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Bei der Bildung zeigen die Deutschen ihre Doppelmoral

Kommentar Von Sarah Ritschel
29.08.2019

Schüler aus benachteiligten Familien haben es schwerer als gut situierte. Viele Deutsche finden das unfair. Doch für Reformen zahlen wollen sie nicht.

Ach, wie paradiesisch wäre es, würde man alle Vorschläge der Deutschen für ein gerechtes Bildungssystem umsetzen: Der Kindergarten wäre für alle gratis, Alleinerziehende und Eltern mit einer Vollzeitstelle bekämen als Erste einen Platz in der Kita, Schüler mit Lernproblemen würden vom Staat extra gefördert und nach der Schule bekommen Absolventen mit wenig Geld ein Stipendium für die Uni obendrauf. Diese Vision skizziert das neue Bildungsbarometer des Ifo-Instituts. Die Münchner Forscher haben Bundesbürger befragt, wo sie Probleme bei der Bildung in Deutschland sehen, und wollten speziell wissen, wie man das System gerechter machen könnte. Die Antworten aber sind in vielen Bereichen geprägt von Widersprüchlichkeit, manchmal sind sie sogar scheinheilig.

Denn auf der einen Seite wünscht sich die überwältigende Mehrheit der Befragten ein möglichst hohes Bildungsniveau für alle Kinder – doch über dessen Finanzierung streiten sie. Dabei ist uns doch allen klar, dass vor allem sozial schwache Schüler mit Geld unterstützt werden müssten.

Kinder mit Migrationshintergrund haben es besonders schwer

Die Schwachstellen an Schulen sind den Deutschen bewusst. Fast die Hälfte der 4000 repräsentativ Befragten ist davon überzeugt, dass Kinder aus schlechteren sozialen Verhältnissen auch schlechtere Bildungschancen haben. Sogar 60 Prozent wissen, dass Schüler mit Migrationshintergrund benachteiligt sind und halten das für ein (sehr) ernstes Problem, unabhängig vom Bundesland. Tatsächlich hinken Jugendliche mit Wurzeln im Ausland ihren Klassenkameraden ein bis zwei Schuljahre hinterher.

Um das zu ändern, müsste man schon im Kindergarten ansetzen. Eltern aus benachteiligten Gesellschaftsgruppen melden ihren Nachwuchs seltener dort an, es fehlt die frühe Förderung. Sie können ihrem Kind keine Nachhilfe finanzieren, schicken es seltener aufs Gymnasium, selbst wenn es die Noten dafür hätte. Kommen dann noch Sprachschwierigkeiten hinzu, ist so ein Kind schnell überfordert. Gratis-Kita, Förderunterricht, Finanzhilfen für Schulen mit vielen Problemschülern: Alles, was die Befragten im Bildungsbarometer fordern, könnte die Ungleichheit verringern. Der Haken: Solche Förderprogramme kosten Milliarden. Wenn es ums Geld geht, ist es mit den hehren Visionen vorbei.

Die Mittelschicht fürchtet um ihre Privilegien

Liest man genauer in den Bildungsreport hinein, entlarvt er seine extrem problematische Doppelmoral: Einerseits zeigt sich ein großer Teil der Bevölkerung nach außen hin mustergültig als Kämpfer für die Schwachen. Gleichzeitig möchten 40 Prozent der Deutschen (eher) nicht, dass Kinder mit und ohne Lernschwäche gemeinsam lernen. Und mehr als zwei Drittel sagen, die Politik müsse mögliche Fördermittel flächendeckend „mit der Gießkanne verteilen“. In freundliche Worte gepackt heißt das: „Alle Schüler sollen gleichermaßen von mehr Bildungsinvestitionen profitieren.“ Der Wunsch ist verständlich – zumal, wenn man ein eigenes Kind in der Schule hat.

Doch in der Aussage schwingt eben auch eine andere Überzeugung mit: „Das Geld soll nicht nur Benachteiligten zukommen, sondern gefälligst auch meinem Kind.“ Diese Deutung liegt nahe, denn zwei Drittel der Familien zählen zur Mittelschicht und würden wohl nicht von einer Sonderförderung profitieren. Die große Bildungsumfrage fällt in eine Zeit, in der die Angst vor dem Verlust der eigenen Privilegien in einer gut situierten Bürgerschicht mit Händen greifbar ist.

Doch es sind eben genau die schlecht situierten Schüler, die teure Extrastunden, Sprachkurse und Stipendien brauchen. Will man die Ungleichheit wirklich beheben, müssen sie zumindest bei der Förderung einmal im Vorteil sein.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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Die Diskussion ist geschlossen.

31.08.2019

Bilddung hat mit Arm und Reich wenig zu tun. Jeder hat die Chance sich gut zu bilden. Ich kenne einige junge Menshen aus Ärmeren Familien, die es im wirtschaftleben sehr weit gebracht haben, es ist immer die Einstellung selbst und nicht der Geldbeutel der Eltern. Das es Migranten etwas schwerer haben liegt nicht am Bildungsystem, sondern an den Eltern.

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29.08.2019

>> Kinder mit Migrationshintergrund haben es besonders schwer <<

Aufgeschlossenheit für deutsche Sprache, Naturwissenschaften, demokratische Grundprinzipien und die Gleichberechtigung von Mann und Frau sind entscheidenden Punkte für ein gutes Leben in Deutschland! Wer das nicht lebt gehört immer nicht ganz dazu und hat es schwerer.

Wenn zuhause nicht Deutsch gesprochen wird, wenn Erdogans Aufforderung sich nicht zu assimilieren gelebt wird, hat das einfach Konsequenzen. Deutschland hat viel Erfahrung mit unterschiedlichen Herkunftsländern und die alle in einen Topf zu werfen wird die klare Mehrheit als unzulässige Vereinfachung empfinden. Es wählt nicht jeder "Migrationshintergrund" zu 65 bis 70% Erdogan und seine politischen Ideen.

>> Die Mittelschicht fürchtet um ihre Privilegien <<

Ich bitte um Erläuterung, welche Privilegien die Mittelschicht in diesem Land besitzt?

Mir fällt da außer einer im weltweiten Vergleich sehr hohen Steuer- und Sozialabgabenbelastung kein echtes Privileg ein.

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29.08.2019

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-09/abitur-migrationshintergrund-bildung-zahl-des-tages

>>Jeder fünfte Mensch mit Migrationshintergrund hat Abitur
Personen mit Migrationshintergrund haben genauso oft Abitur wie Menschen ohne Migrationsgeschichte. <<

Es scheint also etwas komplizierter zu sein, wie das Umverteilungsdenken aus dem linken Lager uns glauben machen will.

Der statistische Unterschied resultiert hauptsächlich aus Menschen ohne Schulabschluss:

https://www.zeit.de/gesellschaft/2017-08/migration-deutschland-migrationshintergrund-herkunftslaender-ausbildung/seite-2

Und wenn man jetzt noch herausfindet, wenn das betrifft kommt man einer Lösung näher.

https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2019-07/schulabbrecher-schulabschluss-schule-berlin-caritas-studie

>> Die Zahl der Schulabbrecher ist gestiegen – auf einen Höchststand in Berlin und Sachsen-Anhalt, mit deutlich weniger Fällen in Hessen und Bayern. Ein Grund: Zuwanderung. <<

Spätestens jetzt drehen viele Menschen ab weil das Thema politisch zu unbequem wird ;-)

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