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Italien
13.09.2021

Nach dem Seilbahnunglück: Sorgerechtsstreit um den kleinen Eitan

Nach dem Seilbahnunglück arbeiteten Einsatzkräfte tagelang an der Bergung der abgestürzten Gondel. 14 Menschen starben damals, nur der sechsjährige Eitan überlebte.
Foto: Piero Cruciatti/LaPresse via Zuma Press, dpa

Beim Seilbahnunglück am Lago Maggiore am Pfingstsonntag überlebte nur ein sechsjähriger Junge. Um ihn gibt es einen Sorgerechtsstreit – der jetzt eskaliert.

Der Sorgerechtsstreit um den sechsjährigen Eitan, einziger Überlebender des Seilbahnunglücks am Lago Maggiore vom Pfingstsonntag, weitet sich zu einem diplomatischen Fall aus. Nach Informationen des israelischen Senders Channel 12 News seien Experten aus dem israelischen Außen- und Justizministerium in einem Gutachten zu dem Schluss gekommen, der Junge müsse zu seiner Tante zurück nach Italien gebracht werden. Wann und ob das geschieht, ist noch völlig offen. Am Wochenende hatte der Großvater das Kind gegen den Willen der sorgeberechtigten Tante erst nach Lugano in die Schweiz und dann mit einem Privatflug nach Tel Aviv in Israel gebracht.

Seilbahnunglück in Italien: Unter den 14 Toten waren auch Eitans Eltern sowie sein Bruder

Die Schwester von Eitans Vater, Aya Biran-Nirko, erstattete bei der italienischen Polizei Anzeige. Die Staatsanwaltschaft Pavia ermittelt wegen Entführung. Auch in Israel wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Großvater mütterlicherseits eröffnet. Der Streit auf dem Rücken des Kindes wird auch in der Öffentlichkeit ausgetragen.

„Zum Wohle Eitans kann ich nicht mehr schweigen“, sagte Biran-Nirko vor den Medien in Travacò bei Pavia in der Lombardei. Hier war auch der sechsjährige Eitan zu Hause, dessen Familie beim Seilbahnunglück am Lago Maggiore ums Leben kam und seit fünf Jahren bei Pavia lebte. Unter den 14 Toten waren beide Eltern des Sechsjährigen, sein zweijähriger Bruder sowie die Urgroßeltern, die gerade zu Besuch aus Israel gekommen waren.

Nach Seilbahnunglück: Gericht soll über Sorgerechtsstreit von Eitan entscheiden

Israel müsse unter Berücksichtigung des Haager Kindesentführungsübereinkommens von 1980 alles in seiner Macht stehende unternehmen, um das Kind wieder seiner rechtlichen Betreuerin in Italien zuzuführen, hielten die israelischen Experten laut Channel 12 News fest. „Ein israelisches Zivilgericht müsste die Rückführung des Kindes anordnen“, sagte der Mailänder Familienrechtsspezialist Lorenzo Puglisi.

Dazu sei aber zunächst ein langwieriges Untersuchungsverfahren einzuleiten, das Kind in Israel ausfindig zu machen sowie schließlich der Familie mütterlicherseits abzunehmen, mit erneuten möglichen Traumata. Während der Junge eine Tragödie in der Tragödie erlebt, blicken die Beteiligten auf den 22. Oktober. Dann soll ein Gericht in Pavia über die Anfechtung der israelischen Familie gegen das Sorgerecht der Tante in Italien entscheiden.

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Er hat sich zwar vom Koma nach dem Seilbahnunglück erholt - doch heute hat Eitan Albträume

Offenbar kamen die beiden israelisch-stämmigen Familien nie besonders gut miteinander zurecht. Die Situation eskalierte nach dem Seilbahnunglück und dem Tod der fünf Familienmitglieder. Eitans Großmutter mütterlicherseits berichtete in israelischen Medien von Konflikten und kulturellen Differenzen. So stieß der in Israel lebenden, konservativ geprägten Familie mütterlicherseits offenbar die Einschulung Eitans in eine katholische Grundschule auf. Auf diese Weise würde die jüdische Identität des Kindes ausgelöscht, behauptete sie.

Beim Absturz der Gondel am norditalienischen Lago Maggiore haben mindestens 13 Menschen ihr Leben verloren.
Foto: Uncredited/Vigili del Fuoco Firefighters/AP/dpa

Der italienische Teil der Familie hingegen streute Gerüchte über die Vergangenheit des Großvaters, des mutmaßlichen Entführers. Er habe Verbindungen zum israelischen Geheimdienst und sei letztinstanzlich wegen Gewalt gegen seine geschiedene Ehefrau verurteilt worden, hieß es.

Eitan selbst lag nach dem Unglück im Koma, blieb 19 Tage in einer Turiner Klinik, erholte sich aber. Ein Gericht in Turin sprach Biran-Nirko, der Schwester des verstorbenen Vaters, das Sorgerecht zu. Diese Entscheidung akzeptierte die Familie mütterlicherseits nicht. „Wir haben Eitan nicht entführt“, behauptet Gali Peleg, die Schwester der Mutter.

„Wir haben ihn nach Hause zurückgebracht“, sagte sie am Wochenende im israelischen Radio. Das Kind stehe der Familie der Mutter näher als der Tante in Italien, die verstorbenen Eltern hätten die Rückkehr nach Israel im kommenden Jahr beschlossen. „Am Ende unserer Besuche weinte er und fragte, ob er irgendetwas falsch gemacht habe“, sagte Peleg. „Seine Cousinen warten auf ihn, sie machen sich Sorgen und verstehen nicht“, erklärte hingegen die sorgeberechtigte Tante in Italien, eine 41-jährige Psychologin. Eitan habe Albträume und schlafe nicht ein, ohne dass sie seine Hand halte.

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