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Interview

01.04.2011

Hannes Jaenicke: Der unbequeme Schauspieler

Hannes Jaenicke setzt sich für bedrohte Tiere ein (Foto: ZDF/Martina Scheingraber)
Bild: dpa

Hannes Jaenicke spielt im Film „Die Minensucherin“ einen hartgesottenen Profi. Vor allem liegt ihm die Umwelt am Herzen. Ein Gespräch über das Sicheinmischen und über die Rockmusik von Neil Young.

Das Thema ist ein wenig aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Die Freiheitsbewegung in Nordafrika, die Atomkatastrophe in Japan und deren Folgen für die deutsche Politik stehen im Mittelpunkt der Diskussionen. Da wird fast vergessen, dass mehr als 100 000 Menschen in Angola mit Verletzungen und Verstümmelungen leben, verursacht durch Landminen – schreckliche Überreste des 2002 beendeten Bürgerkrieges.

Um auf die anhaltende Gefahr von Minen und Blindgängern aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen den 4. April zum „Tag der Minenaufklärung“ gemacht. Zu diesem Anlass zeigt das ZDF nun das Drama „Die Minensucherin“ (Montag, 20.15 Uhr).

Hannes Jaenicke spielt in dem Drama einen Minenexperten, der gutwillige Helfer ausbildet, darunter die idealistische Lehrerin Nina Schneider (Christine Neubauer).

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Wir sprachen mit dem Schauspieler Hannes Jaenicke.

Diese Rolle in einem Film, der das Thema Landminen aufgreift, müsste Ihnen gefallen haben. Sie sind ja als kritischer Kopf bekannt.

Jaenicke: Allein in Angola liegen noch drei Millionen Landminen, auf die jeden Tag Kinder und Bauern treten können. Das ist ein Wahnsinn. Ich denke, da haben die Länder einiges gutzumachen, die so was verkauft haben. Das war auch ein Grund für mich, in dem Film mitzumachen.

Was haben Sie vor den Filmarbeiten über Landminen gewusst?

Jaenicke:   Nicht   viel.   Aber  ich  habe einiges gelernt. Man macht sich keine Vorstellung, welch anstrengende Arbeit Minensuche ist. Wir hatten einen englischen Experten dabei, der uns sehr geholfen hat. Für mich war das absolutes Neuland.

Man sagt ja, dass im Fernsehen ein gut gemachter Unterhaltungsfilm unter Umständen ein größeres Bewusstsein für ein Problem schafft als jede noch so gut gemeinte Reportage. Als Beispiel mag die amerikanische „Holocaust“-Serie gelten.

Jaenicke: Ich denke, dass die Entscheidung für „Die Minensucherin“ als Film richtig war. Es gibt viele Dokumentationen über Landminen, aber damit erreicht man kein größeres Publikum. Ich fand es auch gut, die Rolle der engagierten Minensucherin Christine Neubauer zu geben. Man kennt sie hauptsächlich aus Liebesfilmen, aber gerade deshalb war es klug, sie einmal ganz anders zu besetzen.

Man braucht also eine spannende Geschichte mit populären Gesichtern, um auf Probleme aufmerksam zu machen?

Jaenicke: Ich habe das ja mit meinen Dokus über die Umweltzerstörung und die bedrohte Tierwelt gemerkt, da bekommen Sie vielleicht drei Millionen Zuschauer. Ein ZDF-Film um 20.15 Uhr aber kann sechs bis sieben Millionen erreichen.

Wo haben Sie „Die Minensucherin“ gedreht? In Angola stellt man sich das schwierig vor.

Jaenicke: Wir haben in Namibia gefilmt. Das war von der Infrastruktur und der Logistik her einfacher und die Gegend sah der Landschaft Angolas sehr ähnlich. Angola ist nach wie vor stark vermint. Das Land leidet immer noch.

Es spielen verkrüppelte Kinder mit. Waren das Landminenopfer?

Jaenicke: Ein schwieriges Thema. Aber es waren definitiv keine Landminenopfer aus Angola. Bei dem Buben etwa, dem das Bein fehlt, war es ein Fahrradunfall. Die Kinder haben gerne mitgemacht und es waren aufgeweckte Kinder. Grundsätzlich haben wir da eine Schuld zu begleichen. Ist nicht Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur?

Man rechnet ja mit einer Romanze zwischen dem leicht zynischen Landminenexperten Mason und der von Christine Neubauer gespielten Nina Schneider.

Jaenicke: Ich finde es hervorragend, dass der Film auf das erwartete Techtelmechtel Jaenicke/Neubauer eben nicht reinfällt. So gesehen war das ein gescheites Drehbuch.

Der Schauspieler als Reporter. Sie haben in der ZDF-Reihe „Im Einsatz“ sehr engagiert und investigativ über bedrohte Tiere berichtet. Über Orang-Utans, Eisbären und Haie.

Jaenicke: Und die letzte Reportage hat sich dann mit Gorillas beschäftigt. Ich hatte ein gutes Team: Judith Adlhoch als Regisseurin und ihren Mann, den Kameramann Markus Strobel. Dann hat das ZDF bedauerlicherweise die Reihe eingestellt. Es waren fünf Folgen geplant, es wurden nur vier. Die Gründe kenne ich nicht. Ja, ich bin ein naiver Aktivist, und dort sind kühle Rechner.

Wie waren denn Ihre Erfahrungen mit den Eisbären? Spätestens seit Knut sind die Deutschen ja große Fans der Tiere. Wie geht es denen in der freien Wildnis, gerade angesichts des Klimawandels?

Jaenicke: Wir haben in Kanada monatelang am südlichen Zipfel der Hudson Bay gedreht. Da kommen die Eisbären im September hin, um auf das Eis zu warten. Allerdings dauerte es weitere zwei Monate, bis das Eis kam. Die Polschmelze ist nicht mehr zu leugnen. Den Eisbären wird es in 40, 50 Jahren wild nicht mehr geben. Das mag sentimental klingen, ich finde es traurig.

Stört Sie das Bild vom Kuschel-Eisbären?

Jaenicke: Darum geht es nicht. Jeder Mensch hat eine Affinität zur Natur. Das weiß er nur nicht, weil sein Konsumverhalten die Natur zerstört. Da müsste man ansetzen. Wenn ich sehe, welche Autos manche Männer haben müssen ...

Das PS-starke Auto ist noch immer begehrt. Wie sehen Sie das?

Jaenicke: Ich verstehe nicht, warum manche Männer glauben, mit einem PS-starken Auto ihr Ego aufmotzen zu müssen.

Männer, Autos und Musik. Wann haben Sie zum letzten Mal Neil Young gehört?

Jaenicke: Im Konzert war es Juni 2009 in der Münchner Olympiahalle. Das war großartig.

Ja, ich saß hinter Ihnen. Was gibt Ihnen der Musiker?

Jaenicke: Neil Young ist für mich der Großvater der alternativen Rockmusik. Ich bin mit Neil Young groß geworden und mit Crosby, Stills & Nash. Da kam ich gerade in das plattenkauffähige Alter. Und sie waren politisch, genauso wie es Bruce Springsteen noch heute ist. Das gefällt mir.

Interview: Rupert Huber

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