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Illegaler Tierhandel
28.03.2021

Haustier-Wunsch im Lockdown kurbelt das Geschäft mit Wühltisch-Welpen an

Jede Woche stoppt die Polizei illegale Welpentransporte. Auch im Kreis Donau-Ries wurden Mitte März geschmuggelte Welpen beschlagnahmt und ins Tierheim nach Nördlingen gebracht.
Foto: Manuela Kaußen

Im Lockdown schaffen sich viele ein Haustier an. Doch wer Hunde über das Internet kauft, unterstützt Tierleid – und möglicherweise auch illegalen Handel.

118 treue Augenpaare schauen aus dem Computerbildschirm. Wer sich nach einem neuen Haustier umschauen möchte, wird in Augsburg und in einem Umkreis von 50 Kilometern auf verschiedenen Kleinanzeigenseiten im Internet fündig. Besonders in der Rubrik „Hunde“ wimmelt es nur so von Angeboten. Wem „Otto der kleine süße Schatz“ nicht zusagt, bekommt gleich eine „kleine Prinzessin“ vorgeschlagen – auch für jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Zwischen 300 und 3000 Euro kostet aktuell ein Welpe auf einer Kleinanzeigenseite im Netz. Doch wie sicher ist so ein Kauf?

„Jeder, der Tiere über das Internet kauft, macht sich mitverantwortlich an deren Leid und Tod“

Wenn es nach Tierschützern geht, ist der Kauf über das Internet weder sicher, noch moralisch vertretbar. Im Gegenteil: „Jeder, der Tiere über das Internet kauft, macht sich mitverantwortlich an deren Leid und Tod“, sagt Romy Zeller, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Denn wer ein Tier online kauft, unterstützt dabei – auch ohne es zu wissen – den illegalen Welpenhandel. Dieser erlebt durch die Corona-Krise einen Aufschwung. Fast täglich erreichen den Deutschen Tierschutzbund Anrufe von Menschen, die Hunde online gekauft haben und erst im Nachhinein feststellen, dass ihnen weder Kaufvertrag noch Papiere vorliegen oder der Welpe krank ist. Die Tierheime kämpfen deswegen akut mit den Folgen, berichtet der Tierschutzbund.

Auch in der Region floriert der illegale Welpenschmuggel

Auch in der Region werden immer häufiger illegale Tierschmuggler aufgehalten: Vier Welpen wurden kürzlich aus einem dreckigen Transporter in Günzburg gerettet, auf der A8 bei Ulm beschlagnahmte der Zoll im August vergangenen Jahres 94 Hundewelpen und drei Katzenbabys. Auch das Nördlinger Tierheim im Landkreis Donau-Ries nahm Mitte März sechs Hundewelpen auf, die laut der örtlichen Polizei von Rumänien nach Frankreich geschmuggelt werden sollten. Manuela Kaußen, die Leiterin des Tierheims, berichtet über den Fall: „Der Transporter mit den Hundewelpen stand über eineinhalb Stunden auf einem Parkplatz in Oettingen.“ Wegen des lauten Hundegebells informierte ein Mann die Polizei. „Die Polizisten ermittelten, dass der rumänische Fahrer schon öfters Hunde geschmuggelt hatte, er wurde unter anderem in Passau angehalten“, sagt Kaußen. Gegen den Fahrer wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Die Welpen saßen in „völlig verkoteten“ Transportboxen ohne Wasser und Futter, erzählt die Tierheimleiterin, die die Hundewelpen schließlich in Empfang nahm. Der Anblick sei schlimm gewesen: „Alle Sechs waren völlig dehydriert und ausgehungert.“ In einem Video, das die Mitarbeiter des Tierheims auf Facebook teilten, sieht man, wie die Kleinen bei der Ankunft im Tierheim laut jaulen – und sich dann auf die Trinknäpfe mit frischem Wasser stürzen. Doch wie geht es den Welpen, nachdem der erste Durst gestillt war? „Soweit gut“, sagt Kaußen. Ein paar hatten wegen der engen Käfige Blessuren am Schwanz und am Kopf, auch Darmparasiten wurden bei den Hunden gefunden. Für die Tierheimleiterin ist jedoch noch eine andere Frage wichtig: Wie geht es den Tieren in Rumänien? „In solchen Zuchtstationen wird die Mutter nur gehalten, um möglichst viele Babys zu gebären“, sagt Kaußen.

Tierschutzbund: „Neben dem seelischen Leid kommt es bei vielen zu schweren Krankheitsverläufen"

Romy Zeller vom deutschen Tierschutzbund erklärt: „Neben dem seelischen Leid, das die Welpen erleiden müssen, kommt es bei vielen zu schweren Krankheitsverläufen. Durch die widrigen Haltungsbedingungen in den Zuchtfabriken entsteht ein enormer Infektionsdruck, gleichzeitig werden die Tiere nicht geimpft oder überhaupt medizinisch versorgt und zusätzlich viel zu früh vom Muttertier getrennt.“ Wenn die Welpen beschlagnahmt oder aus Kostengründen von ihren neuen Haltern in Deutschland ausgesetzt oder abgegeben werden, landen sie im Tierheim. Weil die gesetzlich vorgeschriebene Tollwutimpfung in der Regel fehlt oder die Welpen hierfür noch viel zu jung sind, müssen sie zunächst in Quarantäne – „mindestens vier Wochen“, sagt Kaußen aus Erfahrung. Vermitteln könne das Nördlinger Tierheim die Welpen erst einmal nicht. Das ist auch der Grund, warum Kaußen die Hunderasse nicht nennen will: „Ich bekomme ja jetzt schon zig Anfragen.“ Mittlerweile ist die Tierrechtsorganisation Peta auf den Einsatz in Oettingen aufmerksam geworden: „Der Fall macht einmal mehr deutlich, dass wir dringend schärfere EU-Gesetze und Kontrollen benötigen, die diesen Handel stoppen. Tierhändler müssten härter bestraft werden, um das skrupellose Geschäft mit Tieren als Ware zu beenden“, sagt Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta.

Und was ist nun mit den vielen Internetangeboten? „Es gibt zwar ein paar seriöse Kleinanzeigen“, sagt Manuela Kaußen. Doch dabei sollte man aufpassen. Sie empfiehlt: „Nur ein paar Bilder des Tieres schicken lassen, reicht nicht. Am besten mehrmals zum Verkäufer fahren, sich auf jeden Fall das Muttertier zeigen lassen und wenn möglich die Mutter mit den Welpen zusammen sehen.“ Und: „Muss es immer ein Welpe sein? Es gibt etliche tolle Hunde bei uns, die auch warten und die weniger Arbeit machen“, sagt die Tierschützerin. Sie befürchtet: Der große Ansturm auf das Haustier wird nach der Pandemie vorbei sein – und dann landen die Hunde in den Tierheimen.

Im Rahmen der Aktion „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ informiert der Deutsche Tierschutzbund über die Auswirkungen der Corona- Krise auf den illegalen Welpenhandel und das damit verbundene Leid. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Website von "Tierheime Helfen".

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