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Fall Lügde

23.05.2019

Kindesmissbrauch-Skandal: Landgericht liegt dritte Anklage vor

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde sind drei Männer angeklagt.
Bild: Guido Kirchner, dpa

Im Fall des Kindesmissbrauchs in Lügde liegt die dritte Klageschrift vor. Die Opposition im nordrhein-westfälischen Landtag plant einen Untersuchungsausschuss.

Nach dem massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat das Landgericht Detmold nun auch die dritte Anklageschrift erhalten. Das teilte ein Sprecher am Donnerstag in Detmold mit. Das Gericht werde dem 34-jährigen Beschuldigten die Anklage zuleiten und um Stellungnahme bitten. Details zu den Vorwürfen will das Gericht erst nennen, wenn die Anklage zugestellt ist. Nach den Erkenntnissen der Ermittler soll der Mann aus Steinheim bei Höxter ebenfalls Kinder auf dem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen missbraucht und dabei gefilmt haben.

Im Fall der beiden anderen Hauptbeschuldigten hat das Gericht schon Details veröffentlicht. Demnach wirft die Staatsanwaltschaft dem 56-jährigen Hauptverdächtigen in der Anklage 293 Fälle vor. Der Mann soll sich unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie des Besitzes von kinderpornografischen Schriften verantworten.

Ein mutmaßlicher Komplize (49) des Mannes aus Stade in Niedersachsen ist mitangeklagt, weil er unter anderem in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen des Dauercampers teilgenommen haben soll. Teilweise soll er den Hauptverdächtigen vorher ausdrücklich zum Missbrauch aufgefordert haben. Darüber hinaus sollen bei dem Mann aus Stade im Januar 42.719 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt gefunden worden sein.

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SPD plant Untersuchungsausschuss zum Missbrauchsfall von Lügde

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde soll zudem mögliches Polizeiversagen in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgearbeitet werden. Die SPD als stärkste Oppositionsfraktion im nordrhein-westfälischen Landtag will einen entsprechenden Antrag stellen, allerdings erst wenn alle Anklagen gegen die drei Hauptbeschuldigten zugelassen sind. 

Diesen Vorratsbeschluss fasste die SPD-Fraktion am Dienstag in Düsseldorf, wie Fraktionschef Thomas Kutschaty erklärte. Das Gremium solle sich mit der Frage des "polizeilichen Versagens" beschäftigen, sagte er. Auch Grüne und AfD hatten sich schon für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen. Ohne die SPD-Fraktion würden sie aber nicht die notwendige Stimmenanzahl von mindestens 40 Abgeordneten erreichen.

Seit Wochen werfen die Oppositionsparteien SPD und Grüne Innenminister Herbert Reul (CDU) vor, das Ausmaß des Missbrauchsfalls zu spät erkannt zu haben. 

AfD will eigenen Antrag für Lügde-Untersuchungsausschuss stellen

Kutschaty sagte, das Landgericht Detmold werde vermutlich kurzfristig über die Anklagen entscheiden, so dass der Antrag auf Einsetzen des Untersuchungsausschusses in der Juni-Plenarwoche gestellt werden könnte. Man könne dies erst beschließen, wenn die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen seien.

Die AfD will noch in dieser Plenarwoche erneut einen eigenen Antrag für einen Lügde-Untersuchungsausschuss stellen. Mit einem ersten Antrag war die AfD bereits gescheitert. Ob die Fraktion sich dem SPD-Antrag im Juni anschließen werde, ließ AfD-Fraktionschef Markus Wagner offen. Er sagte, dem linken Teil der Opposition gehe es in erster Linie darum, der Landesregierung zu schaden. Dabei müssten vielmehr die strukturellen Defizite aufgearbeitet werden, die zu dem "multiplen Behördenversagen" geführt hätten. (dpa)

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