 2019 die Zahl der Neuweihen von sogenannten Weltpriestern mit 55 einen historischen Tiefstand erreicht hatte, liegt sie dieses Jahr voraussichtlich bei 57. 1962 waren es mit 557 noch knapp zehn Mal so viele neugeweihte Priester, die nicht einem Orden angehören. Das hat eine Umfrage unserer Redaktion in allen 27 deutschen (Erz-)Bistümern ergeben.

Für Thomas Sternberg, den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), ist die Entwicklung alarmierend. "Im vergangenen Jahr kam auf elf ausscheidende Priester eine Neuweihe. Wenn man das weiterrechnet, sieht man, in welche Katastrophe das münden wird", sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. "Wir bräuchten 200 oder 300 Priesterneuweihen jedes Jahr – doch davon sind wir ganz weit entfernt."

Thomas Sternberg: "Wir bräuchten 200 oder 300 Priesterneuweihen jedes Jahr"

Tatsächlich lag die Zahl der Neuweihen zuletzt im Jahr 1994 bei über 200. Sternberg, der für das höchste Laiengremium der katholischen Kirche in Deutschland spricht, fordert daher, die Zugangsbedingungen zum Priesteramt zu ändern: "Wir brauchen viri probati, wir brauchen auf Dauer auch das Frauenpriestertum und der Beruf selbst muss wieder attraktiver werden." Viri probati sind bewährte, verheiratete Männer, denen grundsätzlich in Deutschland die Priesterweihe ermöglicht werden solle.

Der Augsburger Bischof Bertram Meier sagte unserer Redaktion mit Blick auf die in den vergangenen Jahren massiv gesunkene Zahl an Neuweihen: "Berufungen lassen sich nicht machen." Aber glaubwürdige Vorbilder und Berufungskümmerer in den Gemeinden könnten helfen, dass sich junge Menschen für diesen Beruf wieder mehr interessieren. "Wir müssen den Mut haben, unaufdringlich und doch gezielt junge Menschen anzusprechen." Von einer Katastrophe will Meier nicht sprechen. Er verwies auf die Kirchengeschichte, in der es immer schon Phasen gegeben habe, "in denen die Kirche angezählt wurde. Doch Totgesagte leben am längsten".

Bischof Meier: "Wir müssen den Mut haben, gezielt junge Menschen anzusprechen" 

Bis Ende Juni gab es bundesweit 25 Weihen von Weltpriestern, drei davon im Bistum Augsburg. Wegen der Corona-Pandemie müssen in diesem Jahr aber viele verschoben werden. Im Bistum Würzburg etwa wurde die einzige Neuweihe eines Priesters in den Oktober gelegt. Andere (Erz-)Bistümer – darunter Freiburg, Fulda, Mainz, Paderborn und Osnabrück – handhaben es genauso und planen mit Terminen im Herbst. Voraussichtlich gar keine Priesterweihe wird es in diesem Jahr in den Bistümern Aachen, Erfurt, Görlitz und Hildesheim geben.

Bischof Bertram Meier bei der Priesterweihe 2020.
Foto: Annette Zoepf (Archiv)

Für einen außergewöhnlichen Weg in Corona-Zeiten hat sich Gebhard Fürst entschieden: Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart begab sich Ende Juni zusammen mit acht Diakonen, die zu Priestern geweiht werden wollen, in eine 14-tägige Quarantäne in ein Kloster. An diesem Samstag und Sonntag wird er die Priesteramtskandidaten nun weihen. Seine Entscheidung begründete Bischof Fürst damit, dass er den Weihegottesdienst "möglichst würdevoll feiern" und zugleich ein Signal geben möchte, "dass beim Infektionsschutz die geltenden Regeln für Gottesdienste eingehalten werden". Eine Verschiebung kam für ihn offensichtlich nicht infrage.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Bischof Bertram Meier: "Berufungen lassen sich nicht machen"

Lesen Sie dazu außerdem unseren Kommentar: Kirche braucht mehr Miteinander

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