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Heute im TV
15.06.2016

"Bis ans Ende der Welt": In diesem Wim-Wender-Film verfolgt jeder jeden

Solveig Dommartin als Claire Tourneur in dem Film "Bis ans ende der Welt" von Wim Wenders. Der Spielfilm läuft am 15. Juni auf Arte.
Foto: ZDF/Arte/Wim Wenders Stiftung/dpa

Ein ziemlich langer Spielfilm beschreibt die kaum enden wollende Reise einer Frau. Und ihre Begegnung mit kriminellen Zeitgenossen. Die Kritik zum Arte-Film "Bis ans Ende der Welt".

Da, wo man gerade ist, gefällt es einem manchmal nicht mehr. Vielleicht auch deshalb, weil plötzlich merkwürdige Dinge passieren, und manches dann aus dem Ruder läuft. So ist es auch in dem Spielfilm "Bis ans Ende der Welt", der an diesem Mittwoch (22.30 Uhr) auf Arte zu sehen ist. Bankräuber, eine Kamera für Blinde und ein drohender Satellitenabsturz sind nur einige Besonderheiten des Plots.

"Bis ans Ende der Welt" auf Arte: Claire auf der Flucht

Im Mittelpunkt der Handlung, die um die letzte Jahrtausendwende spielt, steht die Französin Claire Tourneur (Solveig Dommartin). Sie kollidiert in ihrem Wagen bei einem Autounfall mit zwei Ganoven, die eine Bank in Nizza ausgeraubt haben. Claire darf einen Teil der Beute behalten, wenn sie diese nach Paris bringt. Das macht sie auch, und zwar zu ihrem ehemaligen Liebhaber Eugene Fitzpatrick (Sam Neill). Dort versteckt sie das Geld, verschwindet und wird prompt von ihm und dem Detektiv Phillipp Winter (Rüdiger Vogler) verfolgt - Eugene liebt sie noch immer.

Unterwegs lernt Claire dann Trevor McPhee (William Hurt) kennen, der in Wahrheit Sam Farber heißt und dem habgierige Bösewichte im Auftrag der US-Regierung auf den Fersen sind. Sam besitzt eine begehrte Spezialkamera für Blinde. Das Patent dafür stammt von seinem Vater Henry (Max von Sydow), und der will mit Hilfe dieser Kamera die aufgezeichneten Bilder seiner Familie direkt in das Sehzentrum seiner blinden und todkranken Gattin Edith (Jeanne Moreau) einscannen. Um das ganze noch verwirrender zu machen, droht der Absturz eines Satelliten samt der atomaren Verwüstung der Erde.

Film "Bis ans Ende der Welt" dauert vier Stunden

Damit ist das Geschehen in diesem Film nur sehr grob wiedergegeben. Dafür ist der Spielfilm umso länger - er dauert viereinhalb Stunden. Heutzutage würde man daraus wohl eine Mini-Serie machen. Die Dreharbeiten fanden von April 1990 bis Anfang 1991 statt, der Film kam im Herbst 1991 mit einer gut dreistündigen Fassung ins Kino. 1994 entstand der Director's Cut von mehr als viereinhalb Stunden Länge, den Arte am Mittwoch zeigt. Und 2014 fand eine aufwändige digitale Bearbeitung des Filmes statt, der auf Super 35 mm Eastmancolor gedreht worden war. Das Budget der Produktion lag einst bei über 20 Millionen Dollar. 

Das Road Movie mit Endzeitstimmung erfüllte allerdings nicht die kommerziellen Erwartungen, und wohl auch nicht die der Zuschauer. Zu komplex ist die Handlung, zu vielschichtig sind die Figuren. Es geht um aktuelle und verschmähte Liebschaften, üble Geschäfte und die Folgen einer unkontrollierbaren Technik. Diese Themen wirken allerdings durchaus aktuell. Wer mag, kann in Claires Reise auch eine moderne Odyssee samt Anlehnungen an den antiken Mythos erkennen.

Sam Neill (l) als Eugene und Rüdiger Vogler als Phillip Winter in dem Film "Bis ans ende der Welt".
Foto: ZDF/Arte/Wim Wenders Stiftung/dpa

Wim Wenders' Film ist langatmig, aber wohltuend

Den Fernseher ausmachen sollte man trotz später Stunde nicht zu früh. Der Film des Regisseurs Wim Wenders (heute 70) ist sicher langatmig. Im Zentrum steht für ihn die Frage, ob Filmsprache nurmehr über Bilder statt über Worte stattfindet. Die Handlung ist wohltuend langsam erzählt - die Erzählstimme von Eugene hilft so manch verwirrtem Zuschauer sicher, das Durcheinander einzuordnen.

Die epischen Bilder von Kameramann Robby Müller sind größtenteils schön ruhig, was angesichts der heutigen Bilderflut im Sekundentakt die reinste Wohltat ist. Der Soundtrack ist schlichtweg genial, man hört etwa die Musik von REM, Nick Cave and the Bad Seeds, Talking Heads, U2, Patti Smith und Depeche Mode. Zudem gibt es einige schöne (Stadt-)Landschaften zu betrachten: Moskau, Wladiwostok, Tokio, San Francisco, Portugal, Paris, Venedig, Berlin und der australische Busch. Und am Ende kann Claire ihren 30. Geburtstag im Weltall feiern - das ist nun wirklich das Ende der Welt. dpa

"Bis ans Ende der Welt" läuft am Mittwoch, 15. Juni, um 22.30 Uhr auf Arte.

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