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Nach Erdbeben
28.05.2015

Helferin von Humedica schildert: So ist die Lage jetzt in Nepal

Die Zerstörung außerhalb von Kathmandu ist immens.
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Die Zerstörung außerhalb von Kathmandu ist immens.
Foto: humedica

Vor gut einem Monat hat ein Erdbeben in Nepal ganze Städte zerstört und Tausende Menschen getötet. Wie sieht es dort inzwischen aus? Eine Humedica-Helferin war vor Ort.

Leid und Verzweiflung erreichten uns aus Nepal nach den verheerenden Erdbeben. Zerstörte Häuser und tausende Tote ließen ein Bild der Zerstörung zurück. Doch wie sieht es heute in Nepal aus? Eine Freiwillige der Hilfsorganisation Humedica aus Kaufbeuren, die im Katastrophengebiet war, erzählt von ihren Eindrücken.

Maren Wiese kam ehrenamtlich als Assistenz- und Medienkoordinatorin fünf Tage nach dem ersten Erdbeben in Kathmandu, Nepals Hauptstadt, an. Die Stadt liegt nur etwa 80 Kilometer vom Hauptzentrum des Erdbebens entfernt. Wiese war Mitglied des zweiten von drei Einsatzteams, die Humedica in das Katastrophengebiet sandte. Nur wenige Tage nach dem Beben war die Lage in der Hauptstadt weitestgehend unter Kontrolle, erzählt die Helferin. "Die Infrastruktur war das größte Problem", erwähnt sie immer wieder. "Je weiter man auf das Land kommt, desto schlimmer wird es".

Humedica-Koordinatorin Maren Wiese war vor Ort.
Foto: humedica

Als die Gruppe ihren Haupteinsatzort erreicht hatte, stand für sie ein dreistündiger Fußmarsch zu einer Krankenstation an. Doch wo früher ein Krankenhaus gestanden hatte, waren nur noch Trümmer. "Alles war zerstört", sagt Wiese. So mussten die Helfer zuerst ein Zelt aufbauen, um die Verletzten behandeln zu können. Die Aufgabe des Teams war es, eine nepalesische Ärztin bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Helferin hatte den Eindruck, dass die medizinische Versorgung recht schnell unter Kontrolle gebracht wurde. "Alle vor Ort haben sich über unsere Hilfe gefreut."

Das Erdbeben der Stärke 7,8 war die stärkste Erschütterung des Bodens in Nepal seit mehr als 80 Jahren.
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Heftigstes Beben seit 80 Jahren erschüttert Nepal - Bilder der Katastrophe
Foto: dpa/afp

Städte wurden nach zweitem Erbeben zu "Geisterstädten"

Nach dem ersten Beben hatte sich die Situation vor allem in Kathmandu recht schnell wieder normalisiert - soweit das nach einer solchen Katastrophe möglich ist. Bei dem Nachbeben war Wiese selbst noch in Nepal. "Danach erkannte man die Angst im Land". Ortschaften waren wie ausgestorben, Städte wurden zu "Geisterstädten". Viele flüchteten zu Verwandten und einige Geschäfte wurden geschlossen.

Mittlerweile sind alle Toten geborgen worden und die medizinische Versorgung läuft in geregelten Bahnen, so die Helferin. "Die Hilfsbereitschaft war auch riesig." Ein großes Problem dagegen sei die Unterbringung derer, die ihr Zuhause verloren haben. Vor allem logistisch sei das sehr schwer. Der Wiederaufbau wird noch Jahre dauern, meint Wiese.

Sowohl für die Bewohner als auch für die Helfer sei es schwer, an Baumaterialien zu kommen. Der einzige Flughafen Nepals in Kathmandu sei teilweise immer noch gesperrt und auch Straßen und andere Verkehrswege seien kaum noch nutzbar. Große Sorgen macht sie sich wegen dem anstehenden Monsun. Dieser bestimmt in der Zeit von Juni bis September das Wetter des Landes. Die anhaltenden Regenfälle könnten zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen. Was den vielen Obdachlosen dann bevorsteht, möchte man sich gar nicht ausmalen.

Familienpatenschaftsprogramm geplant

Momentan ist mit drei Medizinern und zwei Koordinatoren das letzte Einsatzteam von Humedica vor Ort. Nach dem 6. Juni wird die Organisation aus Kaufbeuren ihre medizinische Arbeit in Nepal abschließen. Dann soll der Fokus vor allem auf den Wiederaufbau gelegt und die Hilfsgüter verteilt werden. Darüber hinaus ist ein Familienpatenschaftsprogramm geplant, wie eine Sprecherin von Humedica mitteilt.

Wer von zuhause aus helfen möchte, sollte dies am besten in Form von Geldspenden an Hilfsorganisationen tun. So kann die Hilfe am besten koordiniert werden und "auch das weitgehend von der Außenwelt abgeschirmte Hinterland bekommt etwas ab", rät Wiese.

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