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Zürich-"Tatort"

15.10.2020

Neue Tatort-Kommissarin Zuercher: "Kam mit Waffe erstaunlich gut zurecht"

Carol Schuler (links) und Anna Pieri Zuercher sind neu beim Schweizer "Tatort".
Bild: Walter Bieri/KEYSTONE, dpa

Anna Pieri Zuercher ist die neue Kommissarin beim "Tatort" Zürich. Sie musste erst einmal zur Schießübung. Warum die Schweizerin es liebt, auf Deutsch zu spielen.

Frau Zuercher, Sie ermitteln ab Sonntag (20.15, ARD) mit ihrer Schauspielkollegin Carol Schuler als die neuen Kommissarinnen im Schweizer „Tatort“ mit dem Titel „Züri brennt“. Was erwartet die Zuschauer? Neues?

Anna Pieri Zuercher: Keine Ahnung! Wir sind schlicht ein neues Team, das in einem neuen Krimi ermittelt. Wir haben versucht, nicht die Klischees von Zürich zu zeigen, sondern bespielen Orte, die man so nicht kennt. Außerdem geht es um die 1980er Jahre, auch das ist ungewöhnlich.

Sie und Ihre neue Partnerin ticken zumindest im Film komplett verschieden.

Zuercher: Stimmt. Tessa Ott ist eine Frau, die mit ihrem Bauch denkt. Tessa handelt intuitiv und ist eigentlich für diesen Job zu jung. Es sprudelt aus ihr nur so heraus. Isabelle Grandjean ist dagegen ein reiner Kopfmensch, eine Perfektionistin. Sie handelt schnell und präzise. Und sie glaubt nur an Fakten.

Die Tatort-Ermittlerin sagt: "Ich lache und weine viel"

In Ihrer Rolle als Isabelle Grandjean sind Sie also perfektionistisch. Sind Sie das privat auch?

Zuercher: Das kann man so sagen. Selbst wenn ich nur eine Mail abschicke, lese ich sie mir immer wieder durch, damit ich nichts übersehen habe und sie fehlerfrei ist. Aber ich bin auch ein sehr emotionaler Mensch. Ich lache und weine sehr viel. Man sieht mir privat sofort an, was ich denke und wie es mir geht.

Haben Sie Erfahrung mit Waffen?

Zuercher: Nein, ich hatte vorher nie eine Waffe in der Hand. Im Vorfeld der Aufnahmen hatten wir einen Termin, um Schießen zu üben. Das hat mich anfangs ziemlich gestresst. Aber irgendwann hat es mir dann Spaß gemacht. Ich kam mit der Waffe erstaunlich gut zurecht, besser als Carol. Das ist inzwischen ein Witz zwischen uns. Am Ende der Trainings haben wir einen Schießtest absolviert. Und ich habe 18 von 18 möglichen Punkten gemacht.

Apropos Waffen. Arbeiten Sie als Ermittlerinnen auch mit den Waffen einer Frau?

Zuercher: Gibt es denn einen Unterschied zu den Waffen eines Mannes?

Erstmals zwei Frauen im Schweizer "Tatort"

Ich denke schon.

Zuercher: Okay. Isabelle kann sehr charmant sein. Sie hat am Strafgerichtshof gearbeitet und hat gelernt, sich durchzusetzen. Aber Männer können das auch. Es ist aber vermutlich ein Thema, weil erstmals zwei Frauen im Schweizer „Tatort“ ermitteln.

Tatsächlich. Es gibt erstmals reine Frauenpower im Schweizer „Tatort“.

Zuercher: Ja, wir Schweizer sind immer etwas langsamer, gerade was die Frauenrechte betrifft. Selbst das Frauenwahlrecht wurde ja erst 1971 eingeführt. Insofern sind wir mit dem „Tatort“ gar nicht so spät dran.

Der erste Fall führt Sie ins Zürich der 1980er Jahre, eine Zeit der Jugendrevolte. Da waren Sie noch ein Kind. Erinnern Sie sich noch an die Zeit?

Zuercher: Nein, ich war zu klein. Und ich habe damals in Biel gelebt. Ich habe mich dann zum Thema „Züri brennt“ über Dokumentarfilme informiert.

Tatort“-Kommissarin ist zumindest in Deutschland etwas Besonderes. Spüren Sie den öffentlichen Druck, den so eine Rolle mit sich bringt?

Zuercher: Wir haben in der Schweiz beim „Tatort“ natürlich nicht so viele Zuschauer wie in Deutschland. Aber es wird darüber sicherlich diskutiert werden. Vielleicht werde ich auch nicht alle Kritiken lesen, man muss sich ja auch selbst schützen. Aber im Grunde ist es doch schön, wenn der „Tatort“ so viele Zuschauer so stark bewegt, dass sie noch am nächsten Tag darüber diskutieren.

Gehörten Sie auch zur TV-Gemeinde, die sich den Sonntagabend freihält, um „Tatort“ zu schauen?

Zuercher: Nein, ich kannte den „Tatort“ vorher nicht. Mein Vater, ein Deutschschweizer, hat sich den zwar angeschaut. Aber wir haben daheim Französisch geredet. Ich wusste also, dass mein Vater einen Krimi schaute, aber nicht, dass es der „Tatort“ war. Meine Schwester, die in München lebt, ist „Tatort“-Fan. Als ich ihr erzählte, dass ich die neue Ermittlerin spielen werde, war sie regelrecht schockiert. Sie konnte es gar nicht glauben.

Ihre Muttersprache ist Französisch. Wie erging es Ihnen in dieser deutschsprachigen Produktion?

Zuercher: Ich mache viele Fehler. Denn meine Mutter ist Italienerin und mein Vater, wie gesagt, ein Deutsch-Schweizer. Wir haben Französisch gesprochen. Für mich war und ist Sprache nie eine Grenze. Auf die Dreharbeiten habe ich mich trotzdem mit einem Sprachencoach vorbereitet. Die Produktion will ja, dass ich einen Akzent habe. Denn die Mehrsprachigkeit ist auch ein Schweizer Phänomen. Ich liebe es, auf Deutsch zu spielen.

Warum?

Zuercher: Ich mag die Vielseitigkeit und die unterschiedlichen Rhythmen der deutschen Sprache.

Sie sind ausgebildete Pianistin. Werden Sie die TV-Zuschauer auch mal als Musikerin erleben?

Zuercher: In den ersten beiden Folgen noch nicht. Ich bin mir aber sicher, dass es passieren wird. Wir arbeiten darauf hin.

Die „Tatort“-Folge wurde vom Schweizer Fernsehen erstmals möglichst nachhaltig produziert. Wie hat sich das am Set bemerkbar gemacht? Gab es kein Einweggeschirr mehr?

Zuercher: Es gab tatsächlich kein Einweggeschirr. Jeder hatte auch sein eigenes Glas und Metallflaschen. Es wurde zudem mit deutlich weniger Fahrern gearbeitet, mit weniger Autos. Und es gab vegane Küche. Nur einmal pro Woche gab es für diejenigen, die das wollten, Fleisch.

Sind Sie Vegetarierin?

Zuercher: Nein, eigentlich nicht. Ich esse aber auch zu Hause nicht viel Fleisch, höchstens zweimal pro Woche. Überhaupt ist Fleisch in der Schweiz verhältnismäßig teuer.

In der Ankündigung des Senders heißt es unter anderem: Zürich mag zwar die größte Stadt der Schweiz sein, ist aber auch ein Dorf. Ist das wirklich so? Und warum? Mögen Sie Zürich?

Zuercher: Es gibt keine große Stadt in der Schweiz. Aber Zürich ist tatsächlich eine wirtschaftlich und kulturell sehr aktive Stadt. Ich mag Zürich, obwohl ich nie da gelebt habe. Bei den Dreharbeiten sehe ich allerdings gar nicht so viel davon, denn die Dreharbeiten lassen kaum Zeit dazu.

Der „Tatort“ feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Was wünschen Sie sich für die Krimi-Reihe?

Zuercher: Oh?! Dass es sie auch in 50 Jahren noch gibt.

Lesen Sie dazu auch: Harald Krassnitzer über seine Rolle als Kommissar

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