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Kriminalität
15.11.2016

Wenn Senioren zu Straftätern werden

Auch Senioren können zu Straftätern werden. Dieses Foto zeigt aber eine harmlose Beratung durch die Polizei.
Foto: Uwe Zucchi, dpa (Symbolbild)

Eine 80-Jährige handelt mit Drogen. Ein 76-Jähriger sticht um sich. Immer wieder stehen Rentner in spektakulären Prozessen vor Gericht. Wie kriminell sind sie im Alltag wirklich?

Für Boulevardmedien sind solche Fälle ein gefundenes Fressen: Senioren, die zu Kriminellen werden, tauchen dort regelmäßig in der Berichterstattung auf. Aktuelle Beispiele gibt es genug.

Zum Beispiel die „Drogen-Oma“ aus Gelsenkirchen. Vergangene Woche hat das Essener Landgericht die 80-Jährige wegen Drogenhandels zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Die Frau hatte ihren Sohn, der bereits zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, bei Heroingeschäften unterstützt. Ein Teil des Rauschgifts war in ihrer Wohnung versteckt gewesen. Von dort hatte sie es nach eigenen Angaben weiterverkauft. Außerdem hatte sie ihren Sohn beim Einschmuggeln der Drogen aus den Niederlanden nach Deutschland begleitet – um einfach nur mal rauszukommen, wie sie sagte.

Aufsehen erregte im März der Fall eines 75-Jährigen, der in Lübeck einen 73 Jahre alten Bekannten mit einem Messer niedergestochen haben soll. Wie die Hamburger Morgenpost berichtete, wurde der Angeklagte Werner B. gestern vom Gericht zwar freigesprochen, wegen einer wahnhaften Störung aber in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

67 Jahre alter Sohn als Drahtzieher

Auch das Landgericht Aurich in Ostfriesland hat es derzeit mit einer Hochbetagten zu tun: Eine 90-Jährige soll drei Männern, die weniger als halb so alt sind wie sie, bei der Entführung eines Reeders geholfen haben. Der 67 Jahre alte Sohn der Frau gilt als Drahtzieher der Aktion. Die 90-Jährige soll das Konto eingerichtet haben, auf das das Lösegeld gezahlt werden sollte. Bislang schweigt die Mitangeklagte, der Gerichtssprecher geht davon aus, dass heuer kein Urteil mehr fallen wird.

Täuscht der Eindruck oder werden Senioren tatsächlich immer häufiger zu Straftätern? Bereits 2013 fragte die Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei beim damaligen Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, nach. Die Zahl der registrierten Tatverdächtigen, die 60 Jahre und älter waren, habe zwischen 2002 und 2012 zwar um etwa acht Prozent zugenommen, sagte Ziercke. Allerdings sei im gleichen Zeitraum auch die Gesamtzahl der Menschen in dieser Altersklasse um gut 15 Prozent größer geworden. Gemessen an der Gesamtbevölkerung sei der Anteil der tatverdächtigen Senioren also gesunken.

2015 fünf Prozent aller Tatverdächtigen 60 Jahre und älter

Im selben Heft äußerte ein Experte des Landeskriminalamts Niedersachsen die Vermutung, dass sich die Zahl der straffälligen Rentner in Deutschland allein durch das Altern der Bevölkerung in zwei Jahrzehnten fast verdoppeln dürfte. Demnach werde voraussichtlich um das Jahr 2030 herum die Zahl der Gesetzesbrecher über 60 Jahre die Zahl der straffälligen Heranwachsenden erstmals übertreffen.

Aus der Statistik des Bayerischen Landeskriminalamts geht hervor, dass im Jahr 2015 nur fünf Prozent aller Tatverdächtigen 60 Jahre und älter waren. 2009 hatte ihr Anteil bei sieben Prozent gelegen. Nachfrage beim Polizeipräsidium Schwaben Nord in Augsburg: Einer Sprecherin zufolge bewegte sich die Zahl der Straftaten von Menschen über 60 zuletzt im niedrigen vierstelligen Bereich – bei insgesamt gut 46200 registrierten Straftaten im Jahr 2015 in Nordschwaben. Die häufigsten Vergehen bei Ü-60-Tätern laut Statistik: Körperverletzungen, Diebstähle, Beleidigungen und Betrug. Über die Gründe für diese Straftaten kann die Polizei nur spekulieren. Die Sprecherin des Präsidiums vermutet, dass ein Teil mit Nachbarschaftsstreitereien zusammenhängt, gerade Körperverletzungen und Beleidigungen. mit sari, dpa

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