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München
21.04.2020

Oktoberfest abgesagt: Münchner Wiesn fällt wegen Coronavirus aus

Dichtes Gedränge auf dem Oktoberfest? In Corona-Zeiten undenkbar.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Archiv)

Jetzt ist es offiziell: Das Oktoberfest in München findet in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht statt. Das Risiko sei "schlicht zu hoch".

Das Münchner Oktoberfest findet in diesem Jahr nicht statt. Das haben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am heutigen Dienstag bei einer Pressekonferenz verkündet. Bereits vor der offiziellen Bestätigung hatte es Hinweise auf eine Absage gegeben.

Als Grund für die Absage nannte Söder die Coronavirus-Pandemie. "Das Risiko ist schlicht und einfach zu hoch", sagte der Ministerpräsident im Hinblick auf die Dimensionen des "bedeutendsten und wichtigsten Festes der Welt". Einerseits kämen Gäste aus der ganzen Welt nach München. Das Oktoberfest könne so zur "Virendrehscheibe" werden und die Verbreitung des Virus' weiter anfachen. "Das würde den Ruf Münchens und Bayerns auf lange Zeit prägen und schädigen."

Oktoberfest in München: "Gscheit oder gar nicht"

Andererseits würden wichtige Verhaltensregeln auf dem Oktoberfest nicht funktionieren: "Man kann weder Abstand halten noch mit Mundschutz arbeiten auf der Wiesn. Das geht nicht." Auch ein Oktoberfest in kleinerem Rahmen lehnte Söder ab. Ein Fest wie die Wiesn müsse "gscheit oder gar nicht" stattfinden. Deswegen habe er sich gemeinsam mit Reiter für eine Absage entschieden.

Auch das parallel auf der Münchner Theresienwiese stattfindende "Zentral-Landwirtschaftsfest" findet in diesem Jahr nicht statt, wie Münchens Oberbürgermeister Reiter ergänzte. Damit wird die Liste der abgesagten Volksfeste länger: Der normalerweise im April stattfindende Augsburger Osterplärrer, Schwabens größtes Volksfest, wurde bereits Mitte März abgesagt. Ebenso findet das Gäubodenvolksfest in Straubing nicht statt – es startet normalerweise immer am zweiten Freitag im August und zählt mit rund 1,4 Millionen Gästen zu den größten Volksfesten in Bayern.

Markus Söder (rechts) und Dieter Reiter bei einem früheren Wiesn-Besuch.
Foto: Sven Hoppe, dpa (Archiv)

Die Absage der Oktoberfests und anderer Volksfeste kommt nicht überraschend. Bereits am vergangenen Mittwoch hatten Bund und Länder beschlossen, Großveranstaltungen zunächst bis Ende August zu verbieten. Das Oktoberfest war zwar vom 19. September bis 4. Oktober geplant und hätte demnach möglicherweise stattfinden können. Allerdings sahen Experten bis dahin zu wenig Zeit, um Medikamente und Impfungen zu entwickeln.

Oktoberfest in München abgesagt – nicht zum ersten Mal

Für München sind die finanziellen Auswirkungen der Absage enorm. Nach Angaben von Oberbürgermeister Reiter hatte die Wiesn zuletzt einen Wirtschaftswert von rund 1,23 Milliarden Euro – durch Konsum auf dem Oktoberfest, aber auch durch Hotelübernachtungen, Restaurantbesuche oder Taxifahrten. Auch die Wiesnwirte reagierten mit Bedauern. Zugleich zeigten sie Verständnis für die Absage. "Die Gesundheit unserer Gäste liegt uns besonders am Herzen und hat oberste Priorität", sagte der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer.

Blick auf das Oktoberfest: Diesen Ausblick wird es 2020 wohl nicht geben.
Foto: Tobias Hase, dpa (Archiv)

Schon im 19. Jahrhundert war das Oktoberfest wegen einer Seuche ausgefallen: Wegen der Cholera wurde das Fest 1854 und 1873 abgesagt. Auch zu Kriegszeiten gab es oft keine Oktoberfeste; während der Weltkriege wurde das Volksfest gestrichen, ebenso 1923 in der Phase der Hyperinflation. (mit dpa)

Lesen Sie auch: Das Oktoberfest wäre Deutschlands Ischgl geworden

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Die Diskussion ist geschlossen.

21.04.2020

Einzig richtige Entscheidung.

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21.04.2020

Es wäre ja auch unerhört gewesen, die Wiesn durchzuführen. Kontaktreduzierung wäre dabei ein Widerspruch in sich. Setzt man die Wiesn in Relation zu allem anderen, das abgesagt oder geschlossen werden musste, ist es vergleichsweise kein Verlust. Leider hat das Fest ja seine Volkstümlichkeit längst verloren, Mondpreise auf dem Schwarzmarkt, Überfüllung allenthalben, Münchner Bussi-Bussi-Clientel...

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