1. Startseite
  2. Panorama
  3. Mord mit Insulinspritze? Prozess gegen Pfleger startet Ende November

München

21.10.2019

Mord mit Insulinspritze? Prozess gegen Pfleger startet Ende November

Dem Hilfspfleger wird unter anderem der Mord an einem 87-Jährigen durch Insulin vorgeworfen.
Bild: Oliver Berg, dpa (Symbol)

Wegen sechsfachen Mordes muss sich ein 37-jähriger Hilfspfleger ab Ende November vor Gericht verantworten. Er hatte seinen Patienten grundlos Insulin gespritzt.

Ende November startet vor dem Landgericht München I der Prozess wegen sechsfachen Mordes gegen einen 37 Jahre alten Hilfspfleger. Das teilte das Gericht am Montag mit. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe seinen pflegebedürftigen Patienten an verschiedenen Tatorten in Deutschland Insulin gespritzt, obwohl sie das gar nicht brauchten. Sechs Menschen starben nach Angaben der Behörde, andere überlebten die Injektion nur, weil sie umgehend behandelt wurden. Sechs Morde, drei versuchte Morde, Raub, Diebstahl und Betrug werden dem Polen vorgeworfen. Er soll seine Patienten bestohlen haben. Die Anklage geht darum von Heimtücke, Habgier und niedrigen Beweggründen aus. Prozessauftakt ist der 26. November, das Gericht hat 39 Verhandlungstage angesetzt.

Die Ermittler waren aufmerksam geworden, als sie im Februar 2018 den Tod eines 87-Jährigen aus Ottobrunn bei München aufklären wollten. Bei der Obduktion hatten die Rechtsmediziner unter anderem eine frische Einstichstelle bemerkt. Laut Ermittlern wurde der Hilfspfleger zuerst als Zeuge vernommen, später wurden eine Spritze, Insulin und Wertgegenstände des Opfers bei ihm entdeckt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. 

37-Jähriger war an 69 Orten in Deutschland tätig gewesen

Der Fall hatte bundesweites Aufsehen erregt, als die Ermittler ihren Verdacht publik machten. Der Mann war seit 2008 als ungelernte Pflegehilfskraft unter anderem in England und an 69 Orten in Deutschland tätig gewesen. Um seine Patienten rund um die Uhr zu betreuen, zog er bei ihnen ein. 

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Die Morde soll der Mann laut Anklage quer durch Deutschland begangen haben: In den bayerischen Orten Ottobrunn, Eckenthal und Wiesenbronn ebenso wie in Hannover, im schleswig-holsteinischen Burg und in Spaichingen in Baden-Württemberg. Versuchte Morde werden ihm angelastet in Mülheim an der Ruhr, in Esslingen und in Weilheim in Oberbayern.

Der Fall erinnert an den spektakulären Fall des Patientenmörders Niels Högel, der im vergangenen Jahr vom Landgericht Oldenburg wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. (dpa)

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren