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Pandemie

24.05.2020

Neuansteckung mit Corona: Was geschah in diesem Restaurant?

Nach dem Besuch des Restaurants „Alte Scheune“ im Landkreis Leer wurden mehrere Menschen positiv auf das Coronavirus getestet.
Bild: Lars-Josef Klemmer

Plus In der „Alten Scheune“ sollen sich Gäste mit Corona angesteckt haben. Während der Landrat ein hartes Urteil fällt, sieht sich der Betreiber als Sündenbock.

Ganz Deutschland schaut gerade auf den Landkreis Leer in Ostfriesland: Denn in einem Restaurant in der Gemeinde Moormerland sollen sich am Abend des 15. Mai mindestens 18 Personen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Eine 80-jährige Frau liegt im Krankenhaus. Diskutiert wird nun: Wurden die Bestimmungen nicht eingehalten? Reichen womöglich die bisher vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregelungen nicht aus, um eine Ansteckung bei einem Restaurantbesuch auszuschließen?

Experten, darunter auch welche des Robert-Koch-Instituts, haben immer wieder darauf hingewiesen, dass sich das Virus auch in sogenannten Aerosolen, die Menschen zum Beispiel beim Reden absondern, verbreiten könne. Und so könnte der Fall in Ostfriesland die gerade erst eingeführten Lockerungen infrage stellen – bundesweit.

Der Landrat sagt: „Man hat sich nicht an die Kontaktbeschränkungen gehalten.“

Das Restaurant „Alte Scheune“ im 2400-Einwohner-Ort Jheringsfehn hatte seine bevorstehende Neueröffnung mit rund 40 geladenen Gästen gefeiert, unter ihnen ein Arzt. Der hatte wenige Tage später bei sich Symptome einer Corona-Infektion festgestellt und seinen Verdacht mit einem Test bestätigt. Sechs weitere im Anschluss von ihm getestete Personen waren ebenfalls positiv, drei negativ.


Seitdem ist das Gesundheitsamt des Landkreises dabei, alle Kontaktpersonen der Gäste zu ermitteln. 118 Männer und Frauen wurden bis Montagmorgen in Quarantäne geschickt – getestet werde aber nur, wer auch Symptome zeige, sagte ein Kreissprecher. Einige Testergebnisse stünden noch aus. Die genaue Zahl nannte er nicht, sie soll einstellig sein. Landrat Matthias Groote von der SPD hat sich festgelegt: „Man hat sich nicht an die Corona-Kontaktbeschränkungen gehalten.“ Und: „Bis jetzt hat es funktioniert, wenn man sich an die Regeln hält.“ Er geht davon aus, dass es am Abend des 15. Mai in dem Restaurant gleich zu mehreren Verstößen gekommen ist: Zeugen hätten von Umarmungen und Händeschütteln berichtet. Eine Person soll sich ohne Mundschutz an verschiedene Tische gesetzt haben. Außerdem hätten sich Personen gemeldet, die in der „Alten Scheune“ gewesen sein wollen, aber auf keiner der vorgeschriebenen Gästelisten stehen.

Niedersachsens SPD-Gesundheitsministerin Carola Reimann spricht von einer „privaten Party“, die in dem Restaurant gefeiert worden sei. Sie sieht deshalb keine Notwendigkeit, vom Lockerungskurs für Gaststätten abzurücken. „Wir werden Ansteckungen auch in Zukunft nicht vollständig verhindern können“, sagte sie. Wichtig sei, dass dann aber alle Kontakte konsequent nachverfolgt würden, um das Infektionsgeschehen so weit wie möglich einzugrenzen.

Ohne einen Arzt unter den Gästen wäre der Fall wohl nicht bekannt geworden

Von diesem Montag an dürfen Hotels in Niedersachsen wieder Gäste aufnehmen. Die Auslastung darf maximal 60 Prozent betragen. Für Restaurants fällt die 50-Prozent-Regel. Heißt: Sie dürfen sämtliche Plätze besetzen – sofern sie dann noch die bestehenden Abstands- und Hygieneregeln einhalten können.

Tafeln vor dem Restaurant weisen auf die Corona-Fälle hin.
Bild: Lars-Josef Klemmer, dpa

Der Betreiber der „Alten Scheune“, der selbst einer der positiv Getesteten ist, sieht sich zu Unrecht zum Sündenbock gestempelt. Er versicherte, alle Vorschriften eingehalten zu haben, und das mit Fotos, Videos und Aussagen seiner Gäste belegen zu können. Die Besucher hätten größtenteils an Vierertischen in Nischen gesessen, getrennt durch jeweils einen unbesetzten Tisch. Er selber habe sich nach dem Essen kurz zu seinen Gästen begeben. Den Mundschutz habe er aber nur abgesetzt, um „insgesamt höchstens zwei Gläser an zwei oder drei Tischen“ zu trinken. Er sei nicht an jedem der durch den ganzen Raum verteilten Tische gewesen. Aber: Eine Umarmung habe es tatsächlich gegeben. „Ich habe meine Eltern umarmt.“ Da seine Gäste sich untereinander kennen und regelmäßig miteinander umgingen, ist er sich sicher, dass die Infizierten sich schon vor dem Eröffnungsabend angesteckt hätten, sagte er. Ohne die Eigeninitiative des Arztes jedenfalls wären die Infektionen nie bekannt geworden.

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