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Meghan und Harry: Freiheit gibt es ganz oder gar nicht

Meghan und Harry: Freiheit gibt es ganz oder gar nicht
Kommentar Von Katrin Pribyl
15.01.2020

Das Drama um Harry und Meghan erinnert an turbulente Zeiten im britischen Königshaus. Dabei sind die Regeln glasklar: Tradition geht über alles!

Die Royals stecken in der Krise. Darüber kann auch das diplomatisch äußerst geschickte Statement von Königin Elizabeth II. nicht hinwegtäuschen. Die Großmutter in ihr respektiert den Wunsch ihres Enkels Harry nach Freiheit und Unabhängigkeit. Die Monarchin hingegen ist enttäuscht und bedauert, mit dem Herzog und der Herzogin von Sussex zwei beliebte Mitglieder der „Firma“ ziehen lassen zu müssen.

Märchenhochzeit, Nachwuchs, frischer Wind im verstaubten Palast – das PR-Lifting hätte zunächst kaum besser ausfallen können. Das Glück aber währte nur kurz. Der Rückzug der beiden aus dem royalen Zirkus wirkt wie die Verzweiflungstat eines verletzlichen Paares. Das kam nie mit dem Druck, mit der Stummschaltung persönlicher Meinungen, mit der schonungslosen Boulevardpresse auf der Insel zurecht. Besonders Meghan gegenüber sind die britischen Medien unbarmherzig. Allein dass Teile der Blätter nun von „Megxit“ sprechen und damit der Herzogin alle Schuld für den radikalen Schritt zuschieben, zeugt von einem engstirnigen Weltbild.

Denn vieles deutet darauf hin, dass der Prinz die treibende Kraft darstellt. Harry schien nie glücklich mit seiner Rolle, die als Nummer sechs der Thronfolge noch dazu jene des Ersatzmanns ist. Und man darf es auch als sein Versäumnis bezeichnen, die Angelegenheit harmonischer zu regeln. Der Prinz wusste aus lebenslanger Erfahrung, welche Auswirkungen sein Rückzug haben würde, wie die Vorgehensweise dem Queen-verehrenden Volk aufstoßen würde.

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Auch Meghan war mehr als naiv

Ja, auch die US-Amerikanerin war naiv, wie sie unlängst sogar selbst zugab. Es scheint, als habe die ehemals leidenschaftliche Aktivistin die Rolle als Mitglied der Windsors verkannt. Das Königshaus bietet sich keineswegs als Plattform, von der aus man die eigene Sicht auf aktuelle politische Belange – und seien sie noch so ehrenhaft – äußern kann. Und wer die Monarchie modernisieren will, kann dies zwar versuchen, muss sich aufgrund der Schwerfälligkeit dieser Institution aber mit Minischritten begnügen. Währenddessen heißt es lächeln und winken und Hände schütteln und Kindergärten einweihen. Noch viel weniger ist es möglich, ein privates Leben in der Öffentlichkeit zu führen. Man mag all das bemängeln. Doch am Ende des Tages speist sich der Erfolg der Monarchie aus den Traditionen, aus den anachronistischen Strukturen. Der Monarch dient dem Volk und die Mitglieder der Königsfamilie unterstützen den Monarchen in dessen Dienst. Nicht mehr, nicht weniger.

Die Monarchie darf nicht dem eigenen Profit dienen

Wenn Prinz Harry und Herzogin Meghan aus diesem engen Korsett ausbrechen wollen, dann ist das bedauerlich, weil sie durch Meghans Herkunft und Hautfarbe das Königshaus vielfältiger erscheinen ließen. Doch es ist ihr gutes Recht. Nur sollten sie den Schritt dann konsequent gehen und nicht nur komplett auf ihre royalen Titel und ihr exklusives Heim in Windsor verzichten, sondern auch ihre finanziellen Privilegien aufgeben und sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Danach sieht es jedoch keineswegs aus, sie wünschen das Beste aus beiden Welten.

Königin Elizabeth II. muss deshalb nun eine Regelung finden, die auch für künftige Generationen gelten kann, die keinerlei Aussicht auf den Thron haben und deshalb ein selbstbestimmtes Leben zu führen gedenken. Die größte Herausforderung dürfte dabei sein, für die Teilzeit-Royals eine klare Grenze zwischen Terminen im Auftrag Ihrer Majestät und jenen mit geschäftlichen Interessen zu ziehen. Denn auch wenn viele Briten den Freiheitsdrang nachvollziehen können, sie würden es den Sussexes kaum verzeihen, die Krone für den eigenen Profit auszunutzen.

Lesen Sie dazu auch: Harry und Meghan wollen keine Royals mehr sein

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