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Medien
16.04.2019

Tierdoku statt Live-Bilder aus Paris: ARD und ZDF in der Kritik

Journalisten vor Notre-Dame - am Dienstag, dem Tag nach dem Brand. Das Interesse an Berichten über die Katastrophe ist weltweit groß.
Foto: Ludovic Marin, afp

In Paris brennt die Kathedrale Notre-Dame. ARD und ZDF berichten darüber, ändern aber das Programm nicht. Die Sender weisen Kritik zurück.

Während in Paris am Montagabend mit Notre-Dame nicht nur eine bedeutende Kathedrale, sondern ein nationales Symbol Frankreichs niederbrennt, senden ARD und ZDF in ihren Hauptprogrammen das geplante Programm. Notre-Dame in Flammen – und bei „hart aber fair“ im Ersten wird „Die Fleisch-Frage“ diskutiert. Und zuvor eine Natur-Doku über Königstiger ausgestrahlt. Im ZDF läuft, mal wieder, ein Krimi – „So weit das Meer“.

So weit, so unverständlich. Selbst für ehemalige Star-Journalisten der Öffentlich-Rechtlichen. Ulrich Deppendorf, einst Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, twitterte um 20.38 Uhr: „Warum gab es keinen ARD-Brennpunkt zum Brand von Notre-Dame, neben dem Eiffelturm das Symbol Frankreichs? Schwer nachzuvollziehen.“ Auch Sonia Seymour Mikich, die Chefredakteurin Fernsehen des WDR war, kritisierte in mehreren Tweets die ARD. So richtig ärgerte sich der nordrhein-westfälische CDU-Ministerpräsident Armin Laschet: „Millionen Menschen fiebern mit der Kirche Notre-Dame in Paris, einem der bedeutendsten kulturellen Orte in Europa. Warum muss man @CNN einschalten während die @ARD_Presse Tierfilme zeigt?“

Kritik an Berichterstattung über Notre-Dame: Die Reaktion der ARD

Die ARD reagierte teils sachlich, teils patzig. Sachlich: „Sobald weitere gesicherte Informationen vorliegen, werden wir darüber berichten. In den Tagesthemen wird es eine vertiefte Berichterstattung geben.“ Patzig dagegen ARD-Chefredakteur Rainald Becker: „Rate zu etwas mehr Sachlichkeit. Das Erste ist kein 24h Nachrichtenkanal und Gaffer TV machen wir auch nicht. An fundierter Berichterstattung wird gerade gearbeitet. Folgt in Kürze.“ Gaffer-TV? Die Eilmeldung der Deutschen Presse-Agentur kam am Montag um 19.13 Uhr. Da zeigte das französische Fernsehen bereits Bilder des Geschehens. Die ZDF -„heute“-Sendung reagierte umgehend. Dann kam die „Tagesschau“ um 20 Uhr – und brachte als Spitzenmeldung: „Anklage gegen Ex-VW-Chef Winterkorn“. Dann: „Betreute dürfen an Europawahl teilnehmen“. Dann, bei Sendeminute 4:36: „Notre-Dame in Paris steht in Flammen“. Bis Sendeminute 5:53. Das sollte es vorerst für Millionen TV-Zuschauer gewesen sein.

Wer mehr wissen wollte, musste ins Internet oder umschalten. Etwa zum Privatsender n-tv, der von 19.30 Uhr an stundenlang auf Sendung gegangen war und im Vergleich zu ARD und ZDF weder schlechter berichtete noch „Gaffer-TV“ bot. Die Quoten zeigten am Dienstag, dass das Interesse an frühzeitiger TV-Berichterstattung groß war. ARD und ZDF bedienten dieses Interesse zunächst schlecht – im Falle der ARD nach eigenen Angaben aufgrund journalistischer Gründe und logistischer Zwänge.

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Ein Großbrand hat am 15. April 2019 Teile der Pariser Kathedrale Notre-Dame zerstört. Das Mauerwerk hielt den Flammen stand, der höchste Turm der Kathedrale ebenso wie der Dachstuhl stürzten ein.
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Feuer zerstört Teile der Pariser Kathedrale Notre-Dame
Foto: Patrick Anidjar

Gründlichkeit vor Schnelligkeit – daran ist nichts verkehrt. Es verhindert Fehler, die in den letzten Jahren gemacht wurden. Etwa in der Live-Berichterstattung über den Amoklauf 2016 im Olympia-Einkaufszentrum in München, als n-tv völlig unverantwortlich Fehlinformationen verbreitete. Doch hätten ARD und ZDF in ihren Hauptprogrammen nicht früher (eingekaufte) Live-Bilder zeigen können? Hätten sie diese nicht vom Studio aus kundig kommentieren können? Die Authentizität der TV-Bilder stand nicht in Zweifel, zu erklären gab es genug – unter anderem die Bedeutung Notre-Dames, besonders mit Blick auf Ostern. Für einen zehnminütigen „Brennpunkt“ vor der „Tagesschau“ hätte das gereicht. Erst recht für kurz danach. Selbst 21 Uhr schaffte der Sender aber nicht.

Alles zum Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris hier zum Nachlesen im Live-Blog

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Die Diskussion ist geschlossen.

17.04.2019

Mich erinnern die öffentlich-rechtlichen Medien immer mehr an den Ostblock-Journalismus zur Zeit des Sowjetimperiums. Damals hatten die "PRAVDA"-Reporter erst im Politbüro anfragen müssen: Ist diese Meldung sozialistisch korrekt? Dürfen wir das senden?
Die öffentlich-rechtlichen Anstalten fragen wohl beim Wahrheitsministerium an: ist das politisch korrekt, kann das auf Sendung? Oder ist das nur ein "Ereignis von regionaler Bedeutung" und wird nicht ausgestrahlt?

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17.04.2019

Dafür zahlen wir Rundfunkgebühren. Ich zweifle schon lange an den öffentlich rechtlichen Sendern.Schnell informiert ist man nur über die Nachrichtensender n-tv oder welt. Das " nicht senden" über aktuelle Ereignisse hat doch schon Methode!

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