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"Ich liebe mein Kind, aber…"

08.05.2015

„Ich konnte mit ihnen von Anfang an nichts anfangen“

Mutter von zwei Grundschülern und einem Teenager, 38, verheiratete Angestellte aus Augsburg.

Mit der Erfahrung, die ich heute habe, würde ich nicht nochmal Kinder kriegen. Ich merke einfach, dass ich nicht bereit bin, die Einschränkungen hinzunehmen und meine Bedürfnisse hinter denen der Kinder anzustellen. Das fällt mir so schwer. Wenn man das sagt, dann heißt es, „das hättest du dir vorher überlegen sollen“ – das kann man aber nicht. Oder man wird als Egoist abgestempelt. Und die Leute sagen auch: „Aber es ist doch schön, wenn du sie anlächelst und sie lächeln zurück.“ Das ist nicht schön. Das gibt mir gar nichts. Ich möchte wieder mein Leben leben.

Natürlich versorge ich meine Kinder, mache die Pflicht, ich bin für sie da, gebe ihnen das liebevolle Zuhause, das sie verdient haben, aber ich bin froh, wenn sie ausgezogen sind. Ich schaue mit Neid auf meine Freundinnen. Die sich bewusst gegen Kinder entschieden haben. Warum? Ich bin sportlich sehr aktiv und muss da viel auf die Kinder verzichten. Finanziell sind wir auch total eingeschränkt. Fahren Sie mal mit fünf Personen in den Urlaub. Weiterbildungsmäßig konnte ich auch nicht viel machen. Ich war immer ein Jahr Zuhause und arbeitete dann Teilzeit, was durch den Schichtdienst aber nicht so einfach war. 

Ich bin auch nicht die Mutter, die sich mit Kindern auf den Boden setzt und spielt. Ich empfinde auch nicht die tiefe Genugtuung  und keine Glückseligkeit, Kinder zu haben. Mein erstes Kind war ein Unfall. Mein Mann wollte immer noch ein Kind und noch ein Kind haben. Ich habe mich davon überfahren lassen. Für ihn hat sich nicht viel geändert. Für einen Mann ist es leicht zu sagen, Kinderhaben ist schön, wenn sie morgens zur Arbeit gehen und abends nach Hause kommen und alles ist gemacht. Er hat seine Karriere weitergemacht, hat Lob und Anerkennung bekommen von anderen Kollegen. „Du bist toll, du hast drei Kinder.“ Ich habe mich um die Kinder und den Haushalt gekümmert. Ich bin eine Alleinerziehende ohne Geldsorgen. Wie ich über meine Mutterrolle denke, habe ich meinem Mann nicht gesagt. Das würde auf totales Unverständnis treffen. Meiner Mutter gegenüber habe ich das mal erwähnt. Sie sagte: „Oh Gott Kind, such dir einen guten Therapeuten. Das muss therapiert werden.“

Ich dachte, da läuft etwas schief. Ich hatte Schuldgefühle. Nun habe ich gesehen, es gibt auch andere Betroffene. Das tut gut, das zu wissen. In unserer Gesellschaft gehört es sich nicht, so etwas zu sagen. Es ist vorgegeben, dass man Kinder kriegt, es ist verpönt, keine zu haben. Die Gesellschaft will, dass man mit Kindern glücklich ist. Es wird viel schön geredet – Ehe immer schön, Kinder immer schön, aber …  Probleme gibt es nicht. Über alles wird der Deckmantel der Harmonie gelegt. Männer kriegen oft nicht mit, was ist. Mein Mann kannte nicht mal den Namen des Kinderarztes. Ich habe jeden Tag fünf Terminkalender im Kopf und bin den ganzen Tag am Springen.

So habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Es kann mir keine Frau der Welt sagen: „Ja, so ist es, das ist das pure Glück.“  Das ist kein schönes Leben, es macht keinen Spaß. Ich funktioniere nur in der Rolle, in die ich durch die Kinder gepresst werde. Woher soll man das alles wissen, was auf einen zukommt? Es ist ein Riesenunterschied, ob man ein, zwei oder drei Kinder hat. Oder kann man sich vorstellen, wie es ist, wenn ein Säugling die ganze Nacht schreit? Mir fehlt das Muttergen, das Aufgehen in der Mutterrolle. Das hatte ich nicht. Natürlich liebe ich meine Kinder. Aber ganz überspitzt gesagt: Ich konnte mit ihnen von Anfang an nichts anfangen. 

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